„Augustin“-Nöte und Jargonprobleme
Juni 27th, 2012 | Published in Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte
Was die ökonomische Gefährdung einer Straßenzeitung mit ethnischem Ordnungsdenken zu tun hat. Zu Hans Rauschers Klage über „aggressive“ Verkaufspraktiken und „linkssektiererische“ Erklärungsmuster.
Von Wolfgang Göderle, Barbara Tiefenbacher und Stefan Benedik
Der Standard/Kommentar der anderen, 4.6.2012
(Replik auf Hans Rauschers Einserkastl)
Vor einigen Tagen hat die Wiener Straßenzeitung Augustin bekanntgegeben, dass sie angesichts finanzieller Schwierigkeiten um den Fortbestand kämpft. Die Probleme wären, konnte man auf der Homepage der Zeitung lesen, unter anderem auf wachsenden „Antiziganismus“ zurückzuführen. Das nahm ausgerechnet Standard -Kolumnist Hans Rauscher zum Anlass zu erklären, dass nicht feindselige Maßnahmen gegen Roma/Romnija, sondern vielmehr Zeitungen aus dem Müllcontainer fischende „Rumänen“ und deren „aggressive“ Verkaufsweisen an der Augustin-Krise und anderen Missständen schuld wären.
Die „echten“ Verkäufer benähmen sich ja gut. In einer seltsam anmutenden Wortwahl, wird Antiziganismus da als Hirngespinst abgetan, das es nur im „linkssektiererischen Jargon“ gäbe. Mehr noch: Wenn Diskriminierung passiert, sind die Betroffenen selbst dafür verantwortlich. Diese Schuldumkehr wirkt wie ein Lehrbuchbeispiel für ein rassistisches Argumentationsmuster.