Deutschland: Abschiebung statt Aufklärung
Februar 4th, 2026 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Opfer von polizeilicher Hundeattacke in Umkirch (Baden-Württemberg) soll abgeschoben werden
RDL, 2.2.2026: Immer wieder wurde gefordert, einen Polizeieinsatz Ende April 2020 im Umkirch, nahe Freiburg, der völlig aus dem Ruder gelaufen ist, aufzuklären. Nun scheinen die Behörden ihn auf ihre Weise zu „erledigen“. Der Betroffene der damaligen Hundeattacke (wir berichteten), der seit 35 Jahren in Deutschland lebt, sitzt in Abschiebehaft in Pforzheim und soll nach RDL vorliegenden Informationen am 4. Februar im Rahmen einer Sammelabschiebung in den Kosovo abgeschoben werden. Auf den Fall macht das Romabüro Freiburg aufmerksam.
Am 28. April 2020 kam die Polizei in Umkirch bei Freiburg wegen eines mutmaßlich falsch geparkten Autos und evtl. Unklarheiten über die Besitzverhältnisse zu einer Roma-Familie. Der Polizeieinsatz eskalierte komplett. Ohne dass es Berichte über Gewalt durch die Familie gab, ließ die Polizei nach Darstellung der Familie während eines Disputs den Hund los. Dieser verbiss sich im Arm des Familienvaters Mohammed D. „Ich habe die Schnauze voll von euch“, soll ein Polizist nach Aussagen der Familie damals gesagt haben. Für die Familie war dies antiziganistisch motiviert. Auch die zum Einsatz dazugekommenen PolizistInnen, so der Sohn von Mohammed D. in einem Video, seien über die Folgen des Einsatzes ihrer KollegInnen schockiert gewesen.
Warum überhaupt ein Hund eingesetzt wurde, erklärte die Polizeipressesprecherin der Freiburger Polizei Laura Riske 2020 gegenüber Radio Dreyeckland: „Der Einsatz der Hundestaffel war lediglich dem Zufall geschuldet, dass diese die nächste freie Streife war und bis zum Eintreffen des Polizeireviers Breisach somit bereits vor Ort.“ Mohammed D. musste aufgrund der Hundebisse mehrere Stunden lang notoperiert werden. Glücklicherweise überlebte er.
2020 äußerte sich auch der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose: „Dieser Vorfall muss lückenlos aufgeklärt werden, damit das Vertrauen unserer Minderheit in die Polizei nicht beschädigt wird. Sollten die Vorwürfe zutreffen, hätten wir es mit Fällen von gefährlicher oder schwerer Körperverletzung und Nötigung zu tun. Sollte die Annahme der Strafanzeige dieses Vorfalls durch die Freiburger Polizei tatsächlich verweigert worden sein, besteht zudem der Verdacht der versuchten Strafvereitelung im Amt durch weitere Polizeibeamte.“
Aufgeklärt wurde der Fall allerdings nie. Laut Romabüro hätten die zuständigen Staatsanwaltschaften kein öffentliches Interesse für die Eröffnung eines Gerichtsverfahren gesehen. Stattdessen wurde das Opfer des polizeilichen Hundebisses nun am 28. Januar 2026 festgenommen und sitzt in der Abschiebehaftanstalt in Pforzheim. Und das obwohl Mohammed D. seit 35 Jahren Jahren in Deutschland lebt. Er soll bereits am 4. Februar in den Kosovo abgeschoben werden. Damit würde die Aufklärung des damaligen Polizeieinsatzes wohl endgültig zu den Akten gelegt. Wir werden noch einmal berichten.
(Text: FK, Radio Deyeckland/RDL, 2.2.2026)