Mauthausen-App führt durch Außenlager

August 13th, 2018  |  Published in Einrichtungen, Geschichte & Gedenken, Internet & Blogothek, Jugend & Bildung

Mauthausen-APP (Foto: MKÖ)„So geht Geschichtsvermittlung 2018“

MKÖ präsentiert multimediale Wissensvermittlung: Mit der App durch ehe­ma­li­ge KZ-Au­ßen­lager

Die Wissensvermittlung, vor allem an Jugendliche, ist ein be­deu­ten­der Teil der Arbeit des Maut­hau­sen-Ko­mi­tees Ös­ter­reich (MKÖ). In Er­in­ne­rung an die Er­rich­tung des KZ Mauthausen vor 80 Jah­ren und zur Mahnung launcht das MKÖ die „Maut­hau­sen-Außen­la­ger-App“ mit In­for­ma­tio­nen, Fotos, Videos zur Ge­schich­te und den Über­leben­den. Für die Über­leben­den des KZ Maut­hausen und seiner Außen­lager war die Sensi­bi­li­sie­rung­sarbeit mit Jugend­lichen von enor­mer Be­deu­tung. Diesen Auf­trag haben die Über­leben­den auch dem Maut­hau­sen-Ko­mi­tee Öster­reich bei der Über­gabe ihres Ver­mächt­nis­ses im Jahr 2000 mit­ge­geben.

Das Mauthausen-Komitee Österreich arbeitet, gemein­sam mit sei­nen lo­ka­len Ini­tia­ti­ven, bereits seit Jahr­zehn­ten an der wis­sen­schaft­li­chen Auf­arbei­tung und an der Ver­mitt­lung der Geschichte der ehe­ma­li­gen Außenlager des KZ Mauthausen. Das Maut­hau­sen-Sys­tem um­fass­te neben dem Haupt­lager circa 49 Außen­lager in nahe­zu al­len Bundes­län­dern Öster­reichs. Im Rah­men dieser Zu­sam­men­arbeit wur­de die Ge­schichte der je­wei­li­gen Orte auf­ge­arbei­tet und für die „Mauthau­sen-Außen­lager-App“ auf­be­reitet.

Christa Bauer, Geschäftsführerin des Mauthau­sen-Ko­mi­tees Ös­ter­reich, zur Be­deutung der digi­ta­len Wissens­ver­mitt­lung: „Nicht nur digital af­fine Ju­gend­liche, son­dern auch histo­risch In­teres­sierte aller Alters­grup­pen haben nun die Mög­lich­keit, alle Orte der KZ-Au­ßen­lager vir­tuell zu be­suchen. Das ist ein wei­te­rer Schritt, an die Gräuel des NS-Regimes zu er­in­nern und ein ‚Nie­mals wieder‘ zu ver­brei­ten!“

Digitale Wissensvermittlung „Mauthausen-Außen­la­ger-App“

Mit der neuen App ist es ab sofort möglich, zu jedem ein­zel­nen der 49 Orte, an dem ein KZ-Außenlager be­stand, Infor­matio­nen zur Geschichte des ehe­maligen Kon­zentra­tions­lagers (wie Ent­stehung, Topo­graphie, Zwangs­arbeit, Täter/-in­nen, Opfer und Schlie­ßung bzw. Befreiung) ab­zu­rufen. Zu­sätz­lich ver­an­schau­li­chen histori­sche und ak­tuel­le Fotos, Luft­auf­nahmen der Orte sowie Kurz­videos und In­ter­views von Überlebenden die Ge­schich­te der KZ-Außen­lager. Die Zeit­zeu­gin­nen und Zeitzeugen er­zäh­len über ihre Er­fahrun­gen und Schick­sale so­wie über die Zeit nach 1945 und die Be­deu­tung der Arbeit für ein „Niemals wieder“.

„Digitale Wissensvermittlung ist besonders in der histori­schen Auf­arbei­tung ein wich­tiger Schritt. Vor allem Jugend­liche sind mittler­weile am besten via App oder Social Media zu er­rei­chen. Wenn geschicht­liche Inhalte für diese Ziel­gruppe interes­sant und inter­aktiv auf­berei­tet sind, kann das helfen, gegen Rassismus bzw. Fa­schismus und In­tole­ranz zu sen­sibili­sieren. Das Mauthau­sen-Ko­mitee Ös­ter­reich setzt hier einen wich­tigen ers­ten Schritt mit ihrer App“, so Bernhard Jungwirth, Ge­schäfts­führer vom ÖIAT – Öster­rei­chi­schen Institut für an­ge­wandte Tele­kom­mu­ni­kation.

23 interaktive Touren durch KZ-Außenlager

Die ehemaligen Außenlager können anhand von 23 inter­akti­ven Touren vir­tuell er­kundet wer­den. Diese bie­ten weitere Infor­matio­nen zu den einvzel­nen Statio­nen auf dem Areal und kön­nen auf dem Smartphone in­di­vi­duell und von über­all aus ge­nutzt werden. Das er­mög­licht sogar eine Aus­einan­der­set­zung mit dem Thema von zu Hau­se aus.

