Judgment in Hungary / Urteil in Ungarn

April 16th, 2014  |  Published in Film & Theater, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht

Judgement in HungaryRegie: Eszter Hajdú
Dokumentarfilm
107 min, H/D 2013

2008 und 2009 überfielen rechte Extremisten in Ungarn meh­rere Roma-Dör­fer. Sechs Men­schen starben, darunter ein fünf­jäh­ri­ges Kind. Gegen vier Verdäch­tige wurde Anklage erho­ben. Der Film doku­men­tiert den Prozess, der zwei­einhalb Jahre dauerte. Nur selten verlässt die Kamera den kleinen Gerichts­saal, in dem sich die Angeklag­ten und die Ange­hö­rigen der Opfer auf engstem Raum gegen­über­stehen. Es ent­spinnt sich ein hoch­intensives Kammer­spiel, das viel über die weit­verbrei­teten Ressen­timents gegen­über Roma und Juden in Ungarn erzählt. Im Zuge der Anhö­rungen kommen krasse Ermitt­lungs­fehler ans Licht. Bloßer Pfusch oder gezielte Mani­pu­la­tio­nen? Der Richter präsen­tiert sich als unpar­tei­ischer Hard­liner der Ordnung. Schnell gereizt, pocht er auf die Auto­rität des Gerichts, ver­warnt viel und verteilt Verweise. Die Emo­tio­na­lität der Ro­ma-Zeu­gen ist ihm ein Dorn im Auge – genau­so wie die Kalt­blü­tig­keit der Gegen­seite. Doch je länger sich der Prozess in die Länge zieht und je leerer die Zuschau­er­ränge werden, umso selbst­be­wuss­ter treten die Ange­klag­ten auf. Sie beru­fen sich auf ihren ver­meint­lichen Rück­halt in der Bevöl­ke­rung und platzieren unver­hoh­len Drohun­gen. Immer häu­figer gerät der Richter in die Defen­sive. Müssen die Roma um ihr Recht fürch­ten? (Text: Programm, goEast)

Der Film wurde gestern auf dem Festival des mit­tel- und ost­euro­päi­schen Films goEast in Wiesbaden mit dem 10.000 Euro dotier­ten Dokumentarfilm­preis „Erinnerung und Zukunft“ der Stiftung EVZ aus­ge­zeichnet.

Eszter Hajdú (Website):
Geboren 1979 in Budapest. Studierte Elektro­nische Medien, Soziologie und Jüdische Kultur. Nach Film­semi­naren in Italien und Rumänien nahm sie an der IDFA Festival Academy in Amsterdam teil. Zur­zeit stu­diert sie an der Hochschule für Film- und Fernsehen in Budapest. Ihr Fokus liegt auf Doku­men­tar­filmen mit sozial­politi­schen The­ma­tiken. Für ihr auf­sehen­er­re­gen­des Werk THE FIDESZ JEW, THE MOTHER WITH NO SENSE OF NATION, AND MEDIATION, wurde sie beim 40. Hungarian Film Festival und beim Inter­natio­nal Human Rights Documentary Film Festival Budapest aus­ge­zeichnet.

Filmographie/Auswahl:
2006 / OTTHONOM TARNABOD / MY OWN PRIVATE TARNABOD (doc)
2007 / DESTINO (doc)
2008 / A FIDESZES ZSIDÓ, A NEMZETI ÉRZÉS NÉLKÜLI ANYA ÉS A MEDIÁCIÓ / THE FIDESZ JEW, THE MOTHER WITH NO SENSE OF NATION, AND MEDIATION (doc)
2009 / BŐLCSÕDAL / LULLABY (doc)
2010 / DÉMONI KEZEK / DEMON HANDS (doc)
2011 / VIVIEN (doc)
2013 / JUDGMENT IN HUNGARY (doc)

Comments are closed.