Antiziganismus: Empörung über CDU-Politiker

November 16th, 2025  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Antiziganismus stoppen (Foto: Sarah Eick, Amaroforo.de)Deutschland: Amaro Foro e.V. und MIA-Bund ver­urtei­len anti­ziga­nis­ti­sche Äu­ßerungen von CDU-Ab­ge­ord­netem und Berliner Anti­semi­tis­mus-Be­auf­trag­tem Ti­mur Husein

Amaro Foro e.V. und die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA zeigen sich zutiefst empört über die jüngsten Äuße­run­gen des Berliner CDU-Ab­geord­neten und Anti­semitis­mus­beauf­trag­ten der Berliner CDU-Fraktion, Dr. Timur Husein, in sozialen Medien. In einem öffent­lichen Beitrag auf Instagram und X bezog sich Husein auf die Kandi­datur Elif Eralps für die Berliner Bürger­meis­ter*in­nen­wahl 2026 und sprach in diesem Zu­sammen­hang von „illegalen Sinti & Roma (Zigeuner) aus dem Ausland“. Diese Formu­lierung ist in mehr­facher Hinsicht in­akzep­tabel: Sie stellt einen un­zu­lässi­gen Zu­sammen­hang zwischen der Minder­heit der Sinti und Roma und ver­meintlich „il­legaler Ein­wande­rung“ her und re­pro­duziert damit jahr­hun­derte­alte anti­ziganis­tische Stereotype.

Darüber hinaus ist die Verwendung des Wortes eine rassistische und tief ver­letzende Fremd­bezeich­nung. Unter dieser Bezeich­nung wurden Sinti und Roma wäh­rend der natio­nal­sozialis­ti­schen Ver­folgung stigma­tisiert, verfolgt und ermordet. Ihnen wurde in den Kon­zentra­tions­lagern der Buch­stabe „Z“ in die Haut tätowiert – als Zeichen der Ent­mensch­li­chung und Ver­nich­tung. Durch das NS-Regime wurden 500.000 Sinti und Roma ermordet. Die Ver­wen­dung dieses Begriffs ist daher re­trauma­ti­sie­rend und ab­wertend. Dass ein deutscher Ab­geord­neter diesen Begriff heute öffent­lich nutzt, stellt eine un­erträg­liche Ver­höh­nung der Opfer des natio­nal­sozialis­tischen Völkermords dar.

Im Übrigen weisen Amaro Foro e.V. und MIA darauf hin, dass Eralp in den Aus­sagen, auf die sich Husein bezieht, explizit die histo­rische Ver­antwor­tung Deutschlands gegen­über Sinti und Roma als Opfer des NS-Genozids betont hat und sich daher für ein Bleiberecht für An­gehö­rige dieser Minderheit einsetzt. Genau diese For­derung wurde auch von der Un­abhän­gigen Kom­mission Anti­ziganis­mus in ihren Em­pfehlun­gen aus­ge­sprochen. Ein ver­ant­wortungs­voller demo­krati­scher Politiker sollte sich mit diesen Forderun­gen ernst­haft aus­einan­der­setzen, anstatt sie für populis­tische Polemik zu instru­men­tali­sieren.

Gerade als Antisemitismusbeauftragter sollte Herr Husein die Bedeutung einer inklusiven und ver­antwor­tungs­vollen Erinnerungs­kultur kennen und achten. Seine Äußerun­gen stehen im klaren Wider­spruch zu dieser Ver­antwor­tung und gefährden das Vertrauen in politische Ämter, die dem Schutz vor Dis­krimi­nierung dienen sollen. Amaro Foro e.V. und MIA-Bund beto­nen: Wer Anti­semitis­mus bekämpfen will, muss auch Anti­ziganis­mus klar be­nennen und verurteilen. Beides sind Er­schei­nungs­formen der­selben Ideologie der Un­gleich­wertigkeit.

Zudem weisen beide Organisationen darauf hin, dass viele Angehö­rige der Minder­heit deutsche Staats­bür­ger*in­nen sind, als EU-Bür­ger*innen ihr Recht auf Frei­zügigkeit wahr­nehmen oder als Geflüch­tete in Deutschland Schutz suchen. Die Behaup­tung, es handele sich um „illegale Migrant*in­nen“, ist daher nicht nur falsch, sondern dif­fa­mie­rend.

Als gewählter Abgeordneter im Berliner Abgeordnetenhaus und Mitglied der En­quete­kom­mission „Für gesell­schaft­lichen Zusammen­halt, gegen Anti­semitismus, Rassismus, Muslim­feindlichkeit und jede Form von Dis­kriminie­rung“ trägt Herr Husein eine be­son­dere Ver­antwor­tung für den gesell­schaft­lichen Frieden und den respekt­vollen Umgang mit Min­derheiten. Seine Aussagen stehen im klaren Wider­spruch zu diesen Aufgaben.

Amaro Foro e.V. und MIA-Bund fordern daher:

  • eine öffentliche Entschuldigung von Dr. Timur Husein,
  • eine klare Distanzierung der CDU Berlin und der Bundes­partei von seinen Äuße­run­gen
  • sowie eine Prüfung der politischen und dienstli­chen Konse­quenzen.

„Antiziganismus darf in keiner politischen Partei, keinem Wahlkampf und keiner öffent­lichen Debatte Platz finden“, erklä­ren Amaro Foro e.V. und MIA-Bund. „Ver­ant­wortung zu übern­ehmen bedeutet, dis­krimi­nie­rende Sprache und Haltung klar zurück­zu­weisen – gerade von Personen, die für den Schutz vor Hass und Aus­grenzung zu­ständig sind. Worte schaffen Reali­täten – und Sprache, die Minder­heiten abwertet, ebnet den Weg für Aus­grenzung und Gewalt.“

(Text: Pesseaussendung MIA. 13.11.2025)

Siehe auch:
CDUler hetzt im NetzKritik an der Linken mit Z-Wort (taz, 12.11.2025)
„NS-Vokabular“ und „eine Schande für das Ab­ge­ord­ne­ten­haus“ (Ber­liner Zei­tung, 12.11.2025)

Berliner Landesrat der Sinti und Roma verurteilt Wortwahl von CDU-Ab­ge­ord­ne­tem (Ta­ges­spie­gel, 12.11.2015)

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