Berlinale 2017: Belinda
Februar 2nd, 2017 | Published in Film & Theater
Dokumentarfilm (F 2017, 107 Min.)
Regie, Buch und Kamera: Marie Dumor
Termine: Weltpremiere am Fr. 10.02., 17:00, CineStar 7 | Sa. 11.02., 22:30, CineStar 7 | So. 12.02., 17:00, Cubix 7 | Di. 14.02., 14:30, Colosseum 1 | Sa. 18.02., 14:30, International
Die beiden Schwestern Belinda und Sabrina gehören zur ethnischen Minderheit der Jenischen. Als politisch Verfolgte lernten sich ihre Großeltern noch in einem deutschen Konzentrationslager kennen. Dagegen haben es die 15-jährigen