Rassismus & Menschenrechte
Mai 24th, 2024 |
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Politik, Rassismus & Menschenrechte
Der Attentäter, der den slowakischen Regierungschef Fico mit mehreren Schüssen lebensgefährlich verletzte, ist Verfasser eines romafeindlichen Buches und identifizierte sich mit rassistischen Mördern.
Vergangene Woche wurde der slowakische Ministerpräsident Robert Fico in der Stadt Handlová angeschossen. Der mutmaßliche Attentäter wurde noch am Tatort überwältigt und festgenommen. Bei dem Angreifer handelt es sich Medienberichten zufolge um den Schriftsteller Juraj C. aus der Kleinstadt Levice. Der 71-Jährige hat mehrere Bücher veröffentlicht und ist Gründer eines Literaturclubs in Levice. 2016 arbeitete er für einen privaten Sicherheitsdienst.
Während sich die Regierung beeilte, das Attentat als Gewalttat aus den Reihen der linken und liberalen Opposition zu framen, wurden C.s kontroverse Ansichten über Roma publik. Der Menschenrechtsaktivist Miroslav Brož hatte das Nachrichtenportal Romea.cz auf die romafeindlichen Texte C.s aufmerksam gemacht. Die rassistischen Aussagen des Verdächtigten führten zu Empörung in der Öffentlichkeit. Auch der slowakische Roma-Politiker und Europaabgeordnete Peter Pollák wies auf den Rassismus des mutmaßlichen Attentäters hin: „Der Angreifer, der R. Fico erschoss, war auch ein Rassist! Er äußerte sich auch rassistisch über die Roma“, schrieb Pollák.
Rassistisches Traktat „Efata“ (2015)
Ein besonderes Augenmerk liegt nun auf C.s Buch „Efata: über Zigeuner und Roma“ [Efata: o cigánoch a Rómoch] von 2015, das rassistische Aussagen über Roma enthält: „Noch nie gab es in Europa so viele schamlose Zigeuner wie heute. Aber sie sehen die Sozialsysteme und wissen nur zu gut, wie man sie ausnützt. Der Staat löst das Problem nicht, er kratzt nur ein weng an den Ecken. Hunderttausend slowakische Zigeuner wollen die Gunst der Weißen, aber davon werden sie uns nichts sagen … Seien wir streng und fair mit ihnen …“, heißt es in dem Buch.
C.s Buchpublikation zeigt auch seine Bewunderung für Mörder wie Ľubomír H. und Milan J., die für ihre Gewaltverbrechen an Roma bekannt sind. H. ermordete im August 2010 in einem Außenbezirk Bratislavas sieben Menschen, darunter mehrere Mitglieder einer Familie, die teilweise der Roma-Minderheit angehörte; während J. im Juni 2012 drei Mitglieder einer Roma-Familie in Hurbanov erschoss, drei weitere wurden verletzt. Read the rest of this entry »
Mai 6th, 2024 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Podcast Tabulos (Fritz/rbb), Okt. 2020
Roxy ist eine Sintezza. Das bedeutet, sie gehört zu den Sinti, einer Teilgruppe der europäischen Sinti und Roma. Dafür wird sie ständig diskriminiert und auch schon mal gefragt, ob sie in einem Wohnwagen aufgewachsen ist. Woher kommen diese Vorurteile? Wie wehrt sie sich gegen Diskriminierung? Und wie schätzt sie die Situation der Sinti und Roma in Deutschland ein? Im Podcast „Tabulos“ spricht Claudia Kamieth über die Themen, die wir sonst oft verschweigen.
(Text und Sendung: Tabulos [Fritz/rbb])
April 27th, 2024 |
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Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht
Institutioneller Antiziganismus auf kommunaler Ebene – Einführung und Praxisperspektiven aus der Bildungsarbeit mit Behördenmitarbeitenden
Eine Handreichung des Bildungsforums gegen Antiziganismus für Multiplikator*innen aus Verwaltung, Sozialer Arbeit und Bildungsarbeit, Berlin/Heidelberg 2023 (36 S.)
