Festival „E Bistarde | Vergiss mein nicht“

Juni 10th, 2018  |  Published in Geschichte & Gedenken, Veranstaltungen & Ausstellungen  |  1 Comment

Romafestival "E Bistarde" 2018 (Foto: Volkstheater)Roma-Festival in Wien: 14. bis 17. Juni 2018

Anlässlich des 80. Jahrestages des Anschlusses Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 und zum Geden­ken an die Opfer ver­anstal­tet Romano Svato ein Festival in Wien. Orte, an denen das Festival statt­fin­det: Roma-Wiese, 1210 Wien | Ringel­see­platz, 1210 Wien | Volks­theater, Wien | Öffent­li­cher Raum

Programm:

Donnerstag, 14. Juni 2018
Ort: Romawiese | Romaplatz

14.00 | Eröffnung mit Reden von Simonida und Sandra Selimovic | Gerhard Jordan (Die Grünen Floridsdorf) | Georg Papai (Bezirksvorsteher) | Willi Horvath (Nachfahre von KZ-Überlebenden) | Samuel Mago (Romano Centro)
15:30 | Ausstellungseröffnung von Delaine Le Bas und Alfred Ullrich | Ort: Romawiese
16.00 | Konzert Pilerovi
17.30 | Diskussion | Panel mit Isidora Randjelovic | Anna Mirga | Ethel Brooks | Miriam Karoly
19.00 | Lesung | „E Baxt Romani“ von Samuel Mago mit musikalischer Begleitung
20.30 | Konzert | Diknu Schneeberger

Freitag, 15. Juni 2018
Ort: Romawiese | 1210 Wien

11:30 | Historische Führung mit Willi Horvath
13:00 | Enthüllung Gedenktafel zur Erinnerung an den Ringelseeplatz bei der Franklinstraße 24, mit Bezirksvorsteher Georg Papai
14:30 | Vortrag von Isidora Randjelovic : „Epistemologie der Ignoranz“: Über die Geschichte des Filmes „Tiefland“ von Leni Riefenstahl
15:00 | Theaterperformance zum Thema Rassismus | mit Joschla Weiß, Simonida &  Sandra Selimovic
16:00 | Musik | Flamenco | Mercedez Cortés mit Ángeles Gabaldon, Susanne Heinzinger
17:00 | Interaktive Talkshow: „Hilton 437 – Kackbraun is dat Össiland“. Interaktive Talk-Show im Originalmobiliar des legendären Hilton-Zimmers über Antiziganismus in der Kunst und die Emanzipationsbewegung der Roma und Sinti.
18:30 | Musik | Konzert Riah Knight
20:00 | Musik | Bojan Ristic | Brass Band

Samstag, 16. Juni 2018
Ort: Romawiese, Romaplatz

12:00 |  Historische Führung mit Willi Horvath
14:00 |  Poetry Slam | Präsentation mit Jugendlichen aus Floridsdorf
15:00 | Theaterperformance mit Jugendlichen | GRG Franklinstraße und HAK/HAS Franklinstraße
16.30 | Musik |  Bojan Ristic | Brass Band
20:00 | Theater | „Roma Armee“ | Ort: Volkstheater
23:00 | Musik | Tayo | Rote Bar | Ort: Rote Bar im Volkstheater

Sonntag 17. Juni
Ort: Romawiese, Romaplatz

13:00 | Enthüllung des Mahnmals zum Gedenken an die Opfer der NS-Zeit, präsentiert von Delaine Le Bas und Alfred Ullrich
13:15 | Ansprache von Monika Vana, Abgeordnete zum Europäischen Parlament (Grüne/EFA)
14:00 | Poetry Lesung mit Hanna Al Taher
14:40 | Performance Sara Kali von der Theatergruppe Giuvlipen unter Leitung von Michaela Dragan
17:00 | Konzert Moša Šišic
19:30 | Theater | “Roma Armee” | Ort: Volkstheater

Festival | Moderation | Marion Dworzack
Änderungen vorbehalten

Hintergrund


Romano Svato: Der „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland 1938, des­sen heuer ge­dacht wird, mar­kiert auch den Be­ginn der NS-Ver­fol­gung der Roma und Sinti in Österreich. Von den bur­gen­län­di­schen Über­leben­den der Nazi-Herr­schaft kehr­ten nur einige we­nige in die bur­gen­ländi­schen Dörfer zu­rück. Ande­re ver­such­ten in der Stadt Wien Fuß zu fas­sen. Roma wurden von der 2. Republik nicht als KZ-Opfer an­er­kannt. Über­lebende des Nazi-Ter­rors wur­den meist nicht sehr alt, daher ging vie­les, was zur Auf­arbei­tung der Ver­gan­gen­heit bei­tragen hät­te kön­nen, ver­loren.

