Wien: Ehrung für Jazzgröße Karl Ratzer

August 15th, 2022  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Musik

Jazzgitarrist Karl Ratzer wurde mit dem Gol­de­nen Ver­dienst­zei­chen ge­ehrt. Kul­tur­stadt­rätin Vero­ni­ca Kaup-Has­ler nahm die Ehrung im Rah­men eines Kon­zerts des „Karl Ratzer Quar­tet“ vor

Der österreichische Jazzgitarrist Karl Ratzer erhielt Anfang Juli im Wiener Jazz­club Porgy & Bess das „Goldene Verdienst­zeichen des Landes Wien“. Kultur­stadträtin Veronica Kaup-Hasler nahm die Ver­leihung im Rahmen des Kon­zerts des „Karl Ratzer Quartet“ auf der Bühne vor. Die Ehrung war bereits im Mai 2020 be­schlos­sen worden, konnte aber auf­grund der Corona­pan­demie erst jetzt ver­liehen werden.

Zahlreiche Freunde und Fans der Jazzgitarrenlegende Ratzer waren ge­kommen, um live dabei zu sein, als der Musiker, der diese Woche seinen 72. Geburts­tag feierte, geehrt wurde. Kultur­stadt­rätin Veroni­ca Kaup-Has­ler betonte auf der Bühne des Jazz­clubs die Bedeu­tung des Wirkens von Karl Ratzer: „Uns hat die Musik gerettet in allen Lebens­phasen. In diesem musikali­schen Kosmos haben Sie sich bereits als Fixstern ein­ge­schrie­ben und leuchten noch lange – das ist ein Auftrag!“ Und ab­schlie­ßend hielt sie fest: „Ich frage mich, wer hier wen ehrt – die Stadt ehrt Sie, aber Sie ehren die Stadt mit ihrem Tun.“

Die Laudatio auf Karl Ratzer hielt Christoph Huber, künstleri­scher Leiter des Porgy & Bess: „Ein authen­ti­scher Mensch, der das, was er ist, nicht spielt, egal ob auf oder ab­seits der Bühne. Ein Mensch, dessen Sprache die Musik ist, für den Musik ein Lebens­mittel ist oder wie die Luft zum Atmen, der ohne Musik nicht lebens­fähig wäre. (…) Die Kultur­nation Österreich und die Stadt Wien können sich glück­lich schätzen, so ein musikali­sches Genie zu be­heimaten.“

Biografie Karl Ratzer

Am 4. Juli 1950 in prekären Verhältnissen als Kind zweier KZ-Überlebender in Wien ge­boren, er­lernte der junge Rom auto­didaktisch das Gitarre­spiel. Ab seinem 13. Lebens­jahr stand er auf der Bühne – wichtige Lehrjahre, in denen Ratzer zu einem der be­kann­testen Rock­gitarristen im deutsch­spra­chigen Raum aufstieg.

1972 bis 1980 lebte Ratzer in den USA, wo er mit etlichen be­deu­ten­den Jazz­musikern wie Johnny Griffin, Jeremy Steig, Bob Mintzer, Joe Chambers, Dan Wall, Eddie Gomez oder Gary Anderson und Sal Nistico zu­sam­men­arbei­tete. Die wichtigsten Stationen waren New York, Chicago und Atlanta. Der Trom­peter Chet Baker brach­te Ratzer schließ­lich 1979 erstmals wieder im Rah­men einer Tournee nach Europa. Zurück in Wien folgten ab den frühen 1980er Jahren etliche weitere Kolla­bora­ionen mit hoch­ran­gigen Jazzern wie Fritz Pauer, Hans Koller, Art Farmer, Lee Konitz, Bob Berg, Clark Terry oder Chaka Khan. Auch mit seinem Cousin, dem Wie­ner World- und Jazz­musi­ker Harri Stojka, trat Ratzer wieder­holt auf.

Als Besitzer und musikalischer Direktor des Wiener Jazzclubs „Camarillo“ (1988/1989) lud er immer wieder inter­natio­nal be­kannte Stars ein, die zusammen mit öster­reichi­schen Musikern auf­traten. Von 1999 bis 2003 war Ratzer Gast­professor für Jazz-Gitarre an der Hoch­schule für Musik und dar­stel­lende Kunst in Graz. 2004 wech­selte er an das Vienna Music Institute und an das Vienna Konservatorium, wo er nach wie vor als Dozent be­schäftigt ist.

Seit 2010 tritt Karl Ratzer vor allem mit den Musikern Ed Neumeister (Po­sau­ne), Johannes Enders (Tenor­saxo­phon), Peter Herbert (Bass) und Howard Curtis (Schlag­zeug) in ver­schie­de­nen Formationen in Er­scheinung.

Am 26. Jänner 2022 wurde Karl Ratzer der Berufstitel „Professor“ ver­lie­hen.

(Text: Stadt Wien, OTS)

Siehe auch:
Wir sind Wien.Festival: Karl Ratzer
, 18.6.2019
Ö1 Radiokolleg: Karl Ratzer
, 14.2.2018
RomaRespekt #9: Musik & Widerständigkeit
, 21.7.2017
Goldenes Ehrenzeichen für Harri Stojka
, 31.10.2013

Lesen Sie dazu insbesondere auch folgenden Beitrag des Wiener Musik­wissen­schaft­lers Harald Huber in un­se­rem Ma­ga­zin dROMa:
Sinti-Jazz & Roma-Rock? Wie Roma österreichische Musikgeschichte schrieben(Nr.47, 2016)

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