Wissenschaft

Forschungsvorhaben in Schleswig-Holstein

Juni 3rd, 2024  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Forschungsprojekt in Deutschland: Die Flensburger Sinti-Familie Weiß wurde 1940 deportiert (Bild: Museum Flensburg) Europa-Universität Flensburg: Die For­schungs­stelle für re­gio­na­le Zeit­geschichte und Public History er­forscht grund­ständig die Geschichte der Sinti und Roma im Na­tio­­nal­so­zia­lis­mus und in der Nach­kriegs­zeit.

Laufzeit: 1.12.2023 bis 30.11.2025

Im Januar 2022 hat der Schleswig-Holsteinische Landtag ein­stimmig be­schlossen, die Geschichte der Sinti und Roma in Schles­wig-Hol­stein, ins­beson­dere zu Ver­folgung und Ver­treibung im National­sozialis­mus, auf­zu­arbeiten. Im Dezem­ber 2023 ist der Start­schuss für die wissen­schaftliche Unter­suchung des Themas durch die For­schungs­stelle für regio­nale Zeit­geschichte und Public History der Euro­pa-Uni­ver­sität Flensburg ge­fallen.

Forschungsstelle

Den Zuschlag für das Projekt hatte die Forschungsstelle im Oktober 2023 er­halten. Gegen­stand des For­schungs­pro­jekts ist die Ge­schichte der Sinti und Roma in Schles­wig-Hol­stein im 20. Jahr­hundert, mit dem Schwer­punkt auf der NS-Zeit und deren Bewäl­tigung nach 1945. Der Fokus des Projekts liege nach Auskunft der For­schungs­stelle auf der Er­schlie­ßung aller Ent­schädi­gungs- und Wieder­gut­machungs­ver­fahren, die in Schles­wig-Hol­stein im Hinblick auf Sinti und Roma geführt wurden. Weitere Arbeits­felder des Projektes seien die Durch­führung von narra­tiven Interviews mit Nach­kommen der Überlebenden, die Erstellung einer Auf­listung regionaler Über­lieferun­gen in Schles­wig-Holstein und die Durchführung einer exempla­ri­schen Zeitung­sanalyse, um ins­beson­dere die Kon­tinui­täten des Anti­ziganismus zu analy­sieren.

Abschlussbericht für November 2025 erwartet

Projektleiter ist der Direktor der Forschungsstelle für regionale Zeitgeschichte und Public History, Prof. Dr. Marc Buggeln. Am Projekt wirken darüber hinaus die wissen­schaft­lichen Mit­arbeiter Dr. Sebastian Lotto-Kusche und Melanie Richter-Oertel sowie studen­tische Hilfs­kräfte mit. Die For­schungs­stelle wird bis zum 31. Oktober 2024 einen Zwischen­bericht fertigen. Der Abschluss­bericht soll dann bis zum 30. November 2025 vorliegen. Die For­schungs­stelle untersucht und ver­mittelt seit Jahr­zehnten die Geschichte des National­sozialis­mus und dessen Nach­geschichte in der Region. Read the rest of this entry »

Digitale Ausstellung „Ružake gila“

Mai 26th, 2024  |  Published in Einrichtungen, Internet & Blogothek, Musik, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Projekt und digitale Ausstellung „Ružake gila“ macht musikalischen Nachlass der Sängerin und Romni Ruža Nikolić-Lakatos (1945-2022) für breite Öffentlichkeit zugänglichDie digitale Ausstellung „Ružake gila“ macht den mu­si­ka­li­schen Nach­lass der Sän­ge­rin und Romni Ruža Ni­ko­lić-La­ka­tos (1945–2022) zu­gäng­lich. Ein Pro­jekt des MMRC – Music and Mi­no­ri­ties Re­search Center in Wien.

Ruža Nikolić-Lakatos (1945–2022) war eine heraus­ragende Per­sön­lich­keit in der Welt der Roma-Musik in Österreich und wurde ab den 1990er-Jah­ren als Ver­trete­rin der Lovara-Lieder öf­fent­lich be­kannt. Als Bot­schafterin ihres Volkes trug sie in Öster­reich maß­geblich zur Ver­breitung der Musik­tradition und zur An­erken­nung der Roma/Rom­nja als Volks­gruppe bei. Bis kurz vor ihrem Tod trat Ruža Niko­lić-La­katos, deren Vor­name ‘Rose’ be­deutet, regel­mäßig mit ihrer Familie, The Gypsy Family, in ganz Öster­reich und im Ausland auf.

Ružake gila widmet sich dem musikalischen Nachlass von Ruža Nikolić-La­katos. Durch­geführt vom MMRC (Music and Minorities Research Center)> der Univer­sität für Musik und dar­stellende Kunst Wien leistet das Projekt damit einen Beitrag zur Sicht­bar­machung und Zu­gänglich­keit der Roma-Musik in Österreich. Die digitale Aus­stellung gibt einer außer­ge­wöhnli­chen Sängerin eine Plattform und er­möglicht ein Weiter­leben und -geben ihrer Lieder.

Die Projektleiterin, Ethnomusikologin und Gründerin des MMRC, Ursula Hemetek, be­gleitete und doku­mentierte die künstle­rische Ent­wicklung von Ruža Niko­lić-La­katos mehr als drei Jahr­zehnte lang. Dadurch ent­stand eine tiefe Ver­bunden­heit mit der Familie der Sängerin. Einige Lieder der über 100 Stunden dau­ernden Ton­aufnahmen, die an der Universität ar­chiviert sind, publizierte Ursula Hemetek als Tonträger. Das trug wesent­lich zur Bekannt­machung der Lovara-Lieder und der Person Ruža Niko­lić-La­katos unter den gaže, Nicht-Roma, bei. Zusätz­lich zu den Aufnahmen von Ursula Hemetek stellt die Sammlung Heinschink, die im Phono­gramm­archiv der Öster­reichi­schen Akademie der Wissen­schaften archiviert ist, einen Schatz an Ton­aufnahmen der Lovara-Lieder seit den 1960ern dar, die groß­teils noch nicht ver­öffent­licht wurden.