→Hier bestellen (E-Mail) | →Download (pdf)
Antiziganismus äußert sich nicht nur durch individuelle Einstellungen, Haltungen und daraus resultierende Handlungen. Rassismus gegen Sinti* und Roma* vollzieht sich häufig auch auf der Ebene von gesellschaftlichen Institutionen und Organisationen, die mehr sind als die bloße Summe individueller Handlungen. Bei institutionellen Formen des Antiziganismus kommen unter anderem Handlungsroutinen, Verfahrensregelungen und Arbeitskulturen zum Tragen, die zu einer Praxis der systematischen Ungleichbehandlung von Sinti* und Roma* führen.
Die Existenz von institutionellem Antiziganismus bestätigte sich jüngst erneut durch den erstmals veröffentlichten Jahresbericht der bundesweiten Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA). Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist, „dass bei etwa einem Drittel der Fälle die Verantwortlichen für den Antiziganismus nicht als Privatpersonen handelten, sondern sich in einer bestimmten Rolle oder Funktion befanden – z.B. Polizist*innen, Sachbearbeiter*innen von Jobcentern oder Jugendämtern, Personen in politischen Ämtern wie Bürgermeister*innen oder Mandatsträger*innen“.
Mit der vorliegenden Handreichung, die in Zusammenarbeit des Bildungsforums gegen Antiziganismus des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma mit dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt und dem Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin entstanden ist, wird ein Schwerpunkt auf institutionellen Antiziganismus auf der kommunalen Ebene gelegt. Die Broschüre der Autor*innen Tobias Neuburger, Georgi Ivanov und Sara Pasquali richtet sich insbesondere an Multiplikator*innen aus der Verwaltung, der Sozialen Arbeit sowie dem Bereich Bildung. Read the rest of this entry »
April 19th, 2024 |
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Dokumente & Berichte, Rassismus & Menschenrechte
Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA veröffentlicht Bericht (→Download) zur Diskriminierung von geflüchteten ukrainischen Roma in Deutschland
Ukrainische Roma, die seit Februar 2022 vor dem russischen Angriffskrieg nach Deutschland geflüchtet sind, erleben direkten, strukturellen und institutionellen Antiziganismus. Dies geht aus einem Monitoringbericht hervor, den die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA am Mittwoch, den 17.4.2024 in Berlin veröffentlicht hat. „Die alltägliche Diskriminierung zeigt sich an dem fehlenden oder eingeschränkten Zugang dieser Menschen zu menschenwürdigem Wohnraum, zu Bildung, Sozialleistungen und zu weiteren Hilfs- und Dienstleistungen“ bilanziert MIA-Bundesgeschäftsführer Dr. Guillermo Ruiz Torres.
Der Monitoringbericht belegt anhand zahlreicher Vorfälle, die MIA gemeldet oder von ihr recherchiert wurden, unter anderem einen diskriminierenden Umgang der Betroffenen durch Polizeibeamte, Mitarbeitende der Deutschen Bahn, in der Verwaltung, in der Sozialen Arbeit sowie im Bildungssektor. Geflüchtete ukrainische Roma werden in Geflüchtetenunterkünften und Schulen segregiert und müssen zum Teil monatelang auf einen Schulplatz warten. Die betroffenen Kinder haben geringere oder gar keine Chancen, erfolgreich am deutschen Bildungssystem teilzuhaben.
„Geflüchtete Roma haben dieselben Rechte und denselben rechtmäßigen Anspruch auf Unterstützung wie ihre ukrainischen Landsleute, die ebenfalls Schutz in Deutschland suchen. Trotzdem werden ihnen diese oft verwehrt“, kritisiert Dr. Guillermo Ruiz Torres.
Darüber hinaus werden Roma verdächtigt, keine „echten Kriegsflüchtlinge“ zu sein. Read the rest of this entry »
April 15th, 2024 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Leben am Rand der Gesellschaft
Deutschlandfunk/Hintergrund, 4.4.2024, 18:59 Min.
Die Europäische Union hat sich zum Ziel gesetzt, die gesellschaftliche Teilhabe der Roma deutlich zu verbessern. Besonders prekär ist ihre Situation unter anderem in Griechenland. Spanien hingegen gilt als Vorreiter bei der Integration von Roma. Rodothea Seralidou berichtet für Deutschlandfunk über die Lage der Volksgruppe in Griechenland.
(Text und Sendung: Deutschlandfunk)
März 25th, 2024 |
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Interview, Medien & Presse, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
BR24 Medien, 23.3.2024, 31:40 Min.
