Film & Theater

Nazif Mujić gestorben

Februar 19th, 2018  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater

Preisträger der Berlinale 2013 (Foto: Berlinale)Nazif Mujić, Preisträger der Berlinale 2013, ist am Sonn­tag in sei­nem nord­bos­ni­schen Hei­mat­ort im Al­ter von 48 Jah­ren ge­stor­ben.

Mit seiner Familie spielte Mujić in dem semi­doku­men­ta­ri­schen Film „Aus dem Leben eines Schrott­samm­lers“ („Epi­zo­da u životu berača željeza“) eine Epi­sode aus seinem Leben und wurde dafür mit dem Silbernen Bären als Bes­ter Dar­steller aus­ge­zeich­net. Noch im selben Jahr suchte der bos­ni­sche Rom, unter­stützt von der Berlinale-Lei­tung, in Deutsch­land um Asyl an. 2014 wurde der An­trag je­doch ab­ge­wie­sen. Nazif Mujić war bereits seit län­ge­rem krank und lebte in Armut. Erst kürz­lich ver­kaufte er aus Geld­man­gel seinen Silbernen Bären.

(dROMa)

Siehe auch:
SWR2: Nazif und der silberne Bär, 13.2.2018
„Berlinale-star“ i rupuni medva biknel, 26.1.2017
Berlinale-Star vor Abschiebung, 26.1.2014
Berlinale: Das Leben der vier Mujićs, 15.2.2013

Hinweis: Gratisfilm „Desert Inspiration“

Februar 16th, 2018  |  Published in Film & Theater, Internet & Blogothek, Musik

Flimmit-Gratisfilm der WocheDokumentarfilm von Robert Krieg & Monika Nolte
57 Min., D 2015 (DVD erschienen bei W-Film)

Der Dokumentarfilm (mehr hier) ist derzeit noch auf dem öster­rei­chi­schen Streaming­portal Flimmit.at als Gratisfilm der Woche zu sehen. Kosten­lose An­mel­dung genügt. Auf der Website von Lulo Reinhardt, dem Pro­ta­go­nis­ten des Films, heißt es über „Desert Inspi­ra­tion“:

An einem faszinierenden Ort, in einem schönen, ganz aus Lehm erbau­ten Tighremt bei Agdz, einer kleinen Oasen­stadt im Süd­os­ten Marokkos, hat sich seit 2007 ein un­gewöhn­li­ches Musikfest entvwickelt. Unter dem Motto „Trefft Euch!“ spie­len an zwei Tagen Musiker aus Europa mit Ver­tre­tern der Musik der Berber zu­sam­men. Der Höhe­punkt ist die Fusion der aus Europa mit­ge­brach­ten Musik mit dem Rhythmus der Awash-In­ter­preten, die in ihren Gesängen und Tänzen die ur­sprüng­liche Einheit des Men­schen mit der Natur und dem Kos­mos be­schwö­ren.

An diesem Ort, dem Tor zur grenzenlosen Wüste, wird die Relati­vität und End­lich­keit mensch­li­cher Exis­tenz beson­ders spürbar. In der Oase begeg­nen sich drei Men­schen, denen die Her­kunft aus einer noma­di­schen Kultur gemein­sam ist: Der Sinto Lulo Reinhardt, der Berber Cherif El Hamri und die ju­gend­li­che Berberin Fati Ait el Caid. Lulo ver­bindet seine von Sinti Swing, Rumba, Blues und Flamenco inspi­rier­ten Kom­posi­tio­nen mit den hypno­tischen und repe­te­tivven Klängen der Berber-Musik, die in Cherif El Hamri einen ihrer über­zeu­gends­ten Ver­treter ge­fun­den hat. Fati über­setzt für die beiden, wo die univer­sale Sprache der Musik zur Ver­ständi­gung nicht aus­reicht. Read the rest of this entry »

SWR2: Nazif und der silberne Bär

Februar 13th, 2018  |  Published in Film & Theater, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Familie Mujic (Foto: swr.de)SWR2 Feature: Nazif und der silberne Bär – Vom kurzen Ruhm eines Rom

Einstündige Sendefassung der gleich­na­mi­gen Podcast-Se­rie von Zoran Solomun

Sendung vom 14.2.2018, 22:03 Uhr | Die Serie „Nazif und der sil­ber­ne Bär“ kön­nen Sie auch in der ARD Audio­thek App oder als Podcast hö­ren.