Ziel der Ausstellung Ružake gila ist es, die Musik von Ruža Nikolić-La­katos der breiten Öffent­lichkeit zur Ver­fügung zu stellen. Die Liedtexte, Über­setzungen, musikalischen Transkrip­tionen und erklä­renden Texte zu den Liedern unter­stützen dabei den Verstehensprozess. Read the rest of this entry »

16. Mai 1944: Aufstand in Auschwitz-Birkenau

Mai 16th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Wissenschaft

Der Aufstand von Sinti und Roma in Auschwitz-Birkenau – Ver­anstal­tungs­mit­schnitt: Vor­trag von Benjamin Ortmeyer (2021)

Am 16. Mai 1944 sollte Auschwitz-Birkenau II – das sogenannte „Zigeuner­lager“ –, in dem sich zum dama­ligen Zeit­punkt noch etwa 6.000 Häftlinge be­fanden, liqui­diert werden. Die inhaf­tierten Sinti und Roma erfuhren davon und leis­teten Widerstand. Sie be­waff­neten sich mit Schaufeln, Werk­zeugen und dem, was sie finden konn­ten, und schafften es so, die Liqui­dierung vorerst zu ver­hindern. An­lässlich des 77. Gedenk­tages 2021 berich­tet Prof. Dr. Ben­jamin Ort­meyer in seinem Vortrag über diesen Akt des Widerstands von Sinti und Roma in einem Ver­nich­tungs­lager. Vorab sind eine Be­grüßung durch Rinaldo Strauß und ein Gruß­wort von Jochen Partsch, Ober­bürger­meister der Wissen­schafts­stadt Darmstadt, zu sehen. Außer­dem gibt es hier auch die Präs­enta­tion zum Vor­trag.

(Text und Video: CC BY-NC-ND 3.0 DE, Verband Deutscher Sinti und Roma – Lan­des­ver­band Hessen)

CEU: Jubiläums-Roma-Konferenz in Wien

Mai 2nd, 2024  |  Published in Einrichtungen, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

CEU-Konferenz 2024 in WienCEU begeht 20-jähriges Jubiläum ihrer Stu­di­en-Zu­gangs­program­me für Roma und Rom­nija im Mai mit einer Kon­fe­renz in Wien

Anlässlich des 20-jährigen Bestehens ihrer „Roma Access Programme“ kün­digt das „Romani Studies Program“ der Central European Uni­ver­sity (CEU) die Kon­ferenz „Challen­ging the Re­pro­duction of In­equa­lity Through Higher Edu­cation: Criti­cal Approa­ches in Romani Studies and Beyond“ an. Die Kon­ferenz findet am 16. und 17. Mai 2024 in Wien am Cam­pus der CEU statt und wird zu­sätzlich ge­streamt. Ver­anstal­tungs­sprache ist Englisch. Für weitere Infor­matio­nen sowie die Mög­lich­keit zur Registrie­rung folgen Sie bitte diesem Link.

Die Veranstaltung, die gemeinsam mit dem Roma-Pro­gramm des „FXB Center for Health and Human Rights“ der Harvard Univer­sity (USA), den „Critical Romani Studies“ der Sodertorn Uni­ver­sity (Schweden) und dem „Yehuda Elkana Center for Teaching, Learning, and Higher Education Research” der CEU (Österreich) or­gani­siert wird, soll eine kritische Dis­kussion über Pro­gramme zur Förderung des Bildungs­zu­gangs von An­ge­höri­gen unter­drückter Gruppen er­mög­lichen.

In den meisten europäischen Ländern erhalten Roma-Studierende eine segre­gierte und qua­­litativ minder­wertige Bildung, die sie ent­weder davon abhält, weitere Studien zu absol­vieren, oder sie zu qualitativ minder­wertigen Studien- und Berufs­wahl­möglich­keiten führt – und damit ihre Aus­grenzung von der sozialen, wirt­schaftlichen und politi­schen Teilhabe fort­setzt“, sagte die Vor­sitzende und akade­mische Leiterin des „Romani Studies Program der CEU“, Angela Kocze, die bereits Hun­derte von Roma-Stu­die­ren­den unter­stützt hat, ihre akade­mischen und beruflichen Ziele zu er­reichen. Read the rest of this entry »

Bayern: Studie zur „Zigeunerpolizei“ des BLKA

April 18th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

BayernEveline Diener: Das Bayerische Landeskriminalamt und seine „Zigeuner­polizei“. Kon­tinui­täten und Dis­kon­tinui­tä­ten der bayeri­schen „Zigeuner­ermit­tlung“ im 20. Jahr­hun­dert (=Schriften­reihe der Deutschen Gesell­schaft für Polizei­geschichte e. V., Band 25), Verlag für Polizei­wissen­schaft: Frank­furt am Main 2021 (560 S.)