Podcastfolge: Warum müssen wir anders über Sinti und Roma berichten?
Antiziganismus, also Rassismus gegenüber Sinti und Roma, ist immer noch weit verbreitet in unser Gesellschaft. Und Medien tragen dazu bei. Das passiert zum Teil ohne Absicht, aber trotzdem mit problematischen Folgen. Welche Muster gibt es da und wie entstehen sie? Was passiert zum Beispiel beim „Othering“? Und welche Ansätze gibt es, um die Berichterstattung zu verbessern? Linus Lüring spricht mit Carmen Glink Buján und Georgi Ivanov von „Amaro Foro“. Der Verein bietet Trainings für Medienschaffende zu Antiziganismus an und beobachtet gezielt die Berichterstattung über Sinti und Roma. Auch Markus End, Wissenschaftler am Zentrum für Antisemitismus-Forschung an der TU Berlin, untersucht das Bild von Sinti und Roma in den Medien. Im Interview erklärt er vier zentrale Darstellungsmuster, die er kritisch sieht.
(Beitrag und Text: BR24 Medien)
März 21st, 2024 |
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Dokumente & Berichte, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
Der Verein ZARA – Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit veröffentlicht seinen Rassismus-Report für das Jahr 2023 (→Download). Die darin enthaltenen Zahlen weisen einen Anstieg des Bedarfs an intensiver Beratung bei Betroffenen von Rassismus auf. Die Lösung für die darunterliegende strukturelle Problematik ist ein ganzheitlicher Nationaler Aktionsplan gegen Rassismus.
Rassismus in Österreich
ZARA dokumentierte für das Jahr 2023 insgesamt 1.302 Meldungen von Rassismus mit einem immer noch alarmierend hohen Anteil an Online-Fällen (58 %). Die Fallmeldungen reichen von rassistischer Polizeigewalt bis hin zu Diskriminierung im Bildungssystem, unterstreichen die Notwendigkeit struktureller Veränderungen und betonen, dass Rassismus nicht nur ein individuelles, sondern ein gesellschaftliches Problem darstellt. Das erklärt, warum nicht die Rassismus-Meldungen an ZARA jährlich steigen, sondern der Bedarf an intensiver Beratung. Insgesamt haben ZARA-Berater*innen 1708-mal Betroffene beraten. Individuelle Beratungen via E-Mail (52 %) und Telefon (37 %) sind besonders beliebt – gefolgt von persönlichen Beratungen und Begleitungen (8 %). Insgesamt setzte ZARA daraufhin 702-mal rechtliche Maßnahmen und andere Interventionen. ZARA-Geschäftsführerin Rita Isiba hebt hervor: „Um die Politik für einen antirassistischen Wandel zur Verantwortung zu ziehen, müssen wir zunächst den systemischen Charakter des Rassismus und die Art und Weise, wie es jeden Aspekt unserer Gesellschaft durchdringt, erkennen.“
Ein Aufruf zum Handeln
Deshalb setzt sich ZARA seit Jahren für die Umsetzung eines Nationalen Aktionsplans gegen Rassismus (NAP) ein und hat in diesem Sinne unterschiedliche Anstrengungen unterstützt, die dies einforderten. Der NAP zielt darauf ab, die Sicherheit und Unterstützung für Betroffene zu gewährleisten, Gleichbehandlung und Gerechtigkeit zu fördern, Teilhabe und Repräsentation zu ermöglichen, und ein umfassendes Verständnis für die Auswirkungen von Rassismus zu schaffen. Read the rest of this entry »
März 17th, 2024 |
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Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Am 7. März 2024 erschien auf Krone.at ein Artikel von Mario Ruhmanseder, der im Oberösterreich-Ressort für die Stadt Linz zuständig ist. „Roma-Durchreiseplatz: Aggressive Volksgruppen mutieren zu Dauercampern“ liest man da in fetten Lettern, bebildert mit einer Drohnenaufnahme von einigen Wohnwägen auf einem Halteplatz. Aggressive Volksgruppen? Wir finden: ein Fall für den Österreichischen Presserat.
Der Artikel betrifft Fahrende, mutmaßlich Sinti bzw. Roma, auf dem Durchgangsplatz in Pichling (Linz). Es wird hier unter Aufbietung zahlreicher bekannter antiziganistischer Stereotype (siehe unten) Stimmung gegen eine dort anwesende Personengruppe – und die Volksgruppe der Roma und Sinti insgesamt – gemacht.
