„Weg ins Nichts“: Interview mit Marika Schmiedt
Juni 2nd, 2012 | Published in Film & Theater, Interview, Kunst & Fotografie
Versorgerin #93: Marika Schmiedt ist Aktivistin, Filmemacherin, bildende Künstlerin und lebt in Wien (Website). Die Auseinandersetzung mit der Situation der Roma und Sinti vor und nach 1945 bildet einen Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit. Luis Liendo Espinoza befragt sie zu ihrem neuen Film und zur dramatischen gegenwärtigen Lage.
Du hast heuer einen neuen Film herausgebracht: „Roma Memento. Zukunft ungewiss?“
Mein erster Film (Eine lästige Gesellschaft) war eine Spurensuche nach dem Schicksal meiner Großmutter. In Roma Memento kommt nun meine Mutter zu Wort. Der Film handelt von den Auswirkungen des Verlustes, den die Ermordung meiner Großmutter mit sich gebracht hatte. Ihre Kindheit hat meine Mutter bis an ihr Lebensende geprägt. Sie erzählt im Film, wie schlimm es für sie war, als Kind mit stetigen Anfeindungen zu leben. Es ging nicht allein um ihre Herkunft, sondern auch um das Nicht-Wissen ihrer Herkunft. Sie wurde gehänselt, in der Schule wurde sie „Papua-Neger“ gerufen. Doch sie wusste lange Zeit nicht, weshalb sie überhaupt angefeindet wurde – dass sie eine Romni ist. Ein weiterer Teil des Films thematisiert die gegenwärtige Situation der Roma.
Du hast dafür in einem Roma-Slum in Belgrad gedreht. Was war Dein Eindruck von den Lebensbedingungen der Bewohner?
Jasmina Tumbas war als Dolmetscherin tätig, über eine weitere Bekannte bekam ich Kontakt zu einer Familie. Ich wollte mit eigenen Augen sehen, wie Roma heute leben. Es ist unglaublich, ich habe fast keine Worte dafür. Die Menschen leben zum Teil ohne Wasser, ohne Kanalisation und ohne Strom. Read the rest of this entry »