RomArchive ausgezeichnet

November 12th, 2019  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Einrichtungen

Die Preisträger des European Heritage Award 2019 in Paris, ganz links Romani Rose (Foto: Europa Nostra)RomArchive, das digitale Archiv der Sinti und Roma, mit dem European Heritage Award/Europa Nostra ausgezeichnet

Im Rahmen einer festlichen Ver­lei­hungs­ze­re­mo­nie am 29. Ok­to­ber 2019 im Théâtre du Châtelet in Paris wur­de RomaArchive, das digita­le Archiv der Sinti und Roma, bei den Euro­pean Heritage Award/Eu­ro­pa Nostra Awards mit dem mit 10.000 € dotier­ten Gro­ßen Preis der Jury aus­ge­zeich­net. Der Preis wur­de von Plácido Domingo, Prä­si­dent von Europa Nostra, und Tibor Navracsics, EU-Kom­mis­sar für Bil­dung, Kul­tur, Ju­gend und Sport über­reicht.

„Das Thema dieser Forschung ist für die Ge­schich­te der Men­schen in Europa von we­sent­li­cher Be­deu­tung“, führte die Jury in ihrer Be­grün­dung aus. Wei­ter heißt es: „Die Roma bilden mit 12 Mil­lio­nen Men­schen die größ­te und am we­nigs­ten be­ach­tete Minder­heit Europas. Dieses Archiv ist be­son­ders in­novativ, da es sich auf die Selbst­dar­stellungen von Roma-Iden­ti­tä­ten fokus­siert, so­wohl mate­rielle als auch im­mate­riel­le Aspekte dieses Erbes zum Aus­druck bringt und sich von den stereo­typen Wahr­neh­mun­gen von Roma ent­fernt.“

Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats und des Doku­men­ta­tions- und Kul­tur­zentrums Deut­scher Sinti und Roma, be­tonte in seiner Dankes­rede, dass Sinti und Roma seit Jahr­hun­der­ten fester Be­stand­teil ihrer je­weili­gen Heimat­länder sind und dort die europäi­sche Kultur durch ihre Bei­träge mit­geprägt haben. Er rich­tete seinen Dank an die Projekt­ini­tia­torin­nen Isabell Raabe und Franziska Sauerbrey und ex­plizit an die Jury: „Ich bin heute hier, um Frau Raabe und Frau Sauerbrey zu danken, für ihre Initia­tive, die kultu­rellen Bei­träge un­serer Min­der­heit in Europa, die diese seit 600 Jahren in ihren Heimat­ländern ge­leistet haben, wieder in das natio­nale Bewuss­tsein zu rufen. […] Ich möch­te der Jury ganz beson­ders danken, die mit dieser Preis­ver­leihung auch eine An­erken­nung unse­rer Kultur aus­ge­spro­chen hat.“

Zum Hintergrund:
European Heritage Awards / Europa Nostra Awards

Der EU-Preis für Kulturerbe / Europa Nostra Awards (ab 2019 Euro­pe­an Heri­tage Awards / Europa Nostra Awards) hat den Sektor des Kultur­erbes in Europa weiter ge­stärkt, indem er vor­bildliche Praxis­bei­spiele hervorhebt, den grenz­über­schrei­tenden Wis­sens­aus­tausch fördert und die Ver­netzung ver­schie­dener Inter­es­sen­gruppen in brei­teren Netz­werken unter­stützt. Für die Gewinner brin­gen die Aus­zeich­nun­gen viele Vorteile, wie z. B. ein grö­ßeres (in­ter-)na­tiona­les Engage­ment, Folge­finan­zierung und stei­gende Besucher­zahlen. Darüber hinaus ha­ben die Preise das Be­wusst­sein für unser ge­mein­sa­mes Erbe in der breiten Öffent­lich­keit ge­stärkt und gleich­zeitig seinen intrin­si­schen euro­päi­schen Cha­rakter her­vor­gehoben. Die Aus­zeichnun­gen sind daher ein wich­tiges Instru­ment zur För­derung des euro­päi­schen Erbes.

Europa Nostra ist ein gesamteuropäischer Zusammen­schluss von NRO, die sich mit dem Erhalt des kul­tu­rel­len Erbes be­schäf­tigen und der von einem brei­ten Netz öffent­li­cher Ein­rich­tungen, priva­ter Unter­nehmen und Einzel­per­sonen unter­stützt wird. Europa Nostra wur­de 1963 ge­grünvdet und gilt heute als das re­präsen­ta­tivste Kul­tur­erbe-Netz­werk in Europa. Der welt­bekann­te Opern­sänger und Diri­gent Plácido Domingo ist der Prä­sident der Organisation.
→www.europeanheritageawards.eu

RomArchive
RomArchive, das Digitale Archiv der Sinti und Roma, ist seit dem 24. Januar 2019 online und macht die Künste und Kulturen der Roma und ihren Bei­trag zur euro­päischen Kultur­geschich­te end­lich sicht­bar. Durch von Roma und Sinti selbst erzählte Ge­schich­ten schafft Rom­Archive eine im Inter­net inter­national zu­gängliche, ver­lässliche Wissens­quelle, die Stereo­typen und Vor­urteilen mit Fakten be­gegnet.

Inhaltlich haben 14 Kurator_innen die Darstellung be­stimmt und exempla­risch künst­le­ri­sche Bei­träge für die Archiv­berei­che Bildende Kunst, Film, Literatur, Musik, Tanz, Theater und Drama und den inter­dis­ziplinären Bereich Flamenco aus­gewählt, darüber hinaus Ma­terial zur Bilder­politik, Selbst­zeug­nisse im Zu­sammen­hang mit der Ver­folgung der Sinti und Roma im National­sozialismus sowie wissen­schaft­li­ches Material zur Bürger­rechts­bewe­gung. Mit den ver­schie­de­nen Arbeits­gruppen sind etwa 150 Ak­teure aus 15 Ländern europa­weit und darüber hinaus am Pro­jekt be­teiligt. Sie bilden ein welt­weites Netz­werk von Kultur­schaf­fenden, Wis­sen­schaftler_in­nen und Akti­vist_innen, die haupt­säch­lich zur Minder­heit ge­hören und Rom­Archive zum der­zeit größten Kultur­projekt von, für und mit Sinti und Roma ma­chen, in dem das Prin­zip der „Romani Leadership“ kon­sequent um­gesetzt wird.

Die auf ständigen Zuwachs angelegte Sammlung des Archivs spie­gelt exempla­risch die enor­me Band­breite und Diversi­tät von kultu­rel­len Identitäten und nationa­len Eigen­heiten wider, an­statt ein realitäts­frem­des Bild einer homo­ge­nen „Roma-Kul­tur“ zu ver­mitteln. Der Reichtum einer jahr­hunderte­alten und bis in die Gegen­wart überaus le­bendigen und viel­seiti­gen künstleri­schen und kulturel­len Pro­duktion wird hier erst­mals in diesem Um­fang öffent­lich sicht­bar.

Seit der Unterzeichnung des Übernahmevertrags am 27. März 2019 steht das Rom­Archive unter der Träger­schaft des Dokumen­ta­tions- und Kul­tur­zentrum Deutscher Sinti und Roma. In den Jahren des Auf­baus bis zum Launch von Rom­Ar­chive (2015–2019), stand das Pro­jekt unter der Träger­schaft der sauerbrey | raabe gUG (haf­tungs­be­schränkt) und wurde von der Kultur­stiftung des Bundes mit 3,75 Millio­nen Euro un­ter­stützt.
→www.romarchive.eu

(Text: zentralrat.sintiundroma.de)

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