Roma-Kreativcamp in Szombathely

August 25th, 2020  |  Published in Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV, Veranstaltungen & Ausstellungen

Radio Roma samRoma sam
Radio Burgenland:
17.8.2020 | (on demand)

Roma-Kreativcamp in Szombathely ging mit einer Aus­stel­lung zu Ende

Jozsef FerkovicsVon 7. bis 14. August 2020 fand das alljährliche Roma­camp der malen­den und zeich­nen­den Roma-Künst­ler am An­we­sen des Kultur­hauses Herenyi in Szombathely statt. Seit sechs Jah­ren gibt es schon die Ver­anstal­tung, bei der Roma und Nicht­roma die Mög­lich­keit zur Begeg­nung haben. Das Camp ist öffent­lich zu­gäng­lich und kann somit von jedem be­sucht werden. Die eher länd­liche und vor­städti­sche Um­gebung bietet einen per­fekten Ort, um die Krea­tivität sichtbar zu machen. Die elf teil­neh­men­den Roma-Künstler aus ganz Ungarn haben so­mit die besten Ge­ge­ben­hei­ten, um ihr Talent aufs Papier zu brin­gen.

Finanziert wird das Roma Camp vom Verein Harofit und von der regio­na­len Roma-Ver­wal­tung von Szom­bathely.

In den letzten Jahren gab es auch Teilnehmer aus Slowenien und der unga­ri­schen Mehr­heits­bevöl­kerung. Auf­grund der aktuel­len Corona-Pan­demie und der damit ver­bun­denen Auf­lagen in Ungarn kamen dieses Jahr aus­schließ­lich Künstler aus der Volks­gruppe der Roma. Die The­ma­tik der dies­jäh­rigen Ge­mälde wurde an­gelehnt an Werke zeit­genös­si­scher Dichter, die aus der Region Vas kommen.

Der Organisator und Leiter des Camps ist der Roma-Künstler József Ferkovics. Er küm­mert sich um sehr viele orga­ni­sa­to­ri­sche Dinge bei dem Ro­ma-Lager. Er ist auch die trei­bende Kraft, um solche Ver­anstal­tungen um­zu­setzen. Der 59-jäh­rige ge­bürtige Ungar mit Roma-Wur­zeln kam nach der Schei­dung seiner Eltern in staat­liche Obhut. Schon früh er­kannte er sein Talent zum Zeichnen und Malen. In seiner Kind­heit nahm er an ver­schie­denen Mal­wett­bewer­ben teil, die er meist ge­winnen konnte. Mit 18 Jahren lernte er seine leib­lichen Eltern kennen und kam so, das erste Mal, mit der Kultur der Roma in Kon­takt. 1982 zog der da­mals 21-jäh­rige József nach Budapest, um dort an der Hoch­schule für bil­dende und an­ge­wandte Kunst zu stu­dieren. Zu seinen Stärken in der Malerei ge­hören sakrale, sym­bolische Akt- und Porträt­bilder. Sein be­rühm­testes Werk ist „Holocaust von 1944“. Die Werke des Künst­lers waren unter ande­rem auch schon in Berlin, Peking oder Washing­ton zu be­sich­tigen.

Das Camp wird jedes Jahr am Ende der Woche mit einer Ausstellung im He­renyi-Kul­tur­haus ab­geschlos­sen. So w­ie auch in den ver­gan­genen Jahren trafen sich Roma und Nicht­roma und bewun­derten die Werke der Künstler. Er­öffnet wurde der Abend vom Ab­geord­neten der Partei des ungari­schen Bürger­bundes im Wahl­kreis Szom­bathe­ly Gabor Horvath und vom Vize­bürger­meister der Stadt Szom­bathely Soma Horvath. Es war ein gelun­gener Abend mit Speis und Trank. Musika­lisch unter­malt wurde die Er­öffnung vom Damen­chor aus Szom­bathely, der gemein­sam mit dem Roma-Geiger László Kánya auf­trat. Weiters per­form­te Tibor Balog, der gefühl­volle Sänger mit Roma­wurzeln.

Am Rande der Veranstaltung hatte unser Redakteur Adi Gussak noch die Möglich­keit mit dem Roma-Or­gani­sa­tor József Ferkovics zu spre­chen. In nächs­ter Zeit sind einige sol­cher Roma-Krea­tiv­camps in Ungarn geplant, sagte er. Weiters er­wähnte er die Wich­tig­keit der Zu­sam­men­führung von Roma und Nicht­roma und wie wichtig es ist, mit sol­chen Pro­jekten die Kultur der Roma auf­recht­zu­erhalten. Auf­grund der Corona-Pan­demie und der begrenz­ten finan­ziel­len Mög­lich­keiten der Roma-Com­mu­nity sei es aber nicht immer ein­fach, solche Ver­anstal­tun­gen ins Leben zu rufen.

Für die Volksgruppenangehörigen in Ungarn hat sich seit der Aus­brei­tung von Covid 19 vor allem die Situa­tion am Arbeits­markt ver­schlech­tert. József sagt: „Vor der Pan­demie be­kamen Roma schwer einen Job. Jetzt ist es fast un­möglich, einen Job für Roma in Ungarn zu be­kommen.“ Er ist immer zu 100 Pro­zent bei der Sache dabei und küm­merte sich per­sönlich um die Teil­nehmer in diesen sieben Tagen. Er hat auch täglich für die Teil­nehmer ge­kocht, erzählte er. Seine Frau und sein 21-jäh­riger Sohn waren mit dabei. Seine Vision ist es, ähn­liche Roma-Kre­ativ­camps in ganz Ungarn zu ver­anstal­ten und auch grenz­über­grei­fend mit den Roma-Or­gani­satio­nen aus Österreich und aus den be­nach­barten Ländern zu­sam­men­zu­arbeiten, um so die Gemein­sam­keit der Roma in Europa zu stärken.

(Text: Adolf Gussak, volksgruppen.orf.at)

Comments are closed.