Offene Fragen nach Brandserie in Plauen
September 13th, 2018 | Published in Rassismus & Menschenrechte
In Sachsen brannten hintereinander zwei Häuser: Ende Dezember 2017 in der Trockentalstraße (über 40 Menschen wurden evakuiert, rund 20 von ihnen verletzt, vier davon schwer) und am 5. Februar 2018 in der Dürerstraße (zwei deutsche Nichtroma kamen im Dachgeschoss ums Leben, vier weitere Bewohner, darunter Roma, wurden verletzt). Beide Häuser liegen in der 65.000-Einwohner-Stadt Plauen und haben denselben Eigentümer. In beiden Fällen handelte es sich um Brandstiftung. Und in beiden Häusern wohnten Roma aus Osteuropa – manche von ihnen waren eben erst nach dem Brand in der Trockentalstraße in der Dürerstraße untergekommen. Alles nur Zufall, meint die Staatsanwaltschaft. ,Wirklich?‘, fragt nun ein Artikel der „taz“, der die Brandserie Revue passieren lässt:
Um die Vorgänge aufzuklären, hat die taz mit Brandopfern, Anwälten, Anwohnern, Flüchtlingshelfern, dem Vermieter, Ersthelfern, Sozialarbeitern, einer Lehrerin, der Staatsanwaltschaft, einem Richter und der Polizei gesprochen. Die Recherchen zeigen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen beiden Bränden. Er wird aber vor dem Landgericht Zwickau keine Bedeutung haben. Und da die Ermittlungen zum ersten Brand inzwischen eingestellt sind, vermutlich auch nie aufgeklärt werden.
Die „taz“ berichtet von drei weiteren Bränden: So hatte es bereits Ende 2015, im April 2017 sowie im Juni 2017 in Plauen in Häusern, in denen Roma leben, gebrannt, zumindest zum Teil handelte es sich nachweislich um Brandstiftung.
Die Anwältin Claudia Neher vertritt einige der Opfer (…). Sie findet es absurd, dass die Staatsanwaltschaft keine Verbindungen sieht: „Diese Zusammenhänge drängen sich auf“, sagt sie. „Ein Hauptbelastungszeuge aus dem ersten Brand (Anm.: in der Trockentalstraße) ist beim zweiten Brand (Anm.: in der Dürerstraße) verstorben. Das Haus gehört demselben Vermieter, bei dem es schon mehrere Brände in Plauen gab. Und einige (…) Roma, die bereits beim ersten Brand Opfer waren, wurden in dieses Haus umgesiedelt, wobei der Beschuldigte aus dem ersten Verfahren wieder frei war!“ Sie glaubt, dass dringend untersucht werden müsse, ob ein rechtsradikaler Hintergrund für einen oder beide Brandanschläge eine Rolle gespielt habe.
(dROMa/taz)
Siehe auch:
Sachsen: 19 Verletzte nach Brandanschlag, 10.1.2018
Terror gegen Roma? Wieder Brand in Plauen, 9.2.2018