Zur Vertiefung der Informationen zu Orten ehe­maliger KZ-Außen­lager kann über das Mauthausen-Ko­mitee eine be­gleite­te Tour mit den zertifi­zier­ten Maut­hau­sen-Außen­lager-Guides ge­bucht wer­den. Die Guides sind be­reits seit 2011 im Ein­satz und be­glei­ten Be­su­cher/-in­nen der ehe­mali­gen Außen­lager vor Ort sowie durch die gesamte Vor- und Nach­berei­tung. Diese Be­gleitun­gen werden an 22 Orten ehe­ma­li­ger Außen­lager durch­ge­führt: Guntramsdorf/ Wiener Neudorf, Hirtenberg, Hinterbrühl, Melk, Redl-Zipf, Lenzing, Vöcklabruck, Gusen I, Gusen II, Ternberg, Großraming, Dipoldsau, St. Valentin, Steyr, Peggau, Wagna/ Leibnitz, Bretstein, Schloss Lind, St. Lambrecht, Loibl Nord und Loibl.

Vier Rundgänge in Wien speziell für Jugendliche mit Hearo­ny­mus-App

Im Zuge der App-Entwicklung hat das Mauthausen-Komitee Österreich im Ge­denk­jahr 2018 ein weite­res digita­les Pro­jekt in Ko­opera­tion mit Hearonymus ge­star­tet. Denk­mäler und Gedenk­stätten prä­gen das Bild der Wiener Innenstadt. Um ihre Ge­schichte Jugend­li­chen zu ver­mit­teln, bie­tet das MKÖ mit „denk mal wienthema­ti­sche Rund­gänge durch die in­nere Stadt an. Die spe­ziell für Jugend­liche auf­berei­te­ten The­men und Touren setzen den histo­ri­schen Fokus auf die Republiks­geschich­te so­wie die Zeit des National­sozialis­mus mit einem stän­di­gen Gegen­warts­bezug. Die Jugend­li­chen sollen für ak­tuel­le Proble­ma­ti­ken wie Rechts­extremis­mus, Rassis­mus und Anti­semitis­mus sen­si­bi­li­siert wervden und zu Demo­kratie­bewuss­tsein, Zivil­courage und Mit­einander mo­ti­viert werden.

Peter Grundmann, Geschäftsführer Hearonymus, hält fest: „Wir unter­stüt­zen die Arbeit des Maut­hau­sen-Ko­mitee Öste­rreich sehr gerne. Einer­seits weil uns das Gedenken an die Opfer der Ver­brevchen des NS-Re­gimes sehr am Herzen liegt. An­de­rer­seits weil Hearony­mus für die Wissens­ver­mitt­lung Smartphones ein­setzt und so das Thema auch für die Jugend leicht zu­gän­gig und interes­sant macht. Durch unsere Audio­guides für das Handy ste­hen die Geschich­ten zu den zahl­re­ichen Denk­mälern und Gedenk­stätten je­der­zeit und über­all zur Ver­fü­gung. 24 Stun­den am Tag, welt­weit. Und die er­greifen­den Be­richte der Zeitzeugen kön­nen auch noch von kom­men­den Ge­nera­tio­nen ge­hört werden.“

Seit 2006 haben mehr als 7.000 Jugendliche das Angebot von „denk mal wien“ wahr­ge­nom­men. Die vier erfolg­reichen Führungen „Wir sind Heldin­nen!“, „Republik und Demo­kra­tie“, „Wir und die Ande­ren“ und „Was ist Österreich?“ gibt es nun auch digital per App bei Hearo­ny­mus kos­ten­los zum An­hören und Er­kunden. Hearo­ny­mus hat sich auf die Er­stel­lung von pro­fes­sio­nel­len Audio­guides auf Smart­phones für Kultur und Touris­mus spe­ziali­siert, mit ak­tuell mehr als 500 Guides im Sorti­ment. Durch diese Ko­opera­tion kön­nen Jugend­liche nun auf eige­ne Faust die Innen­stadt historisch er­kun­den und sich bil­den.

„In den letzten Jahren haben mehr als 104.000 Jugendliche an unseren Pro­jek­ten teil­genom­men. Bei unserer Arbeit mit Jugend­lichen ist es uns wich­tig, einen Bezug zu den Lebens­reali­tä­ten der jungen Men­schen her­zu­stellen“, so Willi Mernyi, Vor­sitzen­der des Mauthau­sen-Ko­mitees Ös­ter­reich. „Mit diesen bei­den Apps bieten wir einen neuen Weg der digita­len und multi­medialen Wis­sens­ver­mitt­lung am Handy.“

Wir bedanken uns sehr herzlich für die finanzielle Unter­stüt­zung zur Ent­wicklung und Um­set­zung der App bei der Stadt Wien, dem Zukunfts­fonds der Re­publik Österreich und dem Bun­des­kanzler­amt Öster­reich. Die „Mauthau­sen-Außen­la­ger-App“ ist der­zeit nur auf Deutsch er­hält­lich. So­bald weitere finan­ziel­le Unter­stüt­zung ge­fun­den wurde, sind wei­te­re Spra­chen ge­plant.

Die App steht ab sofort hier zum Download zur Ver­fü­gung:

Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=at.nineyards.mauthausen.guide
iOS: https://itunes.apple.com/app/id1419489988

www.mauthausen-guides.at
www.denkmalwien.at

(Text: MKÖ)

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