Roma-Aktivist Ludwig Horvath verstorben

Juni 18th, 2020  |  Published in Ehrungen & Nachrufe

Ludwig Horvath 2020

Der bekannte Roma-Aktivist Ludwig „Burli“ Horvath ist ver­stor­ben.
Jahr­zehn­te­lang setz­te er sich für die Rechte und für eine bes­se­re Zu­kunft der Volks­grup­pe der Roma ein.

Wir haben einen lieben Freund und wichtigen Mitstrei­ter ver­loren!

Ludwig Horvath wurde am 23. März 1955 als eines von sieben Kindern des Ehe­paars Horvath in Oberwart ge­boren. Auf­ge­wach­sen ist er in der so genannten zweiten Oberwarter Roma-Siedlung, die An­fang der 1970er-Jahre dann dem Schwer­punkt­kran­ken­haus wei­chen musste und auf dem Areal der ehe­ma­ligen Müll­deponie neu er­rich­tet wurde.

1975 lernte Ludwig Horvath seine spätere Frau kennen und beide be­schlos­sen, nach Ungarn zur Fa­milie seiner Frau zu ziehen. Er wurde so zu einem der we­nigen öster­rei­chi­schen Gast­arbeiter im kom­munis­ti­schen Ostblock. Trotz ver­meint­licher Schwie­rig­keiten stellte sich die neue Heimat als Glücks­griff für das junge Paar heraus. Ludwig Horvath er­lernte die Sprache und schloss eine Berufs­aus­bil­dung als Forstarbeiter ab. An­fang der 80er-Jahre kehr­te Ludwig Horvath mit seiner Fa­milie wieder nach Österreich zu­rück und nahm eine Tätig­keit im Straßen­bau auf und pen­delte fortan, so wie viele an­dere Burgen­länder, nach Wien. Nach seiner Pen­sio­nie­rung war Ludwig Horvath stets für die Rechte und für eine bes­se­re Zukunft der Volksgruppe der Roma in den ver­schie­de­nen Roma-Or­gani­satio­nen tätig.

Die Sprache der Roma, das Burgenland-Romani, war für ihn ein zentraler Bau­stein der ethni­schen Iden­tität. Sein sehn­lichs­ter Wunsch für die Zu­kunft war, dass Roma und Nicht-Roma „fried­lich zusammen­leben“.

Erst im Februar diesen Jah­res war Horvath zu Gast in der ORF-Sendung „Burgenland Heute“. Im Studio­ge­spräch hat Horvath dabei unter ande­rem über seine Iden­tität als Rom ge­sprochen: „Früher, als ich in Wien berufs­tätig war, habe ich immer ver­heim­licht, dass ich ein Rom bin“, er­zählte Horvath. Das Atten­tat in Oberwart sei dann ein Wende­punkt für ihn ge­wesen, er habe damals ent­schlos­sen, niemals seine Identität zu leug­nen. Angst ver­spüre er keine, man müsse aber stets auf­merk­sam sein. „Wenn man die Politik her­nimmt und auch im Ausland hört, dass die Rechten im­mer stärker werden, dann muss die Politik wach­sam sein.“

Ludwig „Burli“ Horvath wurde 65 Jahre alt.

Eine Ausgabe unserer Zeitzeugen-Edition Mri Historija ist Ludwig Horvath ge­wid­met; mehr hier (pdf) und hier (Video).

(dROMa/orf.at)

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