Die spezifisch genozidale Ausprägung der national­sozia­lis­ti­schen Verfolgung der „Zigeuner“ fand in der Geschichts­wissen­schaft und in der medialen Öffent­lich­keit erst ver­gleichs­weise spät Be­achtung. Dem spielte zu, dass eine ent­rechtende „Zigeuner­politik“ und „Zigeuner­verfolgung“ lange Zeit als normal an­ge­sehen wurde. Diese Proble­matik wird am Bei­spiel der für die „Zigeuner“- bzw. „Landfahrer­ermitt­lung“ zu­stän­digen Stelle des 1946 ge­grün­deten Bayeri­schen Landes­kriminal­amts (BLKA) unter­sucht. Hier werden Kon­tinui­täten sowie Dis­kontinui­täten in „Zigeuner­politik“ bzw. „Zigeuner­verfolgung“ auf der Zeit­schiene „Kaiserreich“, „Weimarer Republik“, „National­sozialis­mus“ und „Nachkriegs­zeit“ auf­ge­zeigt. Dafür werden zwei Forschungs­schwer­punkte zu­sammen­geführt: Die Unter­suchung der ein­schlä­gigen Vor­geschichte – an­gefangen vom Kaiserreich bis zum National­sozialismus – und schließ­lich die Unter­suchung der per­sonellen, inhalt­lichen und organi­sato­ri­schen Aus­gestal­tung der „Zigeu­ner“- bzw. „Landfahrerstelle“ des Baye­ri­schen Landes­kriminal­amts der Nachkriegszeit. Hierbei liegt der Fokus auf Prägungen und Laufbahnen der dort tätigen Be­schäf­tigten, auf gesell­schafts­politi­schen Rahmen­bedin­gun­gen und Einfluss­fak­toren sowie schließ­lich auf lang­fristig ge­prägten Strukturen und Mentalitäten in „Zigeuner­politik“ und „Zigeuner­ermitt­lung“. Somit leistet die Arbeit eine For­schungs­berei­che­rung auf dem bisher noch wenig unter­suchten Gebiet der „Zigeuner“- bzw. „Landfahrer­ermitt­lung“.

(Text: Verlagsinfo)

Eine kritische Besprechung von Markus End finden Sie hier (pdf).

Siehe auch:
Bayern: Polizei erforschte „Landfahrerstelle“
, 15.12.2021

8. April 2024: Internacijonali Romengero Di

April 11th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radijo/TV Erba (Tschibtscha), Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Radijo ErbaRadijo Erba & TV Erba

Tschibtscha | 9.4.2024 | 8:43 min

Internationaler Tag der Roma Romnija

O erschti themeskero-Romengero-kongreso ando bersch deschu­enja eftavar desch taj jekto bersch ande London o kesdipe le Ro­men­ge­re-pol­ga­ren­ge­re tscha­tschi­pes­kere micini­pestar sina. Sajt oja cajt, ando 8to april upro cilo them akci­jona­kere divesa del, kaj i situa­cija la flogos­kera grupnatar upre sikadi ol. Ada bersch, papal but mula­tin­tschage andi cili Europa taj te andi Austrija del. I Romen­geri flogos­keri Utschi Ischkola ando kultura­kero kher Loipersdorf use jek mula­tin­tschago le anaveha – „Die un­be­kannten öster­reichi­schen Opfer des Roma-Ge­nozids im so ge­nannten Zi­geuner­lager Litz­mannstadt 1941–1942“ akartscha.

Anlässlich des Internationalen Rom*nja-Tages 2024 fand im Kultursaal Loipersdorf eine Tagung unter dem Titel „Die unbekannten österreichischen Opfer des Roma-Genozids im so genannten Zigeunerlager Litzmannstadt 1941-1942“ statt.

Andreas Lehner, Mag. Feri Janoska, Vor­sitzen­der Roma Volks­hoch­schule Burgenland
Bgm. Jürgen Zimara, Loipersdorf-Kitzladen
Gerhard Baumgartner: Deportation Wiener Roma und Sinti nach Lacken­bach 1941
Herbert Brettl: Einlieferungen nach Lackenbach in Vor­berei­tung der De­porta­tion 1941/42
Ludwig Laher: Die Insassen des Lagers Weyer und ihre Depor­ta­tion nach Lacken­bach 1941
Emmerich Gärtner-Horvath: Familiäre Überlieferungen einer burgen­län­di­schen Roma­familie zur De­por­ta­tion 1941
Dr. Werner Koroschitz: Die Deportation von Kärntner Sinti-Fami­lien nach Lacken­bach 1941
Moderation: Frank Reuter (Universität Heidelberg)
Read the rest of this entry »

Arnold Fortuin. Die Verfolgung der Sinti und Roma im Saarland

April 4th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Interview, Literatur & Bücher, Radio, Podcast & TV, Religion, Wissenschaft

Buchcover: Arnold FortuinFranz Josef Schäfer: Arnold Fortuin. Die Verfolgung der Sinti und Roma im Saarland, Saarbrücken 2022 [→Blattlaus-Verlag]

Der Illinger Historiker Franz Josef Schäfer legt erst­ma­lig die Ge­schichte der saarländischen Sinti und Roma vor, einer weit­gehend ver­gesse­nen NS-Opfer­gruppe.

Pfarrer Arnold Fortuin war der erste Seelsorger der deutschen Sinti und Roma. Bereits seit den Zwanzige­rjahren des 20. Jh. be­treute der dama­lige Saarbrücker Kaplan an der Michaels­kirche in Saarbrücken St. Johann die Außen­seiter und erteilte ihnen Unterricht. In der NS-Zeit gab er ihnen Trost. Nach dem Krieg war er ihr Anwalt und Berater in Ent­schädi­gungs­fragen. Seit 1955 findet all­jährlich eine Wallfahrt von Sinti und Roma statt zur Illinger Bergkapelle.

