Gedenken an den Porajmos in Österreich (2020)

September 9th, 2026  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften

Karl-Franzens-Universität GrazLukas Sperlich (2020): Die Bedeutung des öffentli­chen Gedenkens an den Poraj­mos für Rom­Nija in Öster­reich

Masterarbeit, Karl-Fran­zens-Uni­ver­si­tät Graz, Geistes­wissen­schaft­liche Fakultät, Insti­tut für Geschichte, 114 S.

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Abstract (Link):

Roma sind seit den 1990er-Jahren eine von sechs in Österreich offi­ziell an­erkannten Volksgruppen. In den Jahren des National­sozialismus wurden sie schritt­weise aus­ge­grenzt und verfolgt, um sie anschlie­ßend zu ermorden. Nur ein kleiner Teil überlebte diese Zeit und kehrte zurück. Zuerst jahr­zehnte­lang von der öster­reichi­schen Öffent­lich­keit geleugnet, wird heute an die Verbrechen erinnert und der Opfer würdev­oll gedacht. Welche Rolle ein solches Gedenken für RomNija in Österreich spielt, ist die aus­gehende Frage der vor­liegenden Arbeit. Diese gliedert sich in zwei Teile: Ein erster Teil versucht, die Gruppe an sich zu de­konstru­ieren, und hinter­fragt ein prin­zi­pielles Zu­sammen­gehörig­keits­gefühl von RomNija. Trotz vieler Gemein­sam­keiten kann nicht von Roma im Sinne einer vor­gestellten Gemein­schaft ge­sprochen werden, deren Mitglieder sich mit­einan­der solida­risieren. Vielmehr ist es seit der Bürger­rechts­bewegung der 1980er- und 90er-Jahre eines der Haupt­anliegen einer intellek­tuellen Elite, eine solche Identität zu fördern, um in weiterer Folge die gesell­schaft­liche und wirt­schaft­liche Situa­tion von RomNija zu verbessern. In diesem Zusam­men­hang stehen zumin­dest teilweise die Bemü­hungen von öster­reichischen Vereinen, sich in die europä­ische Erinnerungs­landschaft des Holocausts ein­zu­schreiben. In einem zweiten Teil zeigt die Analyse der zwei Vereins­zeitschriften Romano Centro und Romano Kipo unter­schied­liche Zugänge zum Gedenken. Beide Vereine lehnen sich einer­seits an Narrative der Shoah an, um Teil einer bereits etab­lierten Er­innerungs­kultur zu werden, und stellen ande­rer­seits ein Bild einer Konti­nuität von Dis­krimi­nierung her, um mit der Erinnerung an die Gräuel des NS auf die heutige Schlech­ter­stellung auf­merksam zu machen und so Druck auf Mehrheits­bevöl­kerung und Politik aus­zu­üben, selbige zu ver­bessern.

Hochschulschrift (Masterarbeit); Betreuer: Werner Suppanz

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