Nazif Mujić ist ein Rom aus Ostbosnien, der von Altmetall lebt, das er sam­melt und wei­ter­ver­kauft. Im Winter 2011 er­war­ten er und seine Frau Senada ihr drit­tes Kind. Als es plötz­lich im Mutter­leib stirbt, än­dert sich ihre Leben dra­ma­tisch. Sie haben weder eine Kranken­ver­si­che­rung noch ge­nü­gend Bargeld, um die nöti­ge Operation zu be­zah­len. Mit einem ille­galen Trick ge­lingt es erst im letz­ten Moment, ihr Leben zu retten.

Der be­rühmte bosnische Filmregisseur und Oscar-Ge­win­ner Danis Tanović er­fährt von ihrer Ge­schichte und ver­filmt sie mit Nazif und Senada, die sich selbst spie­len, in den Haupt­rollen. Der halb­dokumen­ta­ri­sche Film wird zu einem Rie­sen­erfolg: Auf der Berlinale 2013 er­hält Tanović den Großen Preis der Jury und Nazif Mujić den Silber­nen Bären als bes­ter Dar­steller. Nazif und Senada hof­fen, dass sich ihr Leben nun zum Bes­se­ren wen­den wird.

(SWR2 Programminfo)

Auf Spurensuche in Marzahn

Januar 30th, 2018  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Jugend & Bildung

Die Theaterperformance »Rastplatz Marzahn«, eine auf Zeit­zeugen­erin­ne­run­gen basie­rende Re­konstruk­tion des Zwangslagers für Sinti und Roma in Mar­zahn-Hel­lers­dorf, feierte im Ok­tober Pre­miere. Am Mitt­woch wird das Stück im Rahmen des Jugend­forums „denk!mal“ im Berliner Ab­ge­ord­ne­ten­haus erst­mals einem breite­ren Publi­kum vor­ge­stellt.


„Es hat furchtbar gestunken. Normaler­weise hätten wir uns an einem sol­chen Ort nie auf­ge­halten, schon allein wegen un­se­rer Gesetze nicht, die das ver­bieten. Wir wur­den aber zwangs­weise dort ab­ge­stellt.“ (Otto Rosenberg)

Heute ein unscheinbarer Ort zwischen Hoch­häu­sern und S-Bahn­geleisen in Mar­zahn-Hel­lers­dorf. Von 1936 bis 1945 be­fand sich an dieser Stelle ein Sammel­lager für Sinti und Roma. Die Ver­schleppung und Fest­setzung der Volks­gruppe auf die­sem Platz war der erste Schritt zu ihrer syste­ma­ti­schen Ver­fol­gung und Ver­nichtung. Für die mediale Theater­performance hat sich das Ensemble aus jun­gen Men­schen und Schau­spie­ler*innen hier auf die Spuren­suche nach der Geschichte des „Rast­platz Marzahn“ be­ge­ben. Read the rest of this entry »

Django – Ein Leben für die Musik (Trailer)

Januar 28th, 2018  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Musik

Django – Ein Leben für die Musik
Spielfilm von Étienne Comar, Frankreich 2017, 115 Min.

Frankreich, 1943. Der begnadete Jazzgitarrist Django Reinhardt ist auf dem Gipfel sei­nes Er­fol­ges. Abend für Abend spielt er in aus­ver­kauf­ten Sälen und be­geis­tert das Publikum mit sei­nem Gypsy-Swing, einer Musik voller Lebens­lust und Witz, der sich auch die deutschen Besatzer nicht ent­ziehen kön­nen. Wäh­rend andere Sinti in ganz Europa ver­folgt werden, kann sich Django auf­grund seiner Popularität in Si­cher­heit wiegen – bis ihn die National­sozia­lis­ten auf Tournee nach Deutschland schicken wol­len. Django wei­gert sich. Seine Pariser Ge­liebte hilft ihm, mit seiner schwan­ge­ren Frau und seiner Mutter an der Schweizer Grenze unter­zu­tauchen. Read the rest of this entry »

„Django – Jek dschivipe la muschikake“

Januar 17th, 2018  |  Published in Film & Theater, Geschichte & Gedenken, Musik

Django FilmplakatO nacis ando Pariser koncertakero kher lo­schane use pu­men mici­nen, na dur niko buter upro padi be­schel. Le svingis­tar la gita­ra­tar niko nasch­tig pe tschil. Mirno o Reinhardt le dsche­nen use peste cidel taj jeke tikne asaji­peha ov pal pe cidel upral i bühne. Parasch­tun o „Django – Ein Leben für die Musik“ an­do kino te dikel hi.

