Messerangriff auf Roma: Pozessbeginn

Oktober 1st, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

MariaDeutschland: Mit der Verlesung der Anklage be­gann ver­gan­ge­ne Woche im Kri­mi­nal­gericht Moabit in Berlin der Pro­zess ge­gen eine Frau, die eine Romni und ihre Be­gle­iter am 29. März in der U-Bahn mit einem Mes­ser an­ge­grif­fen und ver­letzt hatte.

RAN, 24.9.2019: Der Staatsanwalt äußerte, die Angreiferin habe mit ihrem Ver­hal­ten in Kauf ge­nom­men, dass die Romni Maria und ihre Ver­wandten ster­ben. Die An­ge­klagte wollte sich nicht äußern und ihr Anwalt hat in ihrem Na­men eine Er­klä­rung vor­ge­lesen.

In ihrer Aussage schilderte Maria die Situation in der U-Bahn, in der sie sich mit ihrem Mann und ihrem Schwager un­ter­hielt, als sie von einer wei­ßen deut­schen Frau an­ge­griffen wurde. Zu­nächst wurden die drei als „Scheiß­zigeuner“ be­zeich­net und dann kör­per­lich an­ge­grif­fen. Die An­grei­fe­rin zog ein Messer und fügte Maria und ihrem Schwager schwe­re Schnitt­wunden zu. Maria wehrte sich und ver­suchte, ihren schwer kranken Mann zu schüt­zen. Sie blutete stark und rief mehr­mals: „Hilfe! Hilfe!“ Nie­mand be­wegte sich. Erst als Maria die Frau am Arm fest­hielt, da­mit diese nicht weiter ein­ste­chen konnte, und wei­ter um Hilfe rief, ka­men Zeugen zur Hilfe. Erst dann konn­te die Frau über­wäl­tigt werden.

Als die Bahn hielt und sich das Geschehen auf den Bahn­steig ver­la­gerte, wur­den Maria und ihre Ver­wandten für die An­grei­fen­den ge­halten. Erst als Maria ihren blu­ten­den Hals zeigte, ent­schul­dig­ten sich die Leute. Ein Zeuge sagte aus, die An­grei­fe­rin habe ihn mit dem Satz be­droht: „Weißt du, was mein Mann mit dir macht?!“ Nach sei­ner Aus­sage hat Maria sich bei dem Mann be­dankt, dass sie noch am Leben ist. Marias Schwager ist aus Rumänien an­ge­reist, um seine Aus­sage zu machen. Außerd­em hat die Frau des Helfers aus­gesagt. Wei­te­re Zeugen­aus­sagen sol­len folgen. Eine Kri­minal­beamtin soll aus­sagen, ist je­doch bis auf wei­teres er­krankt.

Maria hatte nach der Tat monatelang Schmerzen und hat nach wie vor Angst. Auch ihr Mann hat Angst um seine Frau. Maria ist für ihre Fami­lie die­je­nige, die sich um alle und alles küm­mert. Durch die Tat ist es nun noch viel schwe­rer ge­worden, für ihren schwer kran­ken Mann und ihre Fa­mi­lie zu sorgen. Sie braucht jede Unter­stützung – mora­lisch und finan­zi­ell (Anm.: das Roma Center Berlin ruft zur Pro­zess­beob­ach­tung auf und unter­stützt die Fa­milie bei der Klage, für weite­re In­for­ma­tio­nen siehe hier und hier).

(Roma Antidiscrimination Network)

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