Auschwitz: Kein Geld für Roma-Gedenken
Juli 31st, 2009 | Published in Geschichte & Gedenken, Medien & Presse, Politik | 1 Comment
In der „taz“ berichtet Gabriele Lesser über Turbulenzen im Vorfeld der Roma-Holocaust-Gedenkfeier in Auschwitz. Nachdem die polnische Regierung die Mittel für den Auschwitz-Gedenktag der Roma am 2. August gestrichen hat, ist nun die Jüdische Gemeinde eingesprungen und rettet die Feier zum 65. Jahrestag der Liquidierung des „Zigeunerlagers“:
Polens Roma fühlen sich diskriminiert. „Wenn es um die Erinnerung an Polen geht, an polnische Opfer und Helden, ist der Regierung nichts zu teuer“, empört sich Roman Kwiatkowski, der Vorsitzende der Roma-Vereinigung in Polen. „Aber wenn es um unser Gedenken an die Vergasung der letzten Roma im ,Zigeunerlager‘ in Auschwitz geht, fällt den Politikern plötzlich ein, dass kein Geld mehr in der Kasse ist!“ Tatsächlich wird Polen den Jahrestag des Warschauer Aufstands 1944 wieder ganz groß begehen. Am 1. August werden um 17 Uhr die Sirenen im ganzen Land heulen. Staatspräsident Kaczynski und Premier Tusk werden über polnische Opfer und Helden sprechen. Doch zur Gedenkveranstaltung der Roma in Auschwitz einen Tag später wird kein einziger ranghoher Politiker Polens erscheinen. Nicht einmal einen finanziellen Zuschuss zum Jahrestag der Liquidierung des „Zigeunerlagers“ vor 65 Jahren wird es geben.
„Als ich hörte, dass die Roma das organisierte Gedenkkonzert in der Krakauer Philharmonie absagen und sogar Überlebende des Lagers und deren Angehörige wieder ausladen müssen, habe ich sofort zum Hörer gegriffen“, sagt Piotr Kadlcik, der Vorsitzende des Jüdischen Gemeindeverbands in Polen. Innerhalb kürzester Zeit organisierte er eine Solidaritätsaktion. (…) „Wenn die polnische Regierung den Roma den Hahn zudreht, können wir doch nicht einfach danebenstehen“, sagt Kadlcik. (…) „Ich habe mich so gefreut, als Kadlcik anrief und danach die anderen!“, erzählt Kwiatkowski. „Wir sind nicht allein! Normalerweise mag man uns Roma ja nur, wenn wir singen und tanzen.“ Bitter setzt er hinzu: „Das Geld für die ,Zigeunerfolklore’ hat die Regierung übrigens nicht gestrichen.“ (…) Nach den Juden und Polen seien die Roma die zahlreichste Gruppe gewesen, die in Auschwitz umgekommen sei. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 seien fast 3.000 Roma – Kinder, Frauen und Männer – in Auschwitz vergast worden. Danach sei das „Zigeunerlager“ aufgelöst worden. (…)
Den hier nur in Auszügen wiedergegebenen Artikel von Gabriele Lesser, erschienen in der „taz“ vom 29.7.2009, finden Sie hier.
August 8th, 2009 at 10:38 (#)
[...] der Roma-Gedenkkundgebung in Auschwitz-Birkenau (dROMa-Blog: hier und hier) nimmt alljährlich auch Rudolf Sarközi vom Kulturverein österreichischer Roma (Website) teil. [...]