Wie Ungarn mit dem Mord an Roma umgeht
März 4th, 2010 | Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte | 1 Comment
„Das Haus in Tatárszentgyörgy, das man nicht wieder erbauen kann“
In seiner jüngsten Kolumne für das Magazin „Die Jüdische“ berichtet Karl Pfeifer in Anlehnung an einen Artikel der ungarischen Tageszeitung „Népszabadság“ vom 24.2.2010 über die Trauerfeier für die vor einem Jahr ermordeten Roma von Tatárszentgyörgy (mehr hier). Einmal mehr stellte die ungarische Gesellschaft dabei ihre Gleichgültigkeit gegenüber rassistischer Gewalt gegen Roma unter Beweis; die Roma blieben bei der Trauerfeier weitgehend unter sich.
(…) Vor einem Jahr wurde in dieser Ortschaft das Haus von Róbert Csorba angezündet, und der aus dem brennenden Haus flüchtende Vater und sein fünfjähriger Sohn wurden aus dem Hinterhalt erschossen. Heute sind man in der von Roma besiedelten Straße die traurigen Reste dieses Hauses, wo in der Früh des 23. Februar 2009 dieser Mord geschah. Auch das älteste Mädchen der Familie wurde an der Hand verletzt, nur der kleinste zweijährige Sohn Matthäus wurde nicht verletzt, da ihn seine Mutter aus dem brennenden Haus getragen hat. Die vermutlichen Täter, die man auch verdächtigt, andere Roma ermordet zu haben, wurden seither gefasst, nur die Opfer finden keine Ruhe. Die Mutter des ermordeten Róbert Csorba erzählt, dass sie ihre erwachsene Tochter sowie ihren siebenjährigen Sohn zum Psychologen bringt, weil sie in der Nacht, wenn Fremde um das Haus gehen, Angst haben.
Aus Anlass des Jahrestages kam es zu einer Trauerfeier. Die Einwohner von Tatárszentgyörgy blieben aber gleichgültig und nur wenige kamen zu dieser Trauerfeier außer Roma. Am Grab der beiden sprach der methodistische Geistliche Gábor Iványi, der diese weit verbreitete Gleichgültigkeit der ungarischen Gesellschaft kritisierte und insbesondere beanstandete, dass die Honoratioren nicht kamen und sich nicht auseinandersetzten mit allem, was zu dieser schändlichen Tat führte. (…)
Aladár Horváth, der Vorsitzende der Stiftung „Roma-Bürgerrechte“, beanstandete, dass die Familienangehörigen der Opfer vom Staat weder finanzielle noch andere Hilfe erhalten haben. Die seit dem Mord bei Verwandten lebende Ehefrau des ermordeten Róbert Csorba lebt mit ihren beiden am Leben gebliebenen Kindern bei Verwandten, sie kann nicht in ihr Haus zurückkehren, weil sie kein Geld hat zum Wiederaufbau.
Lesen Sie bitte hier den vollständigen Artikel von Karl Pfeifer.
Mai 17th, 2010 at 15:55 (#)
[...] Tatárszentgyörgy hat ein Denkmalprojekt für die Opfer des Anschlages auf Roma (mehr hier oder hier) abgelehnt. Auf öffentlichen Plätzen will man kein Denkmal, höchstens am Tatort am Dorfrand, bei [...]