Von Bettelzeichen zu Bettlerlizenzen

Juni 16th, 2014  |  Published in Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Neue Publikation von Sarah Pichlkastner„Von frühneuzeitlichen Bettelzeichen zu den heutigen Forderungen nach Bettlerlizenzen“

Buchpräsentation in Wien: 17.6.2014, 17.30 Uhr
Ort: Wiener Stadt- und Landesarchiv
(Guglgasse 14, 1110 Wien, Gasometer D)

In Salzburg und Graz wurden in den letzten Mona­ten diverse For­men der Beschrän­kung des Bettelns disku­tiert. Die Forde­run­gen reichen von „Bettler­lizenzen“ und „Erlaubnis­scheinen“, die Betteln auf einen aus­ge­such­ten Personen­kreis ein­schrän­ken sollen, bis hin zu „Erlaubniszonen“ und „Erlaubniszeiten“, mit denen auch das Wo und Wann gere­gelt wer­den soll. Historisch ge­sehen sind diese Vor­schlä­ge wenig inno­vativ. Ab dem Spätmittelalter wurde Betteln in Städten immer mehr reglemen­tiert und be­schränkt. In Wien waren zwischen 1443 und 1693 nur BettlerInnen mit obrig­keit­li­cher Bettelerlaubnis in Form eines Bettelzeichens erlaubt, das gut sicht­bar an der Kleidung an­gebracht wer­den musste. Nur an bestimmten Plätzen in der Stadt durfte damit um Almosen gebe­ten wer­den. Eine kürz­lich erschie­ne­ne Publi­ka­tion widmet sich dem Wiener Bettel­zeichen, das die Bezeichnung „Stadtzeichen“ trug, sowie den Men­schen, die damit markiert und somit zu „Stadt­zeich­nerInnen“ wurden.

Bei der Buchpräsentation wird ausge­hend von den spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Verhält­nissen eine Brücke zur aktuellen Situation betteln­der Men­schen sowie den mit ihnen ver­bun­de­nen Diskus­sio­nen geschlagen.

Programm:
Begrüßung: Brigitte Rigele, Direktorin des Wiener Stadt- und Landesarchivs
Martin Scheutz, Institut für Österreichische Geschichtsforschung

Vorstellung des Buches: Helmut Bräuer, Archivar und Historiker, Leipzig

Einblicke in die gegenwärtige Situation bettelnder Menschen in Wien: Marion Thuswald und Ferdinand Koller, BettelLobbyWien

Bettelzeichen reloaded – aktuelle Forderungen nach „Bettlerlizenzen“: Sarah Pichlkastner, Autorin

Im Anschluss werden Wein und Brötchen gereicht.

Zum Buch: Nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergan­gen­heit spielte das Thema Bett­lerIn­nen in Wien eine wich­tige Rolle. Zwi­schen 1443 und 1693 wurde das Betteln in Wien mittels obrig­keit­li­cher Bettel­zei­chen („Stadtzeichen“) beschränkt. Erhalten geblie­bene Bettler­ver­zeich­nisse aus dem 16. und 17. Jahr­hun­dert bieten Ein­blick in die Leben­swelten der „gekenn­zeich­ne­ten“ Men­schen, die aus anderen Quellen kaum erschlos­sen wer­den können und daher für die histo­rische Armuts­for­schung von großer Bedeu­tung sind. Die Kon­textua­li­sie­rung, Edition und Aus­wer­tung eines von 1678 bis 1685 reichen­den „Stadtzeichnerbuches“ prä­sen­tiert die Lebens­spuren von 920 armen Men­schen, die als „StadtzeichnerInnen“ in der kai­ser­li­chen Residenz­stadt Wien dem Betteln nach­ge­hen durften.

(Text: BettelLobbyWien)

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