Insbesondere wird – prominent in der Überschrift (wie sie ja zum Beispiel auch in den Voransichten auf Social Media aufscheint) – diese vulnerable ethnische Minderheit als Ganzes durch die Wortwahl als „aggressive Volksgruppen“ gebrandmarkt: Das Wort „Volksgruppe“ verweist in ihrem allgemein üblichen (und auch rechtlich definierten) Bedeutungsgehalt schließlich nicht auf eine konkrete Gruppierung von Individuen, sondern auf die Ethnie an sich. So ist der Begriff „Volksgruppe“ im Sinne von „ethnischer/nationaler Minderheit“ beispielsweise auch dem österreichischen „Volksgruppengesetz“ zugrundegelegt. Die Begrifflichkeit ist definiert. Eine physische Ansammlung von Personen, die ihrerseits einer Volksgruppe angehören, benennt sie nicht.
Hinzu kommt, dass ja auch bereits im Titel selbst anhand des Schlagwortes „Roma-Durchreiseplatz“ klar gemacht wird, welche ethnische Minderheit gemeint ist. Die Unterscheidung zwischen spezifischer Personengruppe (den anwesenden Familien) und gesamter Volksgruppe (Roma und Sinti) wird in der Überschrift semantisch aufgelöst; die Wörter „Roma“, „aggressiv“ und „Volksgruppen“ hingegen werden im Titel miteinander verknüpft. Somit wird die gesamte Ethnie öffentlich stigmatisiert und als vermeintliche Bedrohung und Last für die Allgemeinheit diffamiert.
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März 14th, 2024 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Am 14.3.2014 wurde der 5-jährige Dano im deutschen Herford von einem Nachbarn geprügelt und erdrosselt. Als Motiv nannte der Täter seine Abneigung gegen Roma.
(Quelle)
März 13th, 2024 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Esther Reinhardt-Bendel im Gespräch
Alles Menschen, Podcast-Folge 48, Okt. 2022
In dieser Podcast-Folge stellt „Alles Menschen“ Esther Reinhardt-Bendel vor, deutsche Sinteza und Aktivistin. Host Veit Lindau spricht mit ihr über die ehrwürdige Kultur der Sinti und Roma; die Lage der Sinti und Roma in Deutschland und Antiziganismus; Privilegien und ihre so wichtige Arbeit als Aktivistin und wie wir Sinti und Roma unterstützen können.
→ Sinti-Roma-Pride auf Instagram und Facebook
→ Esther Reinhardt-Bendel auf Instagram
Siehe auch:
Rassismus in Social Media und Kinderfilmen, 7.12.2021
März 3rd, 2024 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
BR Puzzle, 2024: Sinti und Roma in Deutschland und der Antiziganismus
Seit Jahrhunderten leben Sinti und Roma in Deutschland – und sind doch bis heute starker Diskriminierung ausgesetzt. Viele verheimlichen ihre Zugehörigkeit zur Sinti-Roma-Minderheit – aus Angst vor Vorurteilen und Stigmatisierung.
(Text und Beitrag: BR)
Februar 26th, 2024 |
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Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Ab April: Ausstellung „Man will uns ans Leben“ – Bomben gegen Minderheiten 1993–1996
24.4.–25.8.2024: Volkskundemuseum Wien
20.9.–24.11.2024: kärnten.museum, Klagenfurt
7.2.–8.3.2025: Offenes Haus Oberwart
Die Ausstellung der Initiative Minderheiten hat das Ziel, historisches Wissen zu den größten innenpolitischen Gewalttaten der Zweiten Republik zu vermitteln, aber auch das politisch-gesellschaftliche Klima der 1990er Jahre und seine Folgen für die direkt betroffenen Minderheitencommunitys aufzuzeigen.