Ada leskero drama hi, le barikane gitarististar taj band­lea­deris­tar, savo ojs pijonir le euro­pi­tike jazzis­tar prin­dschardo hi. O film le fran­ci­ti­ke Etienne Comaristar phral i 67. Berlinale an­do feberi. O „Django“ khelel pe andi ande limi Francija 1943 taj phu­tschel pe palo fali­ke­ripe le Sinti muschi­kas­tostar Reinhardt uso naci, save leske ando Paris nisch­ta na kerde. Le avre Sinti taj Romen ham trad­nahi taj mur­dar­nahi. Avre ala­venca: Schaj jek kinst­leri kompro­mis­tscha le ben­geha ande dschal, te les­keri kunst va­schoda schaj atschel? O Reinhardt (Reda Kateb) phe­nel upro phutscha­jipe ande jek les­kere vake­ri­pen­dar pra piran­jaha Louise (Cécile de France): „Me muschi­ka­schi som. Me muschi­ka kerav, ada lek feder dscha­nav. Ko mre use schu­nasch­tscha hi, nan mro proble­mo.“

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„Antiziganismus und Film“

Januar 10th, 2018  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Die "Zigeunerhexe" Ganush, antiziganistischer Tiefpunkt im Kino der letzten Jahre: der US-Horrorfilm "Drag me to hell" von Sam Raimi (Filmstill, Ghost House Pictures/ Universal Pic.)Fachgespräch (21.2.) und Konferenz (22./23.2.) zu „Antiziganismus und Film“ in Berlin

Das Thema „Antiziganismus und Film“ ist hochaktuell und eine tiefer­ge­hen­de Aus­einan­der­setzung und Debatte dazu steht bis­lang aus. In den letz­ten Mona­ten gab es größere öffent­liche Auf­merk­sam­keit und kritische De­batten zu gleich drei aktuel­len Kino­pro­duk­tio­nen. Zum einen die inhalt­liche Aus­rich­tung des Kinder- und Jugend­films „Nellys Abenteuer“ (hier und hier) wie auch seine Pro­duk­tions­bedin­gun­gen, die auf Ein­ladung des Zentral­rats Deutscher Sinti und Roma bei einem Fach­gespräch in Berlin kontro­vers dis­ku­tiert wur­den. Zum an­de­ren der fran­zö­si­sche Film „À bras ouverts“ („Hereinspaziert“), der be­reits An­fang des Jahres in Frankreich eine De­batte über Rassismus im Kino aus­löste und nun auch in Deutschland und Österreich stark kri­ti­siert wird. Auch die Be­setzung einer männ­li­chen Haupt­rolle in der geplan­ten Ver­fil­mung von Mikey Walshs Me­moiren „Gypsy Boy“ mit Benedict Cumberbatch hat in Groß­britannien eine Dis­kus­sion über „White­washing“ im Kino an­ge­facht.

Bereits seit Jahren ist das Thema „Roma“ und damit in vielfältiger Weise auch das Thema „Antiziganismus“ in der Film­branche präsent. Filme wie „Epizoda u životu berača željeza“ („Aus dem Leben eines Schrott­sammlers“), „Csak a szél“ („Just the wind“) oder „Aferim!“ erlang­ten Preise auf den großen Film­fest­spie­len. Auf­wen­dige Kino­pro­duk­tio­nen wie „Sherlock Holmes: A Game of Shadows“ („Sher­lock Holmes: Spiel im Schatten“) oder „Chocolat“ („Chocolat – Ein kleiner Biss genügt“) be­mü­hen anti­ziganis­tische Stereo­type und ver­schie­denste Fernsehproduktionen der letzten Jahre und Jahrzehnte setzen sich gewollt oder ungewollt mit diesem Themenfeld auseinander. Erinnert sei nur an die kontro­versen Dis­kus­sio­nen zu den Tatort-Folgen „Armer Nanosh“ (1989) und „Brandmal“ (2008). Filme, die ex­pli­zit aus einer Roma­ni-Perspek­tive produziert und er­zählt werden, schaf­fen es hin­ge­gen selten über den Status des ‚Nischenfilms’ hinaus.

