Campingplatz: Sinti und Roma unerwünscht

Juli 31st, 2019  |  Published in Rassismus & Menschenrechte

Campingplatz in Bayern: Keine Sinti und Roma!Keine Sinti und Roma auf deutschem Campingplatz. Mimikama: Mail ist kein Fake

Ein Campingplatzbetreiber in Bayern weist in einer Mail darauf hin, dass sie keine Sinti und Roma auf­neh­men. Die Re­cher­che-Platt­form Mimi­kama ist der Mel­dung auf den Grund ge­gan­gen.

Von Andre Wolf/Mimikama

Auf Social Media findet man einen Screenshot einer Mail. In dieser Mail ist eine ganz spe­zielle Pas­sage mar­kiert, in der man er­fährt, dass be­stimmte Gäste auf dem Camping­platz nicht er­wünscht sind. Diese zentrale Stelle in der Mail lautet:

Wir weisen sie darauf hin, dass wir keine Handels­reisende, Schau­steller sowie Mit­glie­der von Sinti und Roma auf unse­rem Camping­platz auf­nehmen. Vielen Dank für Ihr Ver­ständ­nis.

Dieser Screenshot wurde von Niema Movassat, Bundestagsabgeordneter der Linken, am 10.07.2019 auf Facebook ver­öf­fent­licht:

Doch wurde die Mail wirklich versendet?

Mail ist kein Fake, Absender bittet um Entschuldigung

Bereits am 11. Juli 2019 hat der Spiegel sich mit diesem Thema aus­einan­der­gesetzt. In einem Artikel mit der Über­schrift „Keine Sinti und Roma“ – Camping­platz­betrei­ber bittet um Ent­schul­di­gung“ (hier) er­fährt man, dass der Politiker die Mail nicht selbst empfan­gen habe. Er habe sie bei einem Be­kannten ge­sehen:

Movassat verbreitete die Nachricht mit den Kontakt­daten des Camping­platzes. Darin sieht er kein Problem: „Ich finde, dass je­mand, der solche E-Mails schreibt, sich auch öffent­lich recht­fer­tigen muss.“ Er habe die Hoff­nung, dass der öffent­li­che Druck dazu führe, „dass der das Ver­halten ab­stellt“.

In dem Spiegel-Artikel erfährt man zudem, dass der Betreiber des Camping­platzes um Ent­schul­di­gung bitte und seine Wort­wahl als einen Fehler ein­sieht. Es war und ist nicht die Ab­sicht des Be­treibers, ethni­sche Minder­he­iten zu dis­kriminie­ren oder aus­zu­schlie­ßen. Dies liest man so­wohl in dem Spiegel-Art­ikel als auch in den Kom­men­taren zu dem Pos­ting auf Face­book (hier):

Bzgl. unserer E-Mail-Antwort zur besagten Anfrage möch­ten wir in aller Form ent­schul­digen. Es ist nicht und war auch nie unsere Ab­sicht eine ethni­sche Grup­pie­rung ge­schweige denn Mit­men­schen zu dis­kri­minie­ren. Die For­mu­lie­rung ist ein­fach falsch gewählt.

In dem Kommentar (ebenso hier) wird nach Aus­sage des Politi­kers eine Er­klärung des Camping­platzes ge­nannt. Die lautet:

Die Grundorientierung unseres Campingplatzes ist der Erho­lung und der Frei­zeit ge­widmet. Dies ist auf unse­rem Platz und in unse­rer Region zweifel­los ge­geben. Auf­grund äußerst ne­gativer Er­fahrun­gen aus der Ver­gangen­heit bei An­fragen von Gruppen mit meh­rere Fahrzeugen, die über einen län­geren Zeit­raum blei­ben wollen und zu­dem Sonder­kon­ditio­nen er­warten, wurden wir im Nach­hinein böse über­rascht. Schau­steller und auch Handels­reisende (un­ab­hän­gig der Her­kunft, ethni­scher Zu­ge­hörig­keit, etc.) bereite­ten uns und auch den weite­ren Gästen auf dem Platz des Öf­te­ren Proble­me und hiel­ten sich nicht an die Platz­ordnung. Der Handel (von in diesen Fäl­len Sinti-Grup­pen) wird auf unse­rem Platz ein­fach nicht ge­duldet. Da die Anfrage dies ver­muten lies, wurde diese un­glück­liche Antwort for­muliert. Sollte es sich um Gäste han­deln, die sich bei uns er­holen wollen, so steht einer Buchung bei freien Plätzen nichts im Wege. Unsere pau­schale Ant­wort war falsch ge­wählt.

(Text: www.mimikama.at | Wir danken Mimikama und dem Autor für die freund­li­che Ge­neh­mi­gung!)

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