Überlebenskampf der Roma im Kosovo

Juni 17th, 2009  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

Zerstörte Romahäuser im Kosovo (Foto: GfbV, Bozen)Auf volksgruppen.orf.at berichtet der APA-Journalist und Buchautor Andreas Tröscher (siehe dROMa-Blog) − passend zum gestrigen Ministerratsbeschluss über das neuerdings „sichere Herkunftsland“ Kosovo − über die verzweifelte Lage der kosovarischen Roma:

„Siebenköpfige Familien in vier Quadratmeter großen Containern; Kinder, die noch nie beim Arzt waren; tägliche Gewalt und Unterdrückung; Menschen, die im, auf und mit dem Müll leben; bleiverseuchtes Trinkwasser – jedes Mal, wenn Fevzije Bahar aus dem Kosovo zurückkehrt, hat sie erschütternde Erlebnisse im Gepäck. Selbst eine kosovarische Romni, versucht die Wiener Sozialarbeiterin verzweifelt, dass rund 50.000 Roma, deren Überlebenskampf immer dramatischere Züge annimmt, endlich internationale Aufmerksamkeit und Hilfe bekommen. Die Situation der Roma in Europa ist allgemein prekär. (…) Was im Kosovo noch dazukommt, ist, dass die Roma zwischen zwei ethnischen Mühlsteinen geradezu zerrieben werden. ,Der Konflikt zwischen Serben und Albanern steht unter internationaler Beobachtung, die Roma nicht, kritisiert Bahar.

Auch andere Organisationen schlagen mittlerweile Alarm. Aus einem Menschenrechtsbericht des U.S. State Departments geht hervor, dass Roma im Kosovo einer alle sozialen Bereiche durchdringenden Diskriminierung ausgesetzt sind, dass der Zugang zu Hygieneartikeln, ärztlicher Betreuung und Bildungseinrichtungen mehr als nur begrenzt ist. Vernichtendes Schlussurteil: ,Das Überleben der Roma im Kosovo ist extrem abhängig von Hilfslieferungen. Einen ähnlich besorgten Ton schlägt die Weltgesundheitsorganisation WHO an. Die Lebenssituation aller Einwohner – besonders in der bleiverseuchten Region Mitrovica – sei ,nicht akzeptabel und stelle eine der schlimmsten Gesundheitskrisen in diesem Teil Europas dar.

Fevzije Bahar, die vor allem in den Wintermonaten meist mehrere Wochen im Kosovo verbringt und schon etliche Hilfslieferungen auf die Beine gestellt hat, hat exakt dieselben Beobachtungen gemacht: ,Ich habe Kinder gesehen, die bei einem Meter Schnee mit Schlapfen herumgelaufen sind. Und sie bräuchten ganz dringend Kämme – wegen der Läuse. Auf so etwas kommt man ja gar nicht! Schlimm steht es um die Versorgung mit Arzneien: ,Viele benötigen Medikamente, aber die Leute können sich ja schon kaum etwas zu essen kaufen.

Der Zerfall der Roma-Gesellschaft im Kosovo scheint nach zwei Balkankriegen unaufhaltsam, viele Familien verlassen mittlerweile das Land. Dieser Prozess ist umso trauriger, wenn man bedenkt, dass laut Bahar im Kosovo einst die Wiege der Roma-Intellektualität stand: ,Ich kenne einige alte Herren, die Universitätsprofessoren sind – und jetzt haben wir eine Generation von Analphabeten, 99 Prozent sind arbeitslos. Dennoch – das Potenzial wäre vorhanden: ,Roma haben ganz feine Antennen. Sie können zwar nicht schreiben und lesen, aber sie wissen, wie man überlebt. Die finden in 30 Minuten heraus, ob man einem Fremden trauen kann oder nicht.‘ (…)

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Links:
http://www.roma-kosovoinfo.com
http://romarights.wordpress.com/

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Romathemen Kosovo: Erste Abschiebungen aus Deutschland :: says:

    Juli 12th, 2009 at 10:18 (#)

    [...] dazu über, Abschiebungen ungeachtet der katastrophalen humanitären Situation (vgl. z. B. hier und hier) für Roma im Kosovo durchzuführen. Die Romaorganisation Chachipe befürchtet, dass nun eine Welle [...]