Vorläufiges Programm Read the rest of this entry »

„Romano Sumnal“: Junge Roma in Leipzig

Januar 2nd, 2018  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung

Ein Film von Didi, Jashko, Rikardo, Ferida, Elita, Melissa, Julia, Stefan, Nicola

Regie/Kamera/Schnitt: Leonore Kasper
Deutsch/Romanes/Serbisch, 11:14 Min.

ROMANO SUMNAL ist ein Portrait Leipziger Jugendlicher aus der Roma-Com­munity. Sie spre­chen über ihr Leben und ihre Zu­kunft. Aber auch über das „Wie Weiter?“ und die eige­ne Sicher­heit in Zeiten von Ab­schie­bun­gen. Alle sind sie bei Roma­no Sum­nal – Verein für Roma in Sachsen ak­tiv.

Der Film ist Teil von RomaRespekt un­ter dem Dach von Weiterdenken und wird ge­för­dert im Rah­men des Bundes­programms „Demo­kra­tie leben!“ des Bundes­minis­teriums für Familie, Senio­ren, Frauen und Jugend. Leo­nore Kasper stu­dier­te bis 2013 Medien­kunst an der Hoch­schule für Grafik und Buch­kunst in Leipzig und lebt in Leipzig. Sie ist als Men­to­rin und künst­le­ri­sche Lei­tung für sozio­­kul­tu­relle Film­pro­jekte tätig und ent­wickelt eige­ne Film­arbeiten.

(RomaRespekt)

Preisverdächtig: „Schluchten – Neue Nachbarn“

November 22nd, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte

Schluchten: Ein theatraler Spaziergang (Foto: Christian Menkel/Nyx e.V.)Zum zweiten Mal wird dieses Jahr in Deutschland der Amadeu-Antonio-Preis für krea­ti­ves Engage­ment für Men­schen­rechte – ge­gen Rassis­mus und Dis­kri­mi­nie­rung ver­liehen. Von der Ama­deu-Anto­nio-Stif­tung und der Stadt Eberswalde ver­geben, wür­digt der Preis kreati­ves künst­le­ri­sches Engage­ment für Men­schen­rechte. Zugleich erin­nern wir mit dem Preis an den gewalt­sa­men Tod von Amadeu Antonio vor 27 Jah­ren und an die vielen weivteren Opfer rassis­ti­scher Gewalt seit­her. Ins­gesamt drei Preise wer­den am 28. No­vem­ber 2017 ver­geben. Aus 60 Ein­rei­chun­gen der ver­schie­dens­ten Genres wähl­te die un­abhän­gi­ge Jury nun die sie­ben Nomi­nier­ten. Unter diesen das Theaterprojekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ (ent­stan­den in Ko­opera­tion von Nyx e.V. und dem Regional­verband deutscher Sinti und Roma Augsburg). Das Web­magazin Belltower.News stellt das no­mi­nierte Projekt vor:

„Es gehört bestimmt mehr Mut dazu, einem Frem­den zu ver­trauen, als seine Anders­artig­keit abzulehnen.“ In Dorothea Schroeders Thea­ter­pro­jekt „Schluchten – Neue Nachbarn“ geht es um Vor­urteile und Vor­behalte gegen Sinti und Roma. In den Jahren 2015 und 2016 wurde es von Nyx e.V. in Zusam­men­arbeit mit dem Regional­ver­band deutscher Sinti und Roma Augsburg um­gesetzt. Schau­spieler, Sinti und Roma er­zählten authen­tische Ge­schich­ten bei ihren Füh­run­gen durch das Augs­bur­ger Fischerholz. Alexander Adler, selbst Sinto, war einer von ihnen. Mit ihm sprach Fiona Katharina Flieder.

Wie ist das Projekt entstanden?

