Brandanschlag auf Roma-Familie in Ostrava

März 16th, 2010  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

bedriskaIm mährischen Ostrava/Ostrau kam es am Wochenende neuerlich zu einem Brandanschlag auf eine Roma-Familie in der Siedlung Bedřiška. Unbekannte Täter warfen in der Nacht auf Sonntag einen Molotow-Cocktail ins Zimmer der 14-jährigen Tochter. Laut Angaben der Polizei konnte das Mädchen den Brandsatz jedoch löschen, weil die Flasche nicht zersprungen war. Im Haus befanden sich zum Tatzeitpunkt acht Personen. „Unsere Tochter hat uns das Leben gerettet. Wenn sie den Brandsatz nicht noch rechtzeitig gelöscht hätte, wären wir alle verbrannt“, zitiert die Presse die Eltern Ludmila und Dušan P., die geschlafen hatten. „Unsere Tochter weckte uns erst danach. Die Flasche flog durch das Fenster über ihr Bett, Glassplitter regneten auf sie nieder. Die Flasche traf den Tisch und dann den Boden, wo der Teppich Feuer fing. Sie warf ein Leintuch darüber und erstickte das Feuer. Dann riefen wir die Polizei.“ Kurz zuvor wurde am Tatort ein verdächtiger Wagen mit dunkel abgetönten Scheiben gesehen. Die Nachbarn der betroffenen Familie haben angekündigt, Wachen zu organisieren.

Der Vorfall in Ostrava ruft in Tschechien Erinnerungen an den rechtsextremistischen Brandanschlag auf das Haus einer Roma-Familie in Vítkov wach, bei dem im April 2009 drei Menschen verletzt wurden, unter ihnen ein Kleinkind, das schwerste Verbrennungen erlitt und erst nach Monaten aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.

Ob es sich auch bei der Tat in Ostrava tatsächlich um einen rassistisch motivierten Anschlag handelt, wird derzeit von einer 15-köpfigen Polizei-Sonderkommission überprüft; derzeit lägen keine derartigen Beweise vor. Allerdings wurde inzwischen bekannt, dass Neonazis sich vor kurzem in der Siedlung umgehört und Fragen über die Roma-Bevölkerung gestellt hätten. Kritik am Vorgehen der Polizei äußerte der Publizist und Bürgerrechtler Markus Pape (hier mehr) gegenüber der Roma-Agentur Romea.cz: Einmal mehr sei „ein Fall dieser Art nicht von der Mordkommission der Regionalpolizei übernommen worden, sondern zunächst nur von lokalen Polizeibeamten“. Polizei und Innenministerium hätten aus Vítkov nichts gelernt: „Was vor allem fehlt, ist eine einfache Weisung des Polizeipräsidenten, dass jeder Brandanschlag auf ein Wohnhaus automatisch als versuchter Mord eingestuft wird. Das würde ermöglichen, dass das erforderliche qualifizierte Personal, Techniker und Methoden eingesetzt werden. Es ist schlicht inakzeptabel, dass erst jemand Brandverletzungen davontragen muss, bevor die Polizei angemessen reagiert.“

Wie Romea.cz berichtet, war die Siedlung Bedřiška bereits vor fünf Jahren in die Schlagzeilen geraten, als gegen die dortige Roma-Bevölkerung gerichtete rassistische Aussagen der damaligen Bürgermeisterin Liana Janáčková und ihres Stellvertreters Jiří Jezerský bekannt wurden: Janáčková bezeichnete sich selbst als Rassistin und sprach von der „Zigeunerbrut“ und dem Einsatz von Dynamit oder eines Starkstromzauns. Jezerský wurde mit der Aussage „Gebt mir einen Waffenschein und eine Schießerlaubnis und ich gehe los und tue es!“ aufgezeichnet. Beide blieben straffrei.

(Quellen: Romea.cz, Radio Praha)

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