Vor 30 Jahren, am 3. Dezember 1993, explodierten in der ORF-Minderheitenredaktion in Wien und in der Pfarre Hartbergin der Steiermark zwei Briefbomben und verletzten die Moderatorin Silvana Meixner und den „Flüchtlingspfarrer“ August Janisch schwer. Bis zum 6. Dezember 1993 wurden weitere acht Briefbomben verschickt, eine davon zerfetzte die linke Hand des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk. Im August 1994 explodierte eine vor der zweisprachigen Rennerschule in Klagenfurt deponierte Rohrbombe beim Entschärfungsversuch und riss dem Polizisten Theodor Kelz beide Hände ab. Der folgenschwerste Anschlag fand im Februar 1995 in Oberwart statt, bei dem vier Roma-Angehörige – Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi – durch eine Sprengfalle getötet wurden.
Die Terrorwelle der selbst ernannten Bajuwarischen Befreiungsarmee, die sich explizit gegen ethnische Minderheiten und ihre Unterstützer*innen richtete, dauerte bis 1997 an. Insgesamt 25 Briefbomben und drei Sprengfallen hatten 13 zum Teil Schwerverletzte und vier Tote zur Folge.
Die Bombenserie stellte einerseits den traurigen Höhepunkt eines historisch gewachsenen, tendenziell minderheitenfeindlichen Klimas in Österreich dar. Read the rest of this entry »
Februar 20th, 2024 |
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Rassismus & Menschenrechte
Die Auswirkungen des Klimawandels auf sozial marginalisierte und armutsbetroffene Roma-Communitys
Von Barbara Tiefenbacher-Jami
Zehn bis zwölf Millionen Roma und Rom:nija leben in Europa. Besonders in den ehemaligen kommunistischen Ländern Zentral- und Südosteuropas sind bis zu 80 Prozent von Armut und Rassismus betroffen und leben am Rande der Nicht-Roma-Gesellschaft.[] Das jahrzehntelange Zusammenspiel von Armut und Rassismus hat dazu geführt, dass Roma und Rom:nija zu den vulnerabelsten Gruppen in Europa gehören. Es besteht die Befürchtung, dass die Verwundbarkeit dieser Bevölkerungsgruppe im Zuge der globalen Erderwärmung weiter zunehmen wird.[] Untersuchungen aus den USA zeigen, dass Menschen, die von Diskriminierung und Rassismus betroffen sind, wie etwa die afroamerikanische Bevölkerung, stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen sind.[]
Umweltrassismus
Man kann davon ausgehen, dass es in Europa ähnlich ist. Aber nicht alle Roma und Rom:nija sind gleich betroffen. Diejenigen Rom:nija, die zur Mittelschicht gehören oder nicht als Teil der Roma-Community wahrgenommen werden, sind nicht im gleichen Maße betroffen wie jene, die in segregierten Roma-Siedlungen in bitterer Armut leben.[]
Die Roma-Dachorganisation ERGO (European Roma Grassroots Organisations Network) in Brüssel hat schon vor einigen Jahren unter dem Blickwinkel des Umweltrassismus Benachteiligungen aufgrund des Wohnortes beziehungsweise der Wohnsituation aufgegriffen. Gemeinsam mit dem European Environmental Bureau haben sie auf die katastrophale Situation von Roma-Siedlungen hingewiesen. Häufig befinden sich Siedlungen in der Nähe von Industrieanlagen, neben oder auf kontaminierten Böden oder in Hochwasserrisikogebieten. Viele verfügen auch nicht über eine ausreichende Trinkwasserversorgung oder eine funktionierende Kanalisation und Müllentsorgung.[] Read the rest of this entry »
Februar 12th, 2024 |
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Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der ausgezeichneten Projekte befassen sich mit Roma. Wir stellen Ihnen einige dieser Initiativen vor:
Eines der für die SozialMarie 2021 nominierten Projekte ist „From Us to You Extra“ („Tőlünk Nektek Extra“) aus Ungarn, das auch in der Region Bratislava in der Slowakei implementiert wurde. Das Programm verfolgt einen Peer-to-Peer-Ansatz für Jugendliche, die selbst gestärkt werden, indem sie anderen benachteiligten Gemeinschaften helfen.
Projektträger: Élményakadémia Közhasznú Egyesület (Academy of Experience Public Benefit Association)
Herausforderung: Soziale Ausgrenzung, schlechte Lebensbedingungen und begrenzte Chancen machen benachteiligte Jugendliche anfällig für Bildungslücken. Die Ausgrenzung, Segregation, Marginalisierung und Diskriminierung, mit denen diese Jugendlichen konfrontiert sind, bringen sie in die Gefahr von Kriminalität und schweren Abhängigkeiten.