Die Monografie würdigt ausgiebig zum ersten Mal den Men­schen und Seelsorger Fortuin, der viele Jahre nach seinem Tod mit dem Bau des Fortuin-Hauses in Berlin sowie der Be­nen­nung einer Straße und einer Schule in Illingen eine späte An­er­kennung ge­funden hat. Neben einem histori­schen Abriss der Minder­heit stellt der Autor ihren Verfolgungs­weg auf quellen­kund­­li­cher Basis dar am Beispiel aus­ge­wählter Familien. Wie die Be­völ­kerungs­gruppe in belletris­ti­schen Werken saarländischer A­uto­rin­nen und Autoren ge­sehen wurde, ist eben­falls vor­zu­finden.

(Text: Blattlaus-Verlag)

Das Buch von Franz Josef Schäfer, thematisiert in der ausführ­li­chen Dar­stellung der Vita des katholi­schen Geist­lichen den Wider­spruch von indivi­dueller mensch­licher Hilfe und politischer Igno­ranz der Amtskirche. Schäfer be­trachtet einer­seits Fortuins Loyalität gegen­über dem Dienst­herrn und schildert anderer­seits, akribisch recher­chiert und mit großer Empathie, das per­sönliche Auf­be­gehren des Priesters, sein un­ge­broche­nes Engage­ment für die Minder­heit, sein Eintreten gegen die Unter­lassun­gen und Ignoranz der Mehrheit. Der Autor bewahrt sich den­noch die not­wendige Distanz. Der Zivil­courage Fortuins, die riskante Unter­stützung der Roma und Sinti in der NS-Zeit und der kon­tinuier­liche Einsatz für die Rechte der Roma und Sinti nach 1945, steht pointiert die Kritik an den Äußerun­gen des Kirchen­mannes gegen­über, nämlich der Kol­portage des üblichen Klischees, den ver­brämten Genera­lisie­rungen, die seit Jahr­hun­derten Grundlage der Dis­kriminie­rung sind. Read the rest of this entry »

Online-Enzyklopädie zum Roma-Holocaust

März 4th, 2024  |  Published in Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Veranstaltungen & Ausstellungen, Wissenschaft

Enzyklopädie zum Roma-GenozidNS-Völker­mord an den Sinti und Roma in Euro­pa: Prä­sen­ta­tion einer On­line-En­zyklo­pä­die am 5. März in Berlin

Unter nationalsozialistischer Herrschaft wur­den Hun­dert­tau­sende Sinti und Roma in Deutschland und ande­ren euro­päi­schen Ländern ver­folgt und ermordet. Ziel des NS-Staats und seiner Rassen­ideologie war die europa­weite Ver­nichtung der Minder­heit. Das vor­gestellte inter­nationale Pionierprojekt führt das verstreute Wissen über den national­sozialis­ti­schen Genozid in seiner euro­päischen Dimension in einer groß­angelegten Enzyklopädie zu­sammen. An dem vom Aus­wärtigen Amt ge­förderten Vorhaben arbeiten derzeit mehr als 80 Wissen­schaft­lerin­nen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. Mit dem Launch wird die auf Deutsch und Englisch an­gelegte Enzyklopädie, die in Ko­operation mit dem Center für digitale Systeme an der Freien Univer­sität Berlin entsteht, erstmals online zu­gänglich. Sie wird bis Ende 2025 auf rund 1.000 Fach­beiträge an­wachsen und einen Meilen­stein für die Forschung und Bildungs­arbeit zum NS-Völkermord an den Sinti und Roma in Europa dar­stellen.

(Text: Ankündigung der Forschungsstelle Antiziganismus, Univ. Heidelberg)

Rassismus im Gesundheitswesen

Januar 17th, 2024  |  Published in Interview, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Podcast BBQ von COSMO, 14.12.2023

Eine gute ärztliche Versorgung ist wichtig. Doch leider kommt es auch in medi­zini­schen Praxen zu Rassismus, also dort, wo Men­schen sich sicher und ge­borgen fühlen müssen. Über dieses Thema sprechen Dominik Djialeu und Zuher Jazmati in dieser Ausgabe von „BBQ – der Black­Brown­Queere Podcast“ von COSMO.

Gerade in Zeiten, in denen gute ärztliche Versorgung von unschätz­barem Wert ist, sei es bei Erkäl­tungen, Grippe oder sogar Corona, er­fahren viele Men­schen, wie wichtig medizi­nische Unter­stützung ist. Das gilt auch für chronische Er­kran­kungen oder akute Notfälle. Doch immer wieder berich­ten Ras­sismus­betrof­fene von negativen Er­fahrun­gen: Sie erhalten keine Termine, ihre medizi­nischen Sorgen werden nicht ernst­ge­nom­men oder sie müssen sich rassis­tische Aus­sagen an­hören. Dr. Cihan Sinanoğlu hat gemein­sam mit einem Team dazu geforscht. Read the rest of this entry »

dROMa 72: „Genetik“

Dezember 13th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft, dROMa (Magazin)

dROMa 72Themenheft „Genetik“ | Temakeri heftlina „Genetik“

→Download (PDF) | Inhalt

Die Fortschritte der Genetik sind atemberau­bend, doch es tun sich auch neue Abgründe auf. Minder­heiten wie den Roma gilt näm­lich ein beson­ders ex­zessives For­schungs­interes­se. Die ethischen Fallen, die damit ver­bunden sind, von un­sauberen Daten bis zum wissen­schaft­lich kaschier­ten Rassismus, skizziert die deutsche „Wissen­schafts­jour­nalis­tin des Jahres 2021“ Christina Berndt. Ein Thema, das Veronika Lipphardt im Interview ver­tieft: Sie hat sich gemein­sam mit Mihai Surdu durch Hunderte gene­tische Studien über Roma gewühlt – und stellt ihnen, ethisch wie metho­disch, ein ver­nich­ten­des Zeugnis aus. Was alles schief­gehen kann, wenn Genetik, Schlam­perei und Vor­urteile auf­einander­treffen, zeigt auch das „Phantom von Heilbronn“. Die Suche nach einer Mörderin brachte eine ganze Ethnie unter General­ver­dacht. An­schlie­ßend berich­tet Roman Urbaner von einem archäo­lo­gischen DNA-Fund, den es gar nicht geben dürfte. Dabei geht es um ein Skelett in England, Wikinger in Byzanz und eine mög­li­cher­weise aus dem Osten ver­schleppte Sklavin. Den Abschluss macht ein Interview mit dem Familien­forscher Herbert Rehling aus Bad Tatz­manns­dorf, der sein Wissen gerne auch mit Roma teilen würde.