Der Ringelseeplatz im 21. Wiener Bezirk war bis zu den 60er Jah­ren ein zentra­ler Treff­punkt für Roma, Sinti, Lovara, Jenische, und nach der Nieder­schla­gung der ungari­schen Revo­lu­tion 1956 auch für Ge­flüch­tete und Durch­reisen­de aus an­de­ren Ländern. Älte­re Flo­rids­dorferIn­nen kön­nen sich noch an die dort befind­li­chen Wohn­wägen erin­nern, doch heute weist nichts mehr auf diesen Teil der Bezirks­geschichte hin. Ein Hal­len­bad in Floridsdorf, Schu­len, Sport­anla­gen, ein Kinder­garten sowie Ge­mein­de- und Ge­nos­sen­schafts­bauten prä­gen heute das Stadtbild dort, wo einst Roma lebten.

Eine Gedenkstätte oder ein Mahnmal wären längst fäl­lig, so wie es z.B. die 2013 für die er­mor­de­ten Juden und Jü­din­nen aus Flo­rids­dorf auf dem Hoßplatz er­rich­te­te „Sta­tion der Erin­ne­rung“ ist. Am 10. Febru­ar 2016 wurde von den Grünen in der Bezirks­ver­tre­tung Florids­dorf ein Antrag an die Kultur- und Be­nen­nungs­kom­mis­sion ein­ge­bracht. Fast alle Parteien stimm­ten dem zu, die FPÖ lehn­te ab. In ganz Wien gibt es noch im­mer keine ein­zige zentra­le Gedenkstätte oder ein Mahn­mal für die Roma und Sinti. Es gibt lokal durchaus Ge­dekorte, z.B. den Stein im Baranka-Park im 10. Be­zirk, aber nichts das z.B. mit dem Shoa-Mahn­mal auf dem Juden­platz ver­gleich­bar ist.

Heute befindet sich auf dem Ringelseeplatz eine öffent­li­che Sport­stätte. Ein Festival auf die­sem Gelände wur­de nicht ge­nehmigt. Wir wol­len des­halb auf der nahe gele­ge­nen Roma-Wiese und an ande­ren Orten ein Festival ver­an­stal­ten. Dieses Festival ver­steht sich zum einen als tem­poräre Gedenk­stätte und als Schritt auf dem Weg zu einem dauer­haf­ten Denkmal, anderer­seits ist es ein Ort der Selbst­reprä­sen­ta­tion, die eine Basis schafft für politi­sche Teilhabe und das Ent­wickeln ge­mein­sa­mer Zu­kunfts­visionen. Damit wird auch das 25-jäh­rige Jubiläum der An­erken­nung der Roma als Min­der­heit ge­feiert.

Orte, an denen das Festival stattfindet:


Roma-Wiese | 1210 Wien
Auf der Roma-Wiese sollen temporär Wohnwägen auf­gestellt werden. Tags­über dienen die Wägen als histori­sche Aus­stel­lung, abends die­nen die Wägen als Bühne (die vier­te Wand wird ge­öffnet). Es sollen unter­schied­li­che Performances und Ver­anstal­tun­gen statt­finden (Schauspiel, Musik, Lesungen und Podiums­dis­kus­sio­nen). Eine Per­for­mance soll von Jugend­li­chen aus um­lie­gen­den Schulen und pro­fes­sio­nel­len Künst­lerInnen im Rah­men künstle­risch-pä­da­go­gi­scher Workshops er­arbei­tet wer­den.

Gasthaus Birner | 1210 Wien
Das Gasthaus Birner an der Alten Donau war traditio­nell das Stammlokal der Roma und Sinti. Oft wur­den dort Hochzeiten und Trauer­feiern ge­feiert. Auch dort er­in­nert nichts mehr an die frü­he­ren Stamm­gäste. Musik und Ge­schich­ten der da­ma­ligen Zeit, er­zählt und ge­lesen, von Zeit­zeugIn­nen und deren Nach­kom­men mit einer an­schlie­ßen­den Po­diums­dis­kus­sion, sind ge­plant.

Öffentlicher Raum
Eine Führung im Grätzl zu Orten der Roma ist geplant.

Volkstheater
Mit einem Gastspiel des Stücks „Roma Armee“, in dem Roma-Schau­spie­lerIn­nen aus­ge­hend von sub­jek­ti­ven Erfah­run­gen und kol­lek­ti­vem Erinnern kraft­volle Visio­nen ent­wickeln, um Diskri­mi­nie­rung und Verfolgung zu ver­hin­dern, auf der Bühne des Volks­theaters, soll ein Höhe­punkt des Festi­vals ge­setzt wer­den.

(Text: Romano Svato)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Heute und morgen: „Roma Armee“ in Wien says:

    Juni 16th, 2018 at 10:47 (#)

    [...] Zu sehen ist die Produktion des Berliner „Gorki Theaters“ im Rahmen des Roma-Kultur­festivals „E Bistarde | Vergiss mein nicht“ [...]