Idee: „From Us to You Extra“ („Tőlünk Nektek Extra“) ist ein erfahrungsbasierter und Peer-to-Peer-Lernprozess, der über mehrere Online-Module organisiert wird. Benachteiligte Jugendliche üben berufliche und lebenspraktische Fähigkeiten, indem sie anderen benachteiligten Gemeinschaften helfen. Das Programm bewahrt sie vor Schulabbrüchen und anderen lebensverändernden Entscheidungen.
Akteur*innen: Wir arbeiten mit benachteiligten Jugendlichen im Alter von 12 bis 30 Jahren aus Ungarn, der Slowakei, Rumänien und Schweden. Diese jungen Menschen leben in Heimen, in extremer Armut oder gehören zu Roma-Gemeinschaften. Benachteiligte, traumatisierte Jugendliche werden von Gleichaltrigen mit ähnlichem Hintergrund angesprochen und nicht von erwachsenen Experten.
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Februar 9th, 2024 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
(
Fast) überall in Europa geht der Anteil der Roma, die angeben, im letzten Jahr aus rassist. Gründen körperlich angegriffen worden zu sein, zurück: im Durchschnitt von 4% 2016 auf 1% 2021.
(Quelle/pdf)
Februar 4th, 2024 |
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Facts & Figures, Rassismus & Menschenrechte
Jeder 10.(!) Rom in Italien gibt an, innerhalb der letzten 12 Monate aus rassistischen Motiven körperlich(!) angegriffen worden zu sein. (FRA 2021)
(Quelle/pdf)
Februar 2nd, 2024 |
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Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte
SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der ausgezeichneten Projekte befassen sich mit Roma. Wir stellen Ihnen einige dieser Initiativen vor:
Das „Projekt DOM.ov“ („Projekt Zuhause/Eigenheim“) ermöglicht marginalisierten Roma in der Slowakei, mittels Mikrokrediten und Unterstützung zu einem Eigenheim zu gelangen, das die Familien selbst errichten. Das Projekt wurde 2020 mit dem 1. Preis ausgezeichnet.
Projektträger: Marián Zeman (Website)
Herausforderung: Den Roma-Gemeinschaften in der Slowakei fehlt es an sicherem Wohnraum und an den finanziellen Mitteln für den Erwerb eines Eigenheims. Das Projekt DOM.ov („Projekt Zuhause/Eigenheim“) unterstützt Familien und Einzelpersonen aus marginalisierten Roma-Gemeinschaften bei der Finanzierung, dem Bau und dem Erwerb von Wohneigentum durch Mikrokredite, um die generationenübergreifende Armut zu beenden.
Idee: Das Ziel von Projekt DOM.ov ist es, marginalisierten Gemeinschaften Zugang zu integrativem Wohnraum zu verschaffen. Das Projekt zielt auf die sozialen und finanziellen Hindernisse ab, die Familien aus Roma-Gemeinschaften den Zugang zu angemessenem Wohnraum erschweren. Mit der Unterstützung lokaler Gemeinden berät Projekt DOM.ov marginalisierte Familien beim Zugang zu finanzieller Unterstützung, beim Erwerb von Grundstücken und beim Bau und Besitz ihres neuen Zuhauses.
Akteur*innen: Die wichtigsten Akteur*innen sind die Klienten/Bauherren und ihre Familie. Auch die Gemeinden und ihre Repräsentanten spielen eine Schlüsselrolle bei der Organisation der Projektumsetzung in ihren Dörfern. Das vielfältige Team von Sozialarbeitern des Projekts DOM.ov unterstützt sowohl die Klienten als auch die Gemeinden. Die Slovenská sporiteľňa bank (Slowakische Sparkasse der Erste Bank Gruppe) ermöglicht den Zugang zu Mikrokrediten zur Finanzierung des Baus der neuen Häuser.
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Januar 31st, 2024 |
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Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte
Verfolgt und verachtet – Rassismus gegen Sinti und Roma?
Respekt/ARD alpha 2023, 15 Min.
→Zum Streaming
Rund 70.000 Sinti und Roma sind deutsche Staatsbürger:innen. Die anerkannte nationale Minderheit erlebt immer noch Diskriminierung. In der RESPEKT-Reportage geht es um diesen Widerspruch. Wie leben Betroffene damit und wie kämpfen sie für Verbesserungen?
