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Roma-Schwerpunkt im Gaismair-Jahrbuch

Januar 16th, 2025  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Gaismair-Jahrbuch 2025Das kürzlich in Innsbruck erschienene „Gais­mair-Jahr­buch 2025“, heraus­ge­geben von Horst Schreiber und Elisabeth Hussl, um­fasst einen Schwer­punkt über den „Genozid an den Roma und Sinti in der NS-Zeit und seine Nach­wir­kun­gen in Ös­ter­­reich“ mit folgenden Beiträgen:

Gerhard Baum­gartner: Mar­gina­lisierung, Verfolgung und Ermordung der öster­reichi­schen Roma und Sinti, S. 69–84
Herbert Brettl: Die Er­inne­rungs­land­schaft des Roma-Ge­nozids in Ös­ter­­reich, S. 85–97
Mirjam Karoly: Gegen das Ver­gessen – für eine gleich­be­rech­tigte Zu­kunft! Rom:nja in Österreich, S. 98–105
Peter Pirker: Jenische Deser­teure der Wehr­macht, S. 106–123

In einem Ein­leitungs­text stellt Patrick Siegele die vier Aufsätze vor:

[…] Den Beginn macht der Historiker Gerhard Baumgartner, er be­schreibt in seinem Beitrag „Margina­lisierung, Ver­folgung und Ermordung der öster­rei­chi­schen Roma und Sinti“, wie bereits in der Habs­bur­ger-Monar­chie der Grund­stein für die spätere Dis­kriminie­rung und Ver­folgung österrei­chischer Roma gelegt wurde. Pseudo­wissen­schaft­liche Unter­suchun­gen sollten belegen, dass Roma und Sinti zu ver­erbtem „krimi­nellen und asozialen Ver­halten“ neigen. Dies führte dazu, dass sie zu­nehmend ins Visier der Polizei­arbeit ge­rieten und anti­ziganis­tische Ver­ordnun­gen und Gesetze ein­geführt wurden, die in vielen Fällen die Grund­lage für die spätere Verfolgung und Ermor­dung durch die National­sozia­listen bildeten. Baum­gartner be­schreibt die schritt­weise Ent­rechtung, Aus­grenzung und Aus­beutung der Roma, die ab 1938 zu ersten Depor­tationen öster­reichi­scher Roma und Sinti in Kon­zentra­tions­lager führten. Von den etwa 11.000 öster­reichi­schen Roma und Sinti haben nur rund 1.000 die NS-Zeit überlebt.

Wie lange den Roma und Sinti die Anerkennung als Opfer der rassisti­schen NS-Ver­folgung, und somit eine Ent­schädigung nach dem Opfer­fürsorge­gesetz versagt blieb, schildert Herbert Brettl in seinem Beitrag „Die Erin­ne­rungs­land­schaft des Roma-Genozids in Österreich“. Da Roma und Sinti auf­grund der rassistischen Ver­folgungs­politik der National­sozialisten als „vor­bestraft“ galten und „Zigeuner­lager“ wie Lackenbach nicht als Kon­zentrations­lager an­erkannt wurden, dauerte es bis in die 1980er-Jahre, dass die Ver­folgung und Ermordung der öster­reichi­schen Roma all­mählich Teil der offiziel­len Erin­nerungs­kultur wurden. Vor allem dank der Roma-Ini­tia­tiven selbst, setzte ein all­mäh­licher Wandel ein. Detail­liert be­schreibt Brettl in seinem Beitrag gedenk­kulturelle Initiati­ven in sechs Bundes­ländern, die Beispiele für Er­innerungs­zeichen an den Roma-Genozid vor­weisen können. Read the rest of this entry »