Ceija Stojka – Nachruf von Beate Eder-Jordan
Januar 31st, 2013 | Published in Ehrungen & Nachrufe
Ceija Stojka, Roma-Künstlerin und KZ-Überlebende, starb am Montag, den 28. Jänner 2013, in Wien.
Ein Nachruf von Beate Eder-Jordan / Initiative Minderheiten
Initiative Minderheiten: Als Autorin, Malerin, Sängerin, Erzählerin und Zeitzeugin prägte Ceija Stojka seit 25 Jahren den Diskurs über Roma und Sinti in Österreich und vermittelte einem großen Publikum im In- und Ausland, vor allem Schüler_innen und Student_innen, zeitgeschichtliches und kulturelles Wissen über ihre Volksgruppe und den nationalsozialistischen Genozid an den Roma. Dass Roma in Österreich im Jahr 1993 als Volksgruppe anerkannt werden konnten, geht u. a. auf ihr Engagement zurück.
Ceija Stojka stammt aus einer Familie reisender Lovara (Pferdehändler) aus dem Burgenland, geboren wurde sie am 23. Mai 1933 in Kraubath in der Steiermark. Als Kind, im Jahr 1943, wurde Ceija Stojka mit ihrer Familie in die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Bergen-Belsen verschleppt. Der Vater war bereits im Jahr 1941 deportiert worden. Ceija Stojka überlebte als eine der wenigen ihrer Großfamilie den nationalsozialistischen Genozid. Jahrzehntelang war es Ceija Stojka nicht möglich, über das erlittene Leid zu sprechen. Es gab keine Gesprächspartner_innen, weder unter den Roma noch unter den Nicht-Roma. Frau Stojka schlug dann einen sehr ungewöhnlichen Weg ein: Sie begann als über Fünfzigjährige, das Erlebte aufzuschreiben.
Im Jahr 1988 erschien im Picus-Verlag in Wien ihr erstes Buch: Wir leben im Verborgenen. Erinnerungen einer Rom-Zigeunerin, herausgegeben von der Filmemacherin und Autorin Karin Berger. Aus der fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden Frauen entstanden zwei weitere Bücher (Ceija Stojka: Reisende auf dieser Welt. Aus dem Leben einer Rom-Zigeunerin. Wien 1992 und Träume ich, dass ich lebe? Befreit aus Bergen-Belsen. Wien 2005) sowie zwei Filme (Karin Berger: Ceija Stojka. Porträt einer Romni, 1999 und Unter den Brettern hellgrünes Gras, 2005). Ceija Stojkas Lyrikband Gedichte (Romanes, Deutsch) und Bilder. Meine Wahl zu schreiben – Ich kann es nicht. O fallo de isgiri – me tschischanaf les erschien 2003 im EYE-Verlag in Landeck in der Reihe „Am Herzen Europas“ und wurde von Gerald Kurdoğlu Nitsche, einem engen Weggefährten Ceija Stojkas, herausgegeben.