Student als Spitzenkandidat der Romapartei

Juni 6th, 2009  |  Published in Politik

Kis Zsolt volksgruppen.orf.at:  Wegen mehrfacher Todesdrohungen sagten die Leiter der ungarischen Partei „MCF – Roma-Zusammenschluss“ (siehe auch dROMa-Blog hier und hier) und die Spitzenkandidaten der Parteiliste zu den Europa-Wahlen ihre geplante Aktion laut Medienberichten ab. Dabei wollten die Vertreter der Roma-Partei einen öffentlichen Platz nahe des Budapester Westbahnhofes säubern. Mit der Aktion wollten sie darauf aufmerksam machen, dass die Roma entgegen Vorurteilen „arbeiten wollen und können“. Darauf will der Spitzenkandidat der Roma-Partei für die Europa-Wahl, Zsolt Kis, auch in Brüssel aufmerksam machen. Er hätte „reale Chancen“, sich einen Platz im Europaparlament zu sichern, um dort die bis zu 800.000 ungarischen Roma zu vertreten, erklärte Kis im Ungarischen Rundfunk (MR). Die Hälfte der Volksgruppenangehörigen sind wahlberechtigt, sodass Kis mit der nötigen Stimmenzahl rechnet.

Spitzenkandidat aus wohlhabender Familie

Spitzenkandidat Zsolt Kis ist 21 Jahre jung und stammt aus Nyiregyháza. Er sitzt als Student auf den Bänken der Budapester Wirtschafts-Universität oder auf dem Rücken seines Springpferdes und war Mitglied der Nationalauswahl. „Ich habe trotz meines Alters den Platz des Spitzenkandidaten übernommen, denn die schlechte Lage der Roma fordert mehr Engagement, aber auch mehr Selbstverantwortung.“ Laut dem jungen Mann aus wohlhabender Familie sind die Roma „Verfolgte in der eigenen Heimat geworden“. Zsolt Kis erinnert an die Serienmorde, bei denen Roma zu Opfern wurden.

Kampf gegen Teufelskreis von Vorurteilen

Zsolt Kis gehört zur jungen Roma-Intelligenz, die gegen den Teufelskreis von Vorurteilen, Armut, Arbeits- und Hoffnungslosigkeit kämpft. Mehr Selbstbewusstsein und Selbsthilfe der Volksgruppe wird gefordert und in Erinnerung gerufen, dass die ungarische Roma-Partei MCF die einzige Roma-Partei in Europa sei, die bei den EU-Wahlen antritt. (Die slowakische Roma-Liste RIS hat kurzfristig ihre Kandidatur zurückgezogen, Anm. dROMa.) Die Roma sind die größte und ärmste Volksgruppe in Ungarn. Sie leben vielfach in Ghettos, isoliert, ohne Job, ohne Chance des Ausbruchs aus dem Teufelskreis. Hier werden die Cigany, wie sich die Roma in Ungarn oft selbst nennen, als kriminell und faul bezeichnet. Sie hätten zu viele Kinder und würden nur von Sozialhilfe leben.

Roma nicht als Sündenböcke abstempeln

Nach einer Umfrage, die die Meinung der Mehrheitsgesellschaft wiedergibt, wollten über 50 Prozent der Kinder in den Schulen keine Roma als Banknachbarn. „Das wollen wir ändern“, verspricht Zsolt Kis und fordert die Abschaffung der Diskriminierung der Roma. Weiters fordert er die gezielte Förderung von Roma-Projekten durch die EU, wobei die Gelder aus Brüssel wirklich bei den benachteiligten Roma ankommen sollen. Im Wahlkampf versprechen die Kandidaten der Roma-Partei Arbeitsplätze, einen besseren Unterricht sowie bessere öffentliche Sicherheit. Sie wollen dafür kämpfen, dass Roma nicht als Sündenböcke abgestempelt werden.

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