Fundstücke (4): Der Blick des Beobachters

März 18th, 2009  |  Published in Fundstücke, Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

Angerer, Zigeuner (1855)Die fotografische Erfindung der „Zigeuner“

„(…) Es ist also der Blick des Beobachters, der scheinbar ohne große Mühe die angebliche Eigenheiten und Attribute der ‚Zigeuner‘ zu einem identifizierenden Bild zusammensetzt. Es sollte uns daher nicht verwundern, wenn die Fotografie eine zentrale Rolle in der Fixierung dieses typologisierenden Blicks einnimmt. Sie hält jene visuellen Konstanten fest, die die Beobachter als typisch für das Zigeunertum ausmachten. Und sie fügt hinzu, was die kollektive Projektion sehen wollte. Als die fotografischen Postkarten um die Jahrhundertwende koloriert wurden, wurden die Zigeuner in ein buntes Licht getaucht: Sie erhielten bunte Zelte, rote Röcke oder Jacken, braune Hautfarben. (…)“ (Anton Holzer)

Der Historiker Anton Holzer beschäftigt sich in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Fotogeschichte“ mit „Zigeuner“-Fotografien, wie sie seit Mitte des 19. Jh. an den östlichen und südöstlichen Rändern Europas entstanden sind: „Diese Bilder, die für ein weit entfernt lebendes bürgerliches Publikum entworfen wurden, waren ethnologische Beutestücke. Sie zeichnen ein Image zwischen Faszination und Abscheu, ein Bild, das sich als haltbar erweisen hat – bis heute.“

Anton Holzer: Faszination und Abscheu. Die fotografische Erfindung der „Zigeuner“, in: Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie, Heft 110, 2008, Jg. 28, S. 45-56.

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Romathemen „Spectrum“: Das Roma-Museum in Brünn :: says:

    Juni 4th, 2009 at 16:08 (#)

    [...] Fotohistoriker und Publizist Anton Holzer (siehe dROMa-Blog) ist für die Feuilletonbeilage Spectrum der österreichsichen Tageszeitung „Die Presse“ nach [...]