Rumänien: Roma-Politiker wird Arbeitsminister
Juni 29th, 2025 | Published in Politik
Erstmals in der Geschichte Rumäniens übernimmt ein Politiker aus der Roma-Minderheit ein Ministeramt: Petre-Florin Manole, 41, Menschenrechtsaktivist und Abgeordneter der Sozialdemokraten (PSD), wurde zum Minister für Arbeit und soziale Solidarität ernannt.
Damit übernimmt Manole, der zuletzt auch als PSD-Sprecher fungierte, eines der Schlüsselressorts im neuen Kabinett von Premierminister Ilie Bolojan. Sein politischer Werdegang ist eng mit seinem Engagement für die Roma-Minderheit verbunden. Manole war an diversen Gesetzesinitiativen beteiligt, die auf die Verbesserung der Lebensbedingungen und die Bekämpfung der Diskriminierung der Roma abzielten.
Historiker, Roma-Aktivist, Politiker
Petre-Florin Manole, 1983 geboren im südostrumänischen Slobozia, studierte Geschichte an der Universität Bukarest und absolvierte anschließend ein US-Programm zu Außenpolitik und Menschenrechten. 2012 trat er in die Politik ein – zunächst als Gemeinderat in Bukarest, später als Berater im Arbeitsministerium. 2016 wurde Manole schließlich Abgeordneter der Sozialdemokraten (PSD) im Parlament; inzwischen befindet er sich bereits in seiner dritten Legislaturperiode. Von 2022 bis 2023 war er zudem Staatssekretär im Büro des stellvertretenden Premierministers.
Schon vor seiner politischen Laufbahn engagierte sich Manole in der Zivilgesellschaft. Er arbeitete in Roma-Organisationen (Centrul Romilor pentru Politici Publice – Aven Amentza und Agenția Împreună), war im Vorstand des Nationalen Antidiskriminierungsrats (CNCD) und kurzzeitig Berater der Weltbank. Zudem war er für den Roma Education Fund România und als Referent am Elie-Wiesel-Institut für die Erforschung des Holocausts in Rumänien tätig.
„Historische Bedeutung“
Roma-Vertreter begrüßen die erstmalige Ernennung eines Roma-Politikers und sprechen von einer Schritt von historischer Tragweite. So etwa Mensur Haliti, Vizepräsident der Roma Foundation for Europe: „Dies ist nicht nur eine persönliche Leistung. Es ist ein Bruch mit dem System. Zum ersten Mal übernimmt ein Rom ein zentrales Ressort in der rumänischen Regierung. Nicht als Alibi. Nicht als ein Symbol. Sondern als politischer Entscheidungsträger mit voller institutioneller Verantwortung für die Zukunft der Arbeit, der sozialen Sicherheit und der demografischen Erneuerung in diesem Land. […] Was den Roma bisher fehlte, war Anerkennung. Diese Ernennung markiert einen Wandel – von der Ausgrenzung hin zur strategischen Relevanz.“
„Es ist eine politische Ernennung, ja, aber eine, die eine enorme symbolische und historische Bedeutung hat. Es ist eine mutige politische Geste in einem Land, in dem Mut, vor allem wenn es um die Roma geht, negative Auswirkungen auf Wahlen hat“, schreibt auch der Roma-Vertreter und ehemalige Staatssekretär Ciprian Necula auf HotNews.ro. „Manole ist ein Mann, der in der Roma-Zivilgesellschaft ausgebildet wurde, ein Historiker, der sich mit der Wahrheit befasst, ein Aktivist, der seit zwei Jahrzehnten in der Minderheitenpolitik aktiv ist. Er ist Abgeordneter, er war Regierungsberater, er war Gemeinderat, aber – was noch wichtiger ist – er war eine ständige und deutliche Stimme für Fairness. Und ja, er ist Rom und hat sich nie versteckt. Im Gegenteil, er war eine der wenigen Personen des öffentlichen Lebens, die diese Identität als Fahne getragen haben und nicht als Last, die im öffentlichen Raum ,verhandelt‘ werden musste. […] Die Ernennung von Manole ist nicht nur eine Anerkennung des Wertes eines Mannes, sondern auch eine Bestätigung der Roma-Zivilgesellschaft. [… ] Und ja, diese Ernennung hat auch eine psychologische Wirkung. Die Roma-Gemeinschaften – oft voller Versprechen, arm an Hoffnung und reich an Demütigungen – haben eine Hoffnung, eine implizite Anerkennung erhalten.“
Überschattete Wahlen
Der Regierungsbildung waren langwierige Verhandlungen vorausgegangen. Eine Einigung der pro-europäischen Parteien ermöglicht nun, rund sieben Monate nach den Wahlen am 1. Dezember, die Angelobung des Kabinetts. Der neuen Koalition gehören neben der stärksten Partei, den Sozialdemokraten (PSD), drei kleinere Parteien an: die liberale Antikorruptionspartei Union Rettet Rumänien (USR), die Allianz der Ungarn (UDMR) und die Nationalliberalen (PNL).
Die Wahl zur Abgeordnetenkammer fand unter dem Eindruck der vorausgegangenen ersten Runde der Präsidentschaftwahlen statt, die der pro-russische Kandidat für sich entscheiden konnte. Die Wahl wurde wegen Wahlkampfmanipulationen annulliert und musste wiederholt werden. Beim entscheidenden Wahlgang Mitte Mai stand das politische Schicksal des Landes auf Messers Schneide. Der Vormarsch der extremen Rechten konnte jedoch mit dem Wahlsieg des demokratischen Kandidaten Nicușor Dan gestoppt werden – nicht zuletzt dank einer beispiellosen Mobilisierung von Roma-Wählerinnen und -Wählern (wir berichteten).
(Text: RU/dROMa)