„Wir müssen die Apathie überwinden“
Juni 18th, 2011 | Published in Interview, Medien & Presse, Politik
Europa: Lívia Járóka über die Roma-Strategie
Die ungarische Romni Lívia Járóka ist derzeit die einzige Vertreterin ihrer Volksgruppe unter den insgesamt 736 EU-Parlamentariern. „Tatsächlich sind die Roma“, sagt die Europapolitikerin mit Blick auf die geschätzten 10 bis 12 Millionen Roma in der EU, „50-mal schwächer vertreten als Luxemburg, das mit weniger als einer halben Million Einwohnern sechs Abgeordnete stellt.“
Mit der vom ungarischen Ratsvorsitz forcierten Roma-Strategie seien nun die Staaten, aber auch die Roma selbst am Zug, sagt die EU-Abgeordnete im Standard-Interview. Sie plädiert für eine „gesamteuropäische Krisenkarte“, um die „unterentwickelten Kleinregionen, die vorwiegend von Roma bewohnt werden“, exakter identifizieren und das „Schlüsselkonzept“ der „territorialen Zielgerichtetheit“ besser umsetzen zu können.
Lívia Járóka (36) ist Sozialanthropologin und seit 2004 Mitglied des Europa-Parlaments, wo sie derzeit als Berichterstatterin über die EU-Strategie zur Integration der Roma fungiert. Ihr Bericht, in dem die Regierungen eine einheitliche europäische Strategie für die Roma-Integration fordern, wurde vor kurzem vom Europäischen Parlament mit 86-prozentiger Zustimmung angenommen. Zuletzt war die Roma-Politikerin der rechtsnationalen ungarischen Regierungspartei Fidesz wegen ihrer Zurückhaltung im Fall der unter den Augen der Polizei wochenlang bedrohten Roma von Gyöngyöspata (mehr etwa hier oder hier) kritisiert worden. Ein Hilferuf der Roma aus der Ortschaft sei versehentlich in ihrem Spam-Ordner verloren gegangen.