O neviptscha la genetikatar barikane hi, ham te neve telperip­tscha pran pumen. Tschu­lip­tschen­ge sar le Romenge, igen bari­kano bulho forschi­ni­pes­kero interesi del. O etischi andasta­rip­tscha, save adale kojenca khetan phandle hi, hamisch­ne datschen­dar dschi otscha uso visen­schoft­lichi garudo rasismus, sikal i nimtschki „visen­schof­ta­keri reporter­kija le ber­schestar 2021“ Christina Berndt. Jek tema, savi i Veronika Lipphardt ando vakeripe horeder kerel: Oj khetan le Mihai Surduha but schel gene­tischi schtudiji pedar Roma aun peske dikla – taj lenge, etischi sar meto­dischi, ertscha­ve censuri ar terdscha­rel. So sa, na latscho schaj naschel, te pe i genetik, o na latscho butscha­linipe taj i diskri­mi­nacija reste, sikal o „fantom andar Heilbronn“. O rodipe pal jek teterkija, jeka cila etnija telal o generali schpe­kuli­ri­nipe antscha. Paloda phukal o Roman Urbaner jeke arche­jo­lo­gischi DNA-la­ki­pestar, save schoha te del na trom­lahi. Read the rest of this entry »

Podcast Hörsaal: „Baseballschlägerjahre“

November 27th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Als der Staat sein Gewalt­monopol preisgab. Polizei und rechte Straßen­­mobs in der ost­­­deutschen Trans­­­for­­­ma­­tions­­­ge­sell­­s­chaft der 1990er Jahre

Podcast: Hörsaal – Deutschlandfunk Nova, 24.11.2023

In den sogenannten Baseballschlägerjahren der 1990er-Jahre über­nahmen rechte Mobs teil­weise die Kontrolle auf Ost­deutschlands Straßen. Der Histori­ker Patrick Wagner erklärt in seinem Vortrag, warum es damals zu einer Erosion des staat­lichen Gewalt­mono­pols kam. Patrick Wagner ist Pro­fessor für Zeit­geschichte an der Mar­tin-Lu­ther-Uni­ver­sität Hal­le-Witten­berg. Seinen Vortrag hielt er am 2. Novem­ber 2023 im Rahmen der Ring­vor­lesung „Mehr als eine Randnotiz. Die extreme Rechte in der deut­schen Gesell­schaft nach 1945“ an der Uni Hamburg.

Sind wir alle rassistisch, ohne es zu merken?

Oktober 28th, 2023  |  Published in Radio, Podcast & TV, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Wissen Weekly, Podcast-Folge vom Juli 2021 (26.48 Min.)

Spätestens seit den „Black Lives Matter“-Pro­tes­ten und dem Mord an George Floyd, hört man immer wieder „wir sind alle rassis­tisch“. Aber stimmt das? Warum ver­halten sich Menschen über­haupt rassistisch und manch­mal sogar ohne es zu merken. Um das zu erklären, tauchen wir tief in die Funktions­weise un­seres Gehirns ein, klären, wo Rassismus her­kommt und was wir da­gegen tun können. Hier könnt ihr selbst testen, ob ihr rassistische Denkmuster habt.

(Text und Beitrag: Wissen Weekly)

Sammelband über den NS-Völkermord

Oktober 11th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Wissenschaft

Cover Sinti und RomaKarola Fings / Sybille Steinbacher (Hrsg.): Sinti und Roma. Der natio­nal­sozia­lis­ti­sche Völker­mord in histo­ri­scher und ge­sell­schafts­poli­ti­scher Per­spek­tive (=Da­chau­er Sym­posien zur Zeit­ge­schichte, Bd. 19), Wall­stein Verlag, Göttingen 2021, 288 S.

Der Völkermord an den Sinti und Roma: bis heute ein »blinder Fleck«. Der Völker­mord an den Sinti und Roma erfuhr erst eine öffent­lich weithin sicht­bare An­erken­nung, als 2012 in Berlin das zentrale Denkmal für diese Opfer­gruppe ge­schaffen wurde. Doch bis heute ist das Wissen um die Verfolgung der Minder­heit und den an ihr began­genen Völker­mord gering.

In historischer Perspektive werden das Verfolgungs­gesche­hen im Deutschen Reich, das Leid im Kon­zentrations­lager Dachau sowie die Tötungs­verbrechen in Ost- und Südost­europa dar­gestellt. Dem Span­nungs­feld von Täter- und Opfer­per­spek­tiven und den Kontinuitäten und Brüchen nach 1945 gilt ein beson­deres Augenmerk. In ge­sellschafts­politischer Perspektive werden Fragen der Ver­mitt­lungs- und der Bürgerrechts­arbeit proble­matisiert sowie die Bedeu­tung des bis heute wirk­mächtigen Anti­ziganis­mus für die Über­lebenden und deren Nach­kommen the­matisiert.

