Preis für TV-Doku „Jenische in Österreich“

November 9th, 2017  |  Published in Ehrungen & Nachrufe, Radio & TV

Jenische in Österreich - Fremd im eigenen Land (Foto: Puls4)Alexandra Wachter mit „Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnen-An­er­ken­nungs­preis“ aus­ge­zeich­net

Für die Dokumentation „Jenische in Österreich – Fremd im eigenen Land“ be­gab sich „PULS 4“-Jour­na­lis­tin Alexandra Wachter zwei Jahre lang auf Spuren­suche der „ver­ges­se­nen“ Volks­gruppe und sprach mit Betrof­fe­nen, Zeit­zeugen und Ex­perten. Am Mitt­woch wurde sie für die Doku­men­ta­tion mit dem „Prälat-Leo­pold-Ungar-Jour­na­listIn­nen-An­er­ken­nungs­preis“ in der Kate­gorie TV aus­ge­zeich­net.

Alexandra Wachter: „Ich bin dankbar und demütig, dass dieses Thema, das bisher so wenig Be­ach­tung ge­fun­den hat, durch den An­erken­nungs­preis in den Mit­tel­punkt rückt. Denn was den Mit­glie­dern dieser Volks­gruppe wider­fahren ist, wider­spricht jeg­li­cher Auf­fas­sung von Ge­rech­tig­keit. Eben dort­hin müs­sen wir als Jour­na­lis­tIn­nen blicken. Wir müs­sen auf Miss­stände hin­weisen und für Men­schen­rechte und Gleich­stellung ein­treten. Das ist der Grund, warum der Beruf der Jour­nalistin für mich eine Berufung ist.“

Begründung der Jury: In der 20-minütige Dokumentation zeigt Alexandra Wach­ter einen blin­den Fleck in der öster­rei­chi­schen Ge­schichte und auch in der Medien­bericht­erstat­tung: das Schick­sal der Jenischen, die seit Jahr­hun­derten dis­kri­mi­niert und bei uns bis heute nicht als Volks­gruppe an­erkannt sind.

Zur Dokumentation: Die Jenischen, auch „fahrendes Volk“ oder (wie die Roma und Sinti) im Volks­mund dif­fa­mie­rend „Zigeuner“ ge­nannt, wer­den in Österreich seit Genera­tio­nen dis­kri­mi­niert. So sind viele Vorurteile entstanden, die in der NS-Zeit und auch noch lange nach 1945 dazu ge­führt haben, dass viele jenische Kinder in Heime zwangs­ein­ge­wie­sen wurden. Dort kam es häufig zu schweren Miss­hand­lun­gen. Der Staat Öster­reich hat sich bei den Heim­kindern ent­schul­digt, doch niemals an­er­kannt, dass unter den Heimkindern auch sehr viele jenische Kinder waren. Die Volks­gruppe exis­tiert in Öster­reich of­fi­ziell nicht. In der Schweiz ist die jenische Volks­gruppe seit dem 15. Sep­tem­ber 2016 offi­ziell an­erkannt.

Anlässlich dieser Auszeichnung zeigt PULS 4 die Dokumentation er­neut am 13. Novem­ber um 23:30 Uhr. Ebenso wird Alexandra Wachter am Montag, den 13. Novem­ber in Café Puls um 5:30 Uhr zu dem Thema zu Gast sein.

Florian Höllerl, Chefredakteur 4 NEWS: „Das hartnäckige Recherchieren und ‚Am-Thema-Bleiben‘ hat sich in diesem Fall be­zahlt ge­macht. An­gehörige der Jenischen meiden die mediale Öffent­lich­keit. Dass sich Angehörige dieser gesell­schaft­li­chen Grup­pie­rung so aus­führ­lich in Inter­views zu Wort gemeldet haben, ist ein Beweis für die Authen­tizität meiner Kol­legin Alexandra Wachter und ihre Fähig­keit eine ver­trauens­volle Be­zie­hung zu Pro­ta­go­nisten auf­zu­bauen.“

Der Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis der Caritas Wien zeichnet zum 14. Mal Beiträge aus, die Toleranz und Ver­ständnis im Umgang mit gesell­schaft­li­chen Rand­gruppen fördern und sich mit sozial­poli­ti­schen Themen wie Armut, Obdach­losig­keit, Migration, Flucht, Alter, Krankheit oder Dis­kri­mi­nie­rung aus­einan­der­setzen.

(Text: Puls 4/OTS)

Siehe auch:
Ö1: „Die Jenischen“ – Feature von Bert Breit, 25.12.2010

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