Berlinale: We Are Never Alone
Februar 25th, 2016 | Published in Film & Theater
Nikdy nejsme sami | We Are Never Alone
CZ / F 2016, 104 min.
Spielfilm von Petr Václav
„We Are Never Alone“ ist der Siegerfilm der Tagesspiegel-Leserjury bei der diesjährigen Berlinale:
Weil, so formulieren die Neun [der Jury] es in ihrer Begründung, der Regisseur darin eine Welt erschafft, „in der sich gesellschaftliche Brüche vielfältig widerspiegeln. Mit grotesken Figuren wird eine Geschichte erzählt, die den Zuschauer in vielerlei Hinsicht fordert und in Bann zieht.“ (…) „Es hat wehgetan, ihn zu sehen“, sagt Albert Warth, „und trotzdem ist er irgendwie hoffnungsvoll“. „We Are Never Alone“ spielt in einem tschechischen Provinzort, in dem irrlichternde Seelen aufeinander treffen, ein obsessiver Hypochonder, der täglich seine Leberflecken fotografiert, ein Gefängniswärter, den seine Paranoia an den Rand des Wahnsinns treibt, eine Romni-Stripperin, der ihr Barchef auf die Pelle rückt. Ulrike Kahle-Steinweh fühlt sich in eine „dunkle Märchenwelt“ versetzt, die zugleich erschreckend real ist, „bevölkert von absonderlichen Menschen, beschädigt durch das sozialistische System, hilflos nach dessen Ende“. Der Film (…) spiegele das aktuelle Europa, die Mischung aus Verwirrung und Vorurteilen, auch den brutalen Rechtsruck großer Teile der Gesellschaft. (Textauszug: Tagesspiegel)
Im Nirgendwo der tschechischen Provinz trifft eine Handvoll Menschen aufeinander. Ein paranoider Gefängniswärter, sein hypochondrischer Nachbar, dessen stumm-verzweifelte Frau, ein unglücklich verliebter Nachtclubbetreiber und eine alleinerziehende Stripperin. Friede, Freude und Hoffnung sind hier nur eine Aufschrift auf einem T-Shirt. Sie leben an einer Durchfahrtstraße, aber das Leben hält nur Sackgassen für sie bereit. Doch in dieses schwarz-weiße Alltagsporträt mischen sich rasch buntere Farben. Zwischenmenschliche Begegnungen zeugen sowohl von Aufbegehren und irrationaler Hoffnung als auch Grausamkeit. Die Milieuzeichnung bewegt sich zwischen realistisch und grotesk. Der Schauplatz Wald, die vielen Fahrten und Straßen geben der Handlung eine fast metaphorische Note. Wo sind wir hier eigentlich und wo geht es hin? Provinz ist hier mehr als nur Hort schrullig-sympathischer Individuen vor allem eine Geisteshaltung der selbstgerechten Abgrenzung gegen alles, was anders ist. Dein Vater hat Angst vor Krankheiten, meiner hat Angst vor Menschen, sagt der Sohn des Gefängniswärters zu dem des Hypochonders. (Text: Berlinale)