Aus dem Inhalt: Read the rest of this entry »

Der Völkermord und die Bundesrepublik

September 5th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Politik, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Sebastian Lotto-Kusche: Cover 2022Sebastian Lotto-Kusche: Der Völkermord an den Sinti und Roma und die Bun­des­repub­lik. Der lange Weg zur An­er­ken­nung 1949–1990 (=Schrif­ten­rei­he der Viertel­jahres­hefte für Zeit­ge­schichte, 125), De Gruyter Ol­den­bourg, Berlin 2022, 264 S.

Die Studie untersucht die diskursiven Kämpfe um die Anerkennung des NS-Völker­mords an Sinti und Roma in der Bundes­republik bis 1990. Dabei wird unter An­erken­nung zweier­lei ver­standen: die Ak­zeptanz der Verbände der Sinti und Roma als legitime Gesprächs­partner der Bundes­regierung sowie die Be­wertung der „NS-Zi­geuner­ver­folgung‟ als „rassisch‟ moti­viertes Verbrechen in Politik und Wissen­schaft. Auf der Grund­lage um­fassenden Quellen­materials von Bundes­behörden und politischen wie zivil­gesell­schaft­li­chen Akteuren ent­steht eine Diskurs­geschichte dieses lang­wierigen An­erkennungs­pro­zesses. Sie zeigt, dass bis tief in die 1960er Jahre hinein ein durch und durch rassisti­sches Bild der na­tio­nal­sozialis­ti­schen Politik gegen Sinti und Roma vor­herrschte. Dieser Denkstil, der von traditio­nellen Vor­urteilen über „Zigeuner­kriminalität‟ ge­prägt war, geriet in den 1970er Jahren mit der Rezeption von inter­natio­na­len For­schungs­arbeiten im­mer stärker unter Druck. Doch erst in den 1980er Jahren begann mit der An­erken­nung der Sinti und Roma als Gesprächs­partner durch Bun­des­kanzler Helmut Schmidt auch die Er­forschung des NS-Mas­sen­verbrechens.

Read the rest of this entry »

„Stets korrekt und human“

August 31st, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Recht & Gericht, Wissenschaft

Opfermann, Ulrich Friedrich. „Stets korrekt und human“: Der Umgang der westdeutschen Justiz mit dem NS-Völkermord an den Sinti und Roma. Antiziganismusforschung interdisziplinär – Schriftenreihe der Forschungsstelle Antiziganismus 4. Heidelberg: Heidelberg University Publishing, 2023.Ulrich Friedrich Opfermann: „Stets korrekt und human“. Der Um­gang der west­deut­schen Justiz mit dem NS-Völ­ker­mord an den Sinti und Roma (=Anti­ziga­nis­mus­for­schung inter­dis­zipli­när. Schrif­ten­reihe der For­schungs­stelle Anti­ziga­nis­mus, Bd. 4), Heidel­berg Uni­ver­sity Publi­shing (heiUP): Hei­del­berg 2023, 589 S.

→zum Download (CC BY-SA 4.0)

Das Buch gibt erstmals einen systematischen Überblick zu einem bislang ver­nach­lässigten Bereich der justiziellen Auf­arbei­tung des NS-Systems: dem Umgang mit den Ver­brechen an den Sinti und Roma in west­deutschen NSG-Ver­fahren unter Ein­bezug des Tat­raums Osteuropa. Die akribisch recher­chierte Studie stellt zahl­reiche Verfahren vor. Sie informiert über die rechtlichen Voraus­setzungen des west­deutschen justiziel­len Sonderwegs, zeichnet den Verfahrens­gang nach und fragt nach den Rollen der Be­schuldig­ten und Zeugen sowie des Justiz­per­sonals. Im Mittel­punkt steht das als Groß­ver­fahren neben dem ersten Auschwitz-Prozess geplante Sammel­ver­fahren zum „Zigeunerkomplex“ (1958–1970), das ent­gegen seinem An­spruch kaum Resonanz ent­faltete und heute weit­gehend ver­gessen ist.

Read the rest of this entry »

Der Porajmos in der Nachkriegsjustiz (2022)

August 24th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Literatur & Bücher, Recht & Gericht, Wissenschaft

Anna Cseri (2022): Kritische Betrachtung der Darstellung des Porajmos in der österreichischen Nachkriegsjustiz am Beispiel der Volksgerichtsverfahren gegen Franz Langmüller und Friedrich Messer

Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät), 91 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Nur ein Bruchteil der begangenen NS-Verbrechen an Rom:nja und Sin­ti:zze wurde in den öster­reichi­schen Volksgerichten im Zuge der Nach­kriegs­justiz be­handelt. Als Sonder­gerichte trugen sie die Ver­ant­wortung für die justizielle „Entnazifizierung“, welche in Österreich eng ver­zahnt war mit einer büro­kra­ti­schen „Säuberung”, bei der im Wesent­lichen eine Registrie­rung sog. „Ehemaliger“ sowie Sühne­leistungen zu Tragen kamen. Bis dato ließen sich ledig­lich 23 von über 136.000 Verfahren eruie­ren, die mit dem Porajmos im Zu­sammen­hang stehen. Eine Vielzahl der NS-Ver­brechen an Rom:nja und Sinti:zze blieb ungesühnt. Dieser Um­stand lässt sich in den Dis­kriminie­rungs­prozess dieser Opfer­gruppen in der un­mittel­baren Nach­kriegszeit (jedoch auch darüber hinaus) ein­ordnen. Knapp die Hälfte der Verfahren vor dem Volks­gericht betref­fend des Porajmos wurden ab­gebrochen oder ein­gestellt, die Täter:innen in einem Großteil der Fälle zu niedrigen Strafen verurteilt oder gar frei­gesprochen. In der vor­liegenden Master­arbeit wurden zwei öster­reichi­sche Volks­gerichts­verfahren analy­siert, die mit dem sog. „Zigeunerlager” Lackenbach in Zu­sammen­hang stehen. Die Haupt­quellen umfassen die Prozess­unter­lagen der beiden Verfahren, einer­seits gegen den Lager­leiter des so­ge­nannten „Zigeuner­lagers” Lacken­bach, Franz Langmüller, sowie anderer­seits gegen Friedrich Messer, der unter an­derem wegen der Denun­ziation einer Romni und der Betei­li­gung an Depor­tationen vor Gericht stand. Hierbei wurden erst­mals Prozess­akten auf die Re­produk­tion anti­ziganisti­scher Stereotype unter­sucht. Read the rest of this entry »

