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„Problemstadt Duisburg“

September 11th, 2013  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Brennpunkt HochhausEin Blick nach Duis­burg zeigt, wel­ches Aus­maß der An­ti­zi­ga­nis­mus in Deutsch­land an­neh­men kann.

Kommentar von Markus Ströhlein

Jungle World 35/13: „Selbst sozial Enga­gierte sagen doch, dass nur we­nige Roma integra­tions­willig sind. Die ande­ren kom­men mit unse­rer Gesell­schaft nicht klar. Die müssen weg.“ Diese Sätze stam­men von Ramon van der Maat. Er ist Sprecher der Polizei Duis­burg. Wie etliche Poli­tiker und zahl­rei­che Be­woh­ner Duisburgs, ins­be­son­dere des Orts­teils Rhein­hau­sen, hat er ein Problem in der Stadt aus­ge­macht: den Häu­ser­block In den Peschen 3–5 be­zie­hungs­wei­se des­sen Be­woh­ner.

Dort leben Zeitungsberichten zufol­ge unge­fähr 1000 Roma aus Bul­ga­rien und Rumä­nien in nur 74 Woh­nun­gen. In und vor dem Haus geht es laut zu, zu­mal Hun­derte Kinder dort woh­nen. Müll­säcke ste­hen am Straßen­rand, offenbar gibt es nicht genug Müll­ton­nen. Einige Roma bes­sern sich ihre küm­merli­chen Ein­künfte anschei­nend durch Dieb­stähle auf. Lärm, Müll, Klein­krimi­na­lität – was anders­wo Grund für einen Nach­bar­schafts­streit wäre, neh­men Duis­burger Wut­bür­ger zum Anlass für einen Beitrag zum Ideen­wett­be­werb „Rege­lung der Zigeu­ner­frage“, der 1938 von Hein­rich Himm­ler aus­ge­ru­fen wurde. Von der „Zigeuner­brut“ schwadro­nierte kürz­lich ein Mann unwi­der­spro­chen auf einer als Bürger­ver­samm­lung getarn­ten Zusam­men­rot­tung, der Mode­rator sprach von Men­schen, die „kul­tu­rell nicht hier­her passen“, jemand drohte: „Wenn die Stadt nicht ein­greift, dann müs­sen wir halt sel­ber han­deln.“ Die Face­book-Grup­pe „In den Pe­schen 3–5“ hat Hand­lungs­vor­schlä­ge erar­bei­tet: „Zün­det das Haus ein­fach an“, „Napalm rein. Auf Wie­der­sehen“, ein ande­rer empfahl, die Roma hin­ter „Sta­chel­draht­zaun ohne Tor aus­zu­hun­gern“.

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