Alexander Adler: Ich vermute, dass anfangs das Ziel von Dorothea Schroeder war, einen Einblick in die ver­meint­lich ab­geschot­tete Welt der Sinti und Roma zu gewäh­ren. Ehe­ma­lige Wohn­orte, Camping­plätze soll­ten gezeigt, auf Miss­stände hin­ge­wie­sen werden. Es sollte beleuch­tet werden, woher das Miss­trauen auf bei­den Seiten kommt und wo die größ­ten Defizite sind. Eine Tra­gödie, für die beide Sei­ten nichts können. Nach und nach zeigte sich je­doch an­schei­nend, dass es so ein­fach nicht ist. Das Projekt ent­wickelte sich weiter. Read the rest of this entry »

Zentralrat erneuert Kritik an Kinderfilm

Oktober 27th, 2017  |  Published in Film & Theater, Jugend & Bildung, Radio & TV, Rassismus & Menschenrechte

Screenshot aus Nellys AbenteuerZentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert Vorwurf des Antiziganismus gegen den Film „Nellys Abenteuer“. SWR zeigt sich uneinsichtig gegen berechtigte Kritik

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma erneuert seine Kritik ge­gen den Kinderfilm „Nellys Abenteuer“ (wir be­rich­te­ten), den der SWR jetzt vor­ge­zo­gen aus­strahlen will. Der Zentral­rat hatte am 14. Sep­tem­ber 2017 ein Fach­gespräch in Berlin ver­anstaltet, an dem Ver­treter der Film­industrie, der Film­förde­rung sowie Wis­sen­schaft­ler und Jour­na­lis­ten teil­ge­nom­men hatten. Ver­tre­ter des SWR so­wie die Autoren und Be­tei­lig­ten der Film­pro­duk­tion wa­ren der Ein­ladung nicht ge­folgt. Auf der Grundlage des vom Zentralrat in Auftrag ge­ge­be­nen Gut­achtens von Pavel Brunßen, Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät Berlin, teil­ten die Teil­nehmer der Gesprächs­runde im Wesent­li­chen die Vor­würfe des Zentral­rates. Der Film gebe An­lass, so­wohl in den Gre­mien der staat­li­chen Film­för­de­rung als auch bei­den Film­schaf­fen­den selbst über die Ethik des Filme­machens über Sinti und Roma nach­zu­denken. Dass die Re­pro­duk­tion von anti­ziga­nis­ti­schen Stereo­typen, wie sie in Nellys Abenteuer er­folgt, auch noch mit nahe­zu einer Mil­lion Euro Steuer­gelder fi­nan­ziert wurde und jetzt auch noch im öffent­lich-recht­li­chen Fernsehen, wie­derum fi­nan­ziert aus öf­fent­li­chen Geldern, ge­sen­det werden soll, sei kaum nach­voll­zieh­bar, re­sümier­te Romani Rose für den Zentralrat.

Während dieses Fachgesprächs wurde von den Teilneh­mern bis in die Details der Kamera­füh­rung hinein auf­ge­zeigt, wie die anti­ziga­nis­ti­schen Bilder um­ge­setzt wur­den: z.B. dokumen­ta­ri­sche Kamera / Hand­kamera, wenn Roma ge­zeigt werden, ver­sus Spielfilm­kamera / Stativ­kamera, wenn Nelly oder ihre Fa­milie auf­treten. Gera­de die Be­haup­tung der Filme­macher, es sei doch ein Spielfilm, der künst­le­ri­sche Frei­heit rekla­mie­ren könne, wird durch den gleich­zei­ti­gen An­spruch auf doku­men­ta­ri­sche Authen­ti­zität kon­ter­ka­riert. Wäh­rend die Figur der Nelly durchaus eine Ent­wick­lung durch­läuft, blei­ben die Roma-Fi­gu­ren sta­tisch, auch am Ende des Films blei­ben sie als Kri­mi­nel­le stehen.

Nellys Abenteuer stigmatisiert Roma als Kriminelle und Diebe. Im „Päda­go­gi­schen Begleit­mate­rial“ für Schulen wer­den die beiden wich­tigsten Roma-Fi­gu­ren, Roxana und Tibi, je­weils als kri­mi­nell vor­ge­stellt : „Roxana ist 15 Jahre alt … Sie verdient ihr Geld mit ihrem Bru­der durch Taschen­dieb­stahl. … In einem Jahr soll sie ver­hei­ra­tet wer­den – mit dem Sohn von Hokus.“ Read the rest of this entry »