Saving the authentic “gypsy” (2018)

August 12th, 2023  |  Published in Geschichte & Gedenken, Hochschulschriften, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Sandra Antonia Klos (2018): Saving the authentic “gypsy”. Paul Bataillard and the begin­nings of French Gypsyology

Masterarbeit, Universität Wien (Historisch-Kultur­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät), 103 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Paul Bataillard (1816–1894) war ein Pariser Journa­list, Redak­teur, Republi­kaner, Historiker, Anthro­pologe und Archivar. Seine zahl­reichen Ver­öffent­lichun­gen zur Ethnographie, Geschichte und Herkunft der­jenigen Per­sonen, die er als Bohémiens oder Tsiganes de­fi­nierte, bildeten das Fun­dament fran­zösi­scher Tsiganologie, der wissen­schaft­li­chen Ent­deckung und Be­schreibung der Zigeuner-Identität. Als Beitrag zu einer kriti­schen Prosopo­graphie der Forschung im neun­zehnten Jahr­hundert rund um die vor­ge­stellte ‚Rasse‘ der Zigeuner, unter­sucht diese Studie den wissen­schaft­lichen Blick, seine Kon­texte, Wahrheits­ansprüche, Wissen­schaft­lich­keits­stan­dards, Wirkung sowie Macht­ver­hält­nisse. Der erste Teil analy­siert die sozialen, insti­tu­tio­nellen und bio­graphischen Kontexte von Batail­lards For­schung. Der zweite Teil fokus­siert auf den Inhalt seiner Theorien und analysiert im­plizite Kon­zep­tionen von ‚Rasse‘ und Geschlecht, seinen Um­gang mit po­pulären Zigeuner-Dar­stellungen und seine eigene Hypo­these zur Her­kunft der Zigeuner. Der letzte Teil unter­sucht Bataillards wissen­schaftli­che Standards und wie exakt er sie selbst befolgte. Außer­dem werden seine Ab­sichten und Hinter­gründe, sich der Tsiga­nologie dauer­haft zu widmen, inter­pretiert. Read the rest of this entry »

Deutsches Fernsehen und der Fall „Rassismus“

Juli 27th, 2023  |  Published in Literatur & Bücher, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Das deutsche Fernsehen und der Fall "Rassismus"Katharina Peters: Das deutsche Fernsehen und der Fall „Rassismus“: Mediale In­sze­nie­run­gen von Sinti und Roma im Tatort und in po­li­ti­schen Talk­shows (=Edition DISS 46), Münster: Unrast Verlag 2021, 162 S.

Das vermeintliche Wissen, das über Sinti*ze und Rom*nija kursiert, ist geprägt von nega­tiven Stereo­typen bei kaum vor­han­denen Kontakt­erfah­run­gen mit An­gehöri­gen der Minderheit. Die dominie­renden Bilder werden durch die Medien ver­breitet und als Wahrheiten aus­ge­geben und rezipiert. Sie be­schränken sich außer­dem nicht auf Mit­glieder der Minderheit, son­dern werden ohne Wider­spruch auf Men­schen aus Bulgarien und Rumänien über­tragen. Neben der eman­zi­pato­ri­schen Arbeit einer zu­nehmen­den Zahl an Selbst­orga­nisa­tio­nen ist es ein Anliegen dieser Arbeit, die medialen In­szenie­rungen, deren Schau­plätze und Ak­teur*innen, sowie die dahinter­steckenden Wirk­mechanis­men und Struk­turen auf­zudecken.

Katharina Peters untersucht am Beispiel der medialen Inszenierung von ›Sinti und Roma‹ im deutschen Fern­sehen, wie Rassis­men adaptiert und verbreitet werden. Die mit dem Augsburger Wissen­schafts­preis für inter­kultu­relle Studien aus­ge­zeich­nete Analyse entlarvt die als Reali­täten aus­ge­ge­benen Bilder in ihrer Konstru­iert­heit und schafft so Raum für andere Wirk­lich­keits­ent­würfe, die ein viel­fälti­geres Bild zu­lassen und Stereo­type negieren. Der diskurs- und medien­wissen­schaft­liche Ansatz leistet einen Beitrag, Er­schei­nungs­formen des Rassismus in Zeiten eines weltweit er­star­kenden Nationalis­mus am Beispiel von Anti­ziganis­mus im deutschen Fernsehen detail­liert zu beschrei­ben. Read the rest of this entry »

Visuelle Reproduktion des Antiziganismus (2021)

Juli 15th, 2023  |  Published in Hochschulschriften, Kunst & Fotografie, Literatur & Bücher, Medien & Presse, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Rosa Tatzber (2021): Zur visuellen Reproduktion des Anti­zi­ga­nismus

Masterarbeit, Universität Wien (Fakultät für Sozial­wis­sen­schaften), 111 S.