Viele Menschen verheimlichen, dass sie Sinti, Roma oder Jenische sind. Der Rapper RealTschawo singt davon, dass er stolz darauf ist, ein Sinto zu sein. Im Gespräch mit RESPEKT-Moderatorin Sabine Pusch erzählt der Mannheimer Musiker, wie Vorurteile und Diskriminierung seine Jugend bestimmt und seine Identität geprägt haben. Read the rest of this entry »
Januar 19th, 2024 |
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Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte
SozialMarie ist ein Preis für soziale Innovation. Viele der ausgezeichneten Projekte befassen sich mit Roma. Wir stellen Ihnen einige dieser Initiativen vor:
Eines der Siegerprojekte der SozialMarie 2022 ist das ungarische integrative Bildungsprogramm „Inclusive Kindergartens“ („Befogadó óvodák“), das Roma- und Migrantenkinder im 8. Bezirk in Budapest unterstützt und der Segregation in den Kindergärten des Bezirks entgegenwirkt.
Projektträger: Rosa Parks Alapítvány (Rosa Parks Foundation)
Herausforderung: Die Diskriminierung der Roma-Gemeinschaft hat in Ungarn seit dem Amtsantritt der derzeitigen Regierung im Jahr 2010 zugenommen. Die Reformen der öffentlichen Bildungsgesetzgebung dieser Regierung haben die Marginalisierung und Segregation von Roma-Kindern in öffentlichen Schulen weiter verstärkt. Wir arbeiten mit öffentlichen Kindergärten zusammen, um integrative Bildungsprogramme zu entwickeln und Roma- und Migrantenkinder sowie deren Eltern zu unterstützen.
Idee: In Zusammenarbeit mit NGOs und der Stadtverwaltung entwickelt „Inclusive Kindergartens“ („Befogadó óvodák“) nachhaltige Integrationsmodelle und ein integratives Kindergartensystem im achten Bezirk von Budapest. Das Projekt bietet nicht nur Unterstützung für marginalisierte Gemeinschaften an, sondern organisiert und implementiert auch institutionelle Diversitäts- und Gleichstellungspläne in allen öffentlichen Kindergärten im 8. Bezirk.
Akteur*innen: „Inclusive Kindergartens“ arbeitet mit Kindern, die öffentliche Kindergärten besuchen, ihren Lehrern und Familien zusammen. Wir veranstalten regelmäßig Foren für Eltern. Die Rosa-Parks-Stiftung koordiniert das Programm auch mit der Bezirksverwaltung. Eine Roma-Sozialarbeiterin unterstützt die Kinder und bezieht die Eltern in das Programm ein.
Wirkung: Die Neueinteilung des 8. Bezirks hat sichergestellt, dass benachteiligter Kinder und Familien, die in diesem Viertel leben und öffentliche Schulen besuchen, gleichmäßig vertreten sind. Ein segregierter Kindergarten wird nach dem nächsten Schuljahr geschlossen. In allen Kindergärten des 8. Bezirks wurden Teams für integrative Entwicklung eingerichtet. Read the rest of this entry »
Januar 17th, 2024 |
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Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft
Podcast BBQ von COSMO, 14.12.2023
Eine gute ärztliche Versorgung ist wichtig. Doch leider kommt es auch in medizinischen Praxen zu Rassismus, also dort, wo Menschen sich sicher und geborgen fühlen müssen. Über dieses Thema sprechen Dominik Djialeu und Zuher Jazmati in dieser Ausgabe von „BBQ – der BlackBrownQueere Podcast“ von COSMO.
Gerade in Zeiten, in denen gute ärztliche Versorgung von unschätzbarem Wert ist, sei es bei Erkältungen, Grippe oder sogar Corona, erfahren viele Menschen, wie wichtig medizinische Unterstützung ist. Das gilt auch für chronische Erkrankungen oder akute Notfälle. Doch immer wieder berichten Rassismusbetroffene von negativen Erfahrungen: Sie erhalten keine Termine, ihre medizinischen Sorgen werden nicht ernstgenommen oder sie müssen sich rassistische Aussagen anhören. Dr. Cihan Sinanoğlu hat gemeinsam mit einem Team dazu geforscht. Read the rest of this entry »