Filmfestival AKE DIKHEA? in Berlin

Oktober 23rd, 2022  |  Published in Film & Theater

Ake Dikhea? 202224.–30.10.2022: 6. Internationales Roma-Filmfestival Berlin

AKE DIKHEA? ist ein internationales Festival mit Filmen von und mit Roma und Sinti, das seit 2017 all­jähr­lich in Berlin statt­findet. Es zeigt die Welt aus deren Perspek­tive und stellt die Frage, wie sie sich selbst sehen und wie sie ge­sehen werden wollen. In Romanes be­deu­tet „AKE DIKHEA?“: „NA SIEHST DU?“.

Das 6. Internationale Roma-Filmfestival AKE DIKHEA? beginnt am 10. Jahres­tag der Ein­weihung des Denkmals für die er­mor­deten Sinti und Roma Europas, am 24. Okto­ber 2022, und wirft aus diesem An­lass einen kriti­schen Blick auf die heu­tigen Erin­nerungs­kul­tur(en) in Deutschland und Euro­pa: Die Errich­tung des Denkmals wurde nur durch Jahr­zehnte selbst­organi­sier­ter, zivil­gesell­schaft­licher Kämpfe er­stritten und auch erst 67 Jahre nach dem Ende des Zweiten Welt­kriegs fertig ge­stellt. Und heute wird es durch den Bau einer S-Bahn-Linie bedroht, wo­durch es massiv am symbo­li­schen Wert ein­büßt – genauso wie der lange Kampf für die An­erken­nung der an den Roma und Sinti be­gan­genen Nazi­ver­brechen.

Auch im Filmbereich gibt es zahlreiche Beispiele fehlender Achtung den Roma und Sinti gegen­über, auch an­gesichts der NS-Ver­brechen. Die von Nina Gladitz filmisch fest­gehal­te­nen und äußerst selte­nen Zeugen­aus­sagen von Sinti-Holo­caust-Über­leben­den aus den frühen 1980er Jahren wur­den vom WDR vierzig Jahre lang im Gift­schrank ge­halten, weil die NS-Re­gis­seurin Leni Riefenstahl durch die Auf­nahmen ihren Ruf ge­schädigt sah. Die erste Auf­führung des Doku­mentar­films „Zeit des Schweigens und der Dunkel­heit“ im inter­natio­na­len Kino­kontext am 27. Okto­ber gehört daher zu den High­lights des Festivals.

Der akute Mangel an Repräsentation von Roma und Sinti in der Film­industrie be­deutet auch, dass es auf dem euro­päischen Film­markt nur weni­ge Stimmen gibt, die die ge­lebte Realität und die Alltags­erfah­run­gen von Roma und Sinti zeigen. Das 6. Inter­nationale Roma-Film­fes­ti­val AKE DIKHEA? er­öffnet daher mit neun ani­mierten Kurz­filmen, die auf Bio­grafien von Holo­caust-Über­le­ben­den – aus den Nieder­landen, Frank­reich, Deutsch­land, Öster­reich, der Tsche­chi­schen Re­publik, Polen, Serbien und Russland – ba­sie­ren. Die Filme er­setzen die klassi­schen Erzäh­lun­gen von der Opfer­rolle durch Ge­schichten von Stärke, Selbst­behaup­tung und Überleben.

Auch dieses Jahr fördert also das Festival die Sichtbarkeit von Sinti- und Roma-Per­spek­tiven und setzt sie den vor­herr­schen­den rassisti­schen Medien­dis­kursen ent­gegen. Die histori­sche Per­spektive ist gerade in der heu­tigen Zeit des wachsen­den Faschismus in Europa be­sonders dringend.

Lasst euch selbst überzeugen und kommt zwischen dem 24. und 30. Okto­ber 2022 ins Kino BABYLON und in den Grünen Salon der Volks­bühne am Rosa-Lu­xem­burg-Platz, wenn es wieder heißt: AKE DIKHEA? NA SIEHSTE?

(Text: Ake Dikhea?)

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