→Zum Download der UB Wien (pdf)

Abstract: Antiziganismus ist ein sozial bedingtes Phänomen, welches seit Jahr­hun­derten zur Dis­kriminie­rung und Ver­folgung von Rom_nja und Sin­t_ize führt. Um Anti­ziganis­mus in seiner gesell­schaft­lichen Be­dingtheit zu ver­stehen, wird auf die Kriti­sche Theorie des Anti­ziganis­mus Bezug ge­nommen, die dessen Ursache nicht in den Betrof­fenen, son­dern in der pathi­schen Pro­jektion der Vor­urteils­haften sieht. Auf­bauend auf diese Thesen wird mit dem Konzept der anti­ziganis­ti­schen Sinn­struktur eine Ver­bindung zur wissens­soziolo­gischen Bild­herme­neutik her­gestellt, um der visuelle Re­pro­duktion von Anti­ziganis­mus in fixierten Bildern nach­zu­gehen. Vor­gestellt werden vier Bild­inter­preta­tio­nen, welche sich mit dem anti­ziganis­ti­schen Poten­zial auf den Ebenen der Bild­gestaltung, der ikono­grafischen Bild­tradition und des Kon­textes (Facebook, VOL.at, Oe24.at, RTL.de, 9Gag.com) befassen. Wesent­lich ist der Aus­gangs­punkt, dass Bilder ikonisch Sinn er­zeugen und dieser nicht voll­ständig in Sprache über­setzbar ist. Daher wurde die Methode der Figurati­ven Hermeneutik nach Michael R. Müller ge­wählt. Deut­lich wird, dass bereits die Choreo­grafie der Bilder Anti­ziganis­mus visuell re­produ­zieren kann und sich diese in die Tradition der Fremd­dar­stellun­gen ein­ordnen lassen. Daher ist eine Sen­sibilisierung für visu­elle Stereotype und das Auf­zeigen von Gegenbildern not­wendig.

Schlagwörter: Antiziganismus / Kritische Theorie / visuelle Soziologie / visuelle Stereotype
Hochschulschrift (Masterarbeit); Betreuerin: Roswitha Breckner

u:theses ist das Hochschulschriften-Repositorium der Universität Wien.

UB Wien: utheses.univie.ac.at/detail/61060

Diskriminierung und Rassismus in Schulbüchern

Juli 11th, 2023  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte, Wissenschaft

Meral El: Meral El (2023) Diskriminierungskritische Analyse von Schulbüchern im Land Bremen, Juni 2023

[→Download]

Wessen Geschichte wird wie erzählt? Für die Landes­zentrale für politi­sche Bildung Bremen hat die Kultur­wissen­schaft­le­rin Meral El ver­gan­genes Jahr eine exemp­la­rische Be­gut­achtung von Schul­büchern im Land Bremen durchgeführt. In der 40-sei­tigen Studie unter­sucht Meral El entlang einer dis­kri­minie­rungs- und rassis­mus­kriti­schen Analyse Schulbücher für den Bereich Gesell­schaft und Politik, die im Land Bremen für die Klassen 9 und 10 an Ober­schulen und Gymnasien zu­ge­lassen sind. Mit Verweis auf zahl­reiche Text- und Bild­beispiele zeigt die Studie exempla­risch auf, in welcher Art und Weise rassistische, anti­semitische und dis­kriminie­rende Diffe­renz­konstruk­tionen und Be­deutungs­zusammen­hänge fort­ge­schrieben werden. Die Autorin formuliert Fragen und Empfeh­lungen, wie alle Beteiligten, die mit Bildungs­medien arbeiten oder an Er­stellung und Auswahl be­teiligt sind, dis­kriminie­rungs­rele­vante Wissens­bestände und Bezüge besser ver­stehen, irritieren und vermeiden können. Im Rahmen des Pro­jektes wurden Gespräche mit Ex­pertinnen und Experten aus Schule, Verwaltung, Wis­senschaft und Zivil­gesell­schaft in Bremen und Bremerhaven ge­führt, sowie im Mai 2023 ein Fach­gespräch im Deutschen Aus­wanderer­haus, welches als dialo­gische Dokumen­tation Teil der Publi­kation ist. Aus dem Bericht:

Die vorliegende Analyse zeigt, dass sich in fast allen untersuch­ten Schulbüchern implizit oder explizit anti­semitische, rassis­tische, sinti- und roma­feindliche, frauen- und queer­feind­liche Inhalte und Abbil­dun­gen finden. Ansätze dafür, Gesell­schaft und gesell­schaft­liche Diskurse diskri­minie­rungs­sensibel sowohl in Geschichte als auch in Gegen­wart dar­zu­stellen, bleiben punktuell. […] Allgemein ist festzuhalten, dass sehr wenig auf Sinti:zze und Rom:nja in den unter­suchten Schul­büchern ein­ge­gangen wird. Das Auslassen ist eine Vehe­menz der rassisti­schen Dis­krimi­nierung, die extreme Aus­wirkung [...] hat. […] Gruppen, die diskriminiert werden, finden sich in Zuschreibun­gen und Positio­nierun­gen in der sprach­losen Opfer- und Ob­jekt-Rol­le. […] Die Fort­schreibung der hierarchi­schen Positio­nie­rung als sprach­lose Opfer, als Unter­legene, als Er­mordete oder als Über­lebende, denen nach­träglich die Würde durch den kon­tinuier­li­chen Außen­blick ge­nommen wird, zieht sich durch alle ge­prüften Schul­bücher hindurch. Die „mehr­perspek­ti­vi­sche Dar­stellung“ […] wird hier verfehlt. So wird ein homo­genes fremd­gemachtes, distan­ziertes Bild über Jüdin­nen:Ju­den, Schwarze, Sinti:zze und Rom:nja und People of Color re­pro­duziert. Read the rest of this entry »