Neuer Studiengang Romanes in Prešov

Oktober 12th, 2019  |  Published in Einrichtungen, Jugend & Bildung, Romani, Wissenschaft

Neuer Romani-Studienlehrgang in der Slowakei: Universität Prešov (Foto: UNIPO)Roma-Sprache und Roma-Literatur: Diesen Studien­gang hat die Universität im ost­slowa­ki­schen Prešov in diesem akade­mi­schen Jahr er­öffnet. Laut der Uni­ver­sitäts­spre­che­rin Anna Polačková sei es das Ziel, hoch­qua­lifi­zierte Lehrer vor­zu­bereiten und die Be­dürf­nisse des Bildungs­pro­zes­ses der natio­na­len Min­derheit zu decken. Vorerst mach­ten sich neun Stu­denten auf diesen Weg. Alexander Mušinka, Anthro­po­loge am Ins­titut für Roma-Stu­dien der Uni­­ver­si­tät, er­klärte, dass Romanes (auch Romani ge­nannt) als Sprache wie auch die Roma-Literatur als pä­da­go­gi­scher Lehrgang bis dahin nirgend­wo unter­richtet wurde. Am nächs­ten war die Mög­lich­keit, es als sprach­wissen­schaft­li­ches Fach an der Prager Karls-Uni­versität zu stu­dieren. Des­halb sei auch die Zahl der Experten auf diesem Gebiet be­grenzt. Ein Teil der Päda­gogen des neuen Lehr­gangs in Prešov sei be­reits hoch­qualifi­ziert. Das Team werde nach und nach ge­bildet, sagt Alexander Mušinka: „Einer un­serer weite­ren Pläne ist es, die Kom­bina­tion Sprache und Literatur auf die Pri­mar­stufen­päda­gogik aus­zu­dehnen. Darüber hinaus soll ein Er­weiterungs­studium für die Ab­sol­ven­ten-Pä­da­gogen ein­ge­richtet werden, die schon lehren. Sie könn­ten sich in der Roma-Sprache und der Roma-Literatur wei­ter­qua­li­fi­zie­ren.”

Die Absolventen des neuen Studienprogramms werden sowohl Romanes als auch Roma-Li­tera­tur lehren kön­nen. Der Rektor der Uni­ver­sität Prešov, Peter Kónya, be­merkte, dass die Sprache der Roma in der Slowakei noch keine Pflicht­sprache ist, je­doch an einigen Grund­schulen unter­richtet wer­den kann. Die Nach­frage hierfür sei da, meint der Rektor. Der Anthro­po­loge vom Insti­tut für Roma-Stu­dien, Alexan­der Mušinka, er­gänzt: „Wir kom­muni­zieren mit vielen Schul­leitern und Schul­trägern, die In­teresse an sol­chen Studenten zei­gen. Sie sind sich dessen be­wusst: Wenn sie Schüler mit Romanes als Mutter­sprache haben, sind die Sprach­kennt­nis­se ein gro­ßer Vorteil.”

Das Studium nahm unter anderen auch Natália Ferencová auf, sie ar­beitet in einem metho­dolo­gisch-pä­dagogi­schen Zentrum: „Ich möch­te meine Kennt­nisse ver­tiefen, vor al­lem über die ko­di­fizier­te Roma-Gram­matik. Zu­gleich würde ich gern neue Infor­ma­tionen aus der Geschichte ge­winnen. Dadurch möchte ich mich außer­dem auf dem Arbeits­markt bes­ser durch­setzen.”

Staatssekretär Peter Krajňák vom Bildungsministe­rium be­grüßt den Studien­gang. Er hält es für wichtig, dass die Pädago­gen 30 Jahre nach der Samte­nen Revo­lu­tion auf die Be­dürf­nisse der Regional­schulen vor­berei­tet würden. Die Kennt­nisse der Standard­sprache der Roma könnte man laut ihm nicht nur direkt im Lehr­fach zur Geltung brin­gen, son­dern auch im Unterricht und im wei­teren Kon­takt der Schulen mit den Fami­lien der Roma-Kinder.

(Text: RTVS.sk)

Comments are closed.