Das slowakische Roma-Theater Romathan

Mai 21st, 2009  |  Published in Film & Theater, Radio, Podcast & TV

romathanDie Redaktion des Leipziger Uniradios Mephisto 97.6 ist in den Osten der Slowakei nach Košice gereist und hat dort das Roma-Theater Romathan besucht, das mit seiner Arbeit mit den Vorurteilen gegen die Volksgruppe aufräumen will. Das Theater wird ausschließlich von Roma organisiert und bespielt und und ist in seiner Art einzigartig in Europa. 1999 war es sogar Gegenstand eines eigenen Dokumentarfilms; und zuletzt ließ es sich von der slowakischen Nationalbank einspannen, um auch der Roma-Bevölkerung mit einer Aufklärungstournee die Euro-Einführung schmackhaft zu machen. Im Gespräch mit den deutschen Besuchern zeigt sich der Theaterleiter Karol Adam entschlossen, sich nicht von finanziellen Engpässen entmutigen zu lassen: „Wir müssen die aktuelle Krise überstehen und dann hoffe ich, dass das Romathan noch 200, 300 Jahre weiter existiert.“

(…) Die Schauspieler, allesamt Roma, erzählen in ihren Stücken vom wahren Leben und den Problemen der Roma. Mit ihren Inszenierungen, die für Roma genauso wie für Nicht-Roma gemacht sind, reisen sie durch ganz Europa. Sie spielen auf Festivals und in den europäischen Metropolen und darauf ist Theaterdirektor Karol Adam auch sehr stolz. Doch bleibt das Theater auch ganz nah an den Bürgern der Slowakei. „Wir versuchen so oft wie möglich in Roma-Dörfern zu spielen. Da die Roma aber sehr arm sind und eigentlich nichts für die Vorführungen zahlen können, decken wir einen Teil der Kosten durch Spenden ab“, erzählt Adam.

Der 56-Jährige Karel Adam ist nicht nur Direktor des Romathan, sondern auch der Dirigent des Orchesters. Beim Dirigieren denkt Karel Adam nicht an die finanziellen Probleme des Theaters. Doch die lassen sich nicht wegspielen. Die Region Kosice kürzt seit einigen Jahren dem Romathan die Zuschüsse. Auch aufgrund der wirtschaftlichen Krise stehen der slowakischen Kultur weniger Fördergelder zur Verfügung. Die Kürzungen wirken sich auch auf das Personal aus. „Als das Theater vor 17 Jahren gegründet wurde, haben hier 100 Menschen gearbeitet. Sechs Jahre später waren es noch 60, heute sind 40 übrig, das ist das absolute Minimum.“ Mit weniger Angestellten könne sich das Theater nicht mehr halten, erzählt eine Angestellte des Romathan. Selbst die Garderobe werde mittlerweile von einer Schauspielerin betreut. Und nicht nur das Geld für Angestellte fehle, auch das heruntergekommene Gebäude des Romathan müsse dringend saniert werden. Trotzdem versucht das Romathan weiter sein Hauptanliegen zu erfüllen: den Erhalt und die Verbreitung der Roma-Kultur. Karel Adam und seine Mannschaft wollen Akzeptanz und Toleranz zwischen Roma und Slowaken aufbauen, indem sie auch Nicht-Roma ihre Kultur mit Gesang, Tanz, Musik und Schauspiel näherbringen. (…)

Den vollständigen Artikel zur Sendung gibt es hier.

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