„Sie hatten immer Stil“ – dROMa 22/2009

Juli 30th, 2009  |  Published in dROMa (Magazin)

dROMA 22/2009

Seit kurzem ist die Sommernummer unserer zweisprachigen Zeitschrift dROMa kostenlos auch als PDF-Download verfügbar. Was Sie im aktuellen Heft erwartet, erfahren Sie hier:

Grob gezeichnete und oft falsche Bilder von den Roma gibt es genug. Selten findet man eine differenzierte Außensicht – zumal wenn sie so einprägsam formuliert ist wie die von Dimitré Dinev. In diesem Heft bringen wir den ersten Teil des Interviews, das Michael Teichmann mit dem österreichischen Schriftsteller mit bulgarischen Wurzeln geführt hat:

„Was mich an den Roma auch immer beeindruckt hat, war ihr Stil. Sie hatten immer Stil, waren immer stilvoll angezogen, sie hatten wunderschöne Hüte, geputzte Schuhe – in einer Zeit, als alles eher grau und einfärbig war.“ Dinev recherchiert zur Zeit für ein neues Projekt zu bettelnden Kindern (darüber mehr im zweiten Teil des Gesprächs im nächsten dROMa).

Lydia Anstiss stellt in einem Gastbeitrag die Initiative THARA vor, die unter der Ägide der Volkshilfe ein in Österreich einzigartiges Projekt auf die Beine gestellt hat: „THARA – Romnija/Roma in Transition“ ist eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme eigens für Roma, die Orientierung in der Arbeitswelt und (ethnische) Identität nicht als getrennte, sondern voneinander abhängige Felder begreift: „Viele wissen sehr wenig über ihre eigene Kultur und fühlen sich außerhalb ihrer Familien daher immer unsicher. Es ist uns wichtig, dass sie ihre Familienkultur als positiv erleben, aber eben auch die Kultur, in der sie arbeiten wollen, verstehen.“

Und den Stand der Forschung zum nationalsozialistischen Genozid an den Roma in Osteuropa gibt ein kürzlich erschienener Sammelband wieder, den Michael Wogg für Sie gelesen hat.  Der Band liefert einige neue Antworten zu diesem traurigen und über weite Strecken immer noch verschwiegenen Kapitel der europäischen Geschichte. Er „stellt in seiner thematischen Heterogenität ein Abbild seiner beiden Hauptthemen dar: Der Massenmord an den Roma Osteuropas ist historisch bei weitem noch nicht so weit untersucht, dass eine umfassende Bewertung der Geschehnisse erfolgen könnte, und auch die künstlerische Verarbeitung des Themas ist längst nicht abgeschlossen. Die Arbeiten machen jedoch deutlich, wie zentral das Thema für die Roma fast aller Länder ist.“

Schließlich zwei Buchbesprechungen von Roman Urbaner: „Skurrile und nicht selten rakitrunkene Begegnungen und Begebenheiten“ unter Romamusikern am Balkan, erlebt und aufgezeichnet vom Londoner Popjournalisten Gaith Cartwright, und die „flüssig geschriebene“ Familiengeschichte der jungen Sinti-Sängerin Dotschy Reinhardt. „Wir jungen Sinti“, konstatiert die Autorin, „sind seit dem Frühmittelalter die erste Generation meines Volkes auf deutschem Boden, die frei leben kann.“

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