Peter Wagner lehnt VHS-Ehrung ab

November 28th, 2019  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen

Peter Wagner (Foto: ORF.at)Am Samstag sollen im OHO Oberwart an­läss­lich des Fest­aktes „30 Jahre Roma-Be­we­gung“ und „20 Jah­re Roma-Volks­hoch­schu­le Burgenland“ Per­sön­lich­kei­ten we­gen ihrer Ver­diens­te für die Volks­gruppe aus­ge­zeich­net wer­den. Der Künst­ler Peter Wagner lehn­te diese Aus­zeich­nung aber im Vor­feld ab.

Im Interview mit ORF-Burgenland-Redakteurin Silvia Freuden­sprung-Schöll sag­te der Schrift­steller und Regis­seur Wagner, dass er von An­fang an ein un­gutes Gefühl dabei ge­habt habe. Denn er könne den Ein­druck nicht unter­drücken, dass die Fort­schritte, was die Ent­wicklung der Roma-Gruppe im Bur­gen­land be­treffe, nicht so über­wäl­ti­gend seien, dass man hier Aus­zeich­nun­gen und An­erken­nun­gen um Ver­dienste aus­spre­chen sollte. „Ich glaube, dass die An­erken­nung der Roma als Volks­gruppe ein wirk­lich großer Fortvschritt in der Ge­schichte der Volks­gruppe war, dass aber das Attentat von Oberwart viel mehr zer­fetzt und zer­sprengt hat, als vier Men­schen­leben, näm­lich den in­ne­ren Zu­sam­men­halt dieser Volks­gruppe“, sagte Wagner.

„Von entscheidenden Fortschritten weit entfernt“

Man sei weit davon entfernt, wirklich entscheidende Fort­schritte be­obach­ten zu können, so Wagner. „Ich habe den Ein­druck, dass sich im Wesent­li­chen an der Grund­hal­tung der Be­völ­kerung zu den Roma nicht wirk­lich etwas ge­ändert hat.“ Auch Aktivis­ten, zu denen sich Wagner zählt, sei es nicht ge­lungen, ent­schei­dende Fort­schritte zu er­brin­gen. Jeder Verein habe das Recht, solche Jubiläen zu feiern, bei ihm könne jedoch keine Jubel­stim­mung auf­kom­men: „Es ist für mich prob­le­matisch, mich mit einer Aus­zeichnung zu dra­pieren, von der ich nicht über­zeugt bin, dass sie ver­dient ist.“

Verständnis bei Roma-Volkshochschule

Zur Ablehnung der Auszeichnung durch Peter Wagner sagte Andreas Lehner, der Vor­sit­zen­de der „Roma-Volks­hoch­schule Burgenland“, er ver­stehe Peter Wag­ner und seine Ent­täu­schung, dass die Ver­ände­run­gen und Ver­bes­serun­gen für die Roma nicht so rasch er­folgt seien wie er­hofft. Die Aus­zeich­nung Peter Wagners sei eine An­er­ken­nung für dessen Ver­dienste ge­wesen. Außer­dem sei sie auch als Moti­va­tion für an­dere gedacht ge­wesen, sich für die Volks­gruppe der Roma zu en­gagieren.

(Text: burgenland.orf.at)

Siehe auch:
Kurier.at: Künstler Peter Wagner lehnt Ehrenpreis von Roma VHS ab

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