Wieder Angriff auf ungarische Roma
Mai 28th, 2009 | Published in Rassismus & Menschenrechte
Die Serie von Angriffen auf Angehörige der Roma-Volksgruppe in Ungarn reißt nicht ab. In der Nacht auf Mittwoch drang ein Täter im ostungarischen Abádszalók in das Haus einer Roma-Familie ein und fügte einem schlafenden Ehepaar – einem 27-Jährigen und einer 26-Jährigen – schwere Schnittverletzungen an Hals, Brust und Beinen zu, meldete die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Das zwischen den Eltern schlafende Kind wurde nicht verletzt. Der Täter soll ersten Erkenntnissen zufolge eine Rasierklinge benutzt haben. Andere Bewohner des Hauses konnten den Täter überwältigen, der dabei selbst verletzt wurde und ebenfalls in ein Spital eingeliefert werden musste. Laut László Rostas, dem stellvertretenden Vorsitzenden der Landesselbstverwaltung der Roma, kannten die Opfer den 46-jährigen Täter, der schon des öfteren „Drohungen gegen Roma ausgesprochen hat“.
Gegen den Mann wird ein Verfahren wegen Mordversuchs eingeleitet, erklärte die Sprecherin des Polizeipräsidiums des Komitats Jász-Nagykun-Szolnok, Zita Szabó, im Sender Inforadio. Die Frage, ob die Tat einen rassistischen Hintergrund habe, wurde von der Polizeisprecherin vorerst nicht beantwortet. Angesichts der serienweisen Angriffe auf die ungarischen Roma, bei denen in den vergangenen eineinhalb Jahren sieben Menschen starben, setzte die Polizei eine Fahndungseinheit von 100 Polizisten ein. Auch die US-Bundespolizei FBI wird der ungarischen Polizei bei der Aufdeckung der Serien-Verbrechen gegen Roma helfen. Die Volksgruppe stellt mit rund 700.000 Angehörigen die größte Minderheit in Ungarn.
Der ungarische Premier Gordon Bajnai (41) warb in einem Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“ (Mittwochausgabe) um Verständnis dafür, dass Täter und Hintermänner der Angriffe bisher meist nicht gefasst werden konnten. Da diese Morde „sehr überlegt“ durchgeführt worden seien, sei die Aufklärung „sehr schwierig“. Er berichtete, dass 100 Ermittler mit diesen Fällen beschäftigt seien und die Belohnung für Hinweise auf die Täter auf 50 Millionen Forint (177.035 Euro) erhöht werden soll. Er erachte die Roma-Morde „als direkte Angriffe gegen Ungarn“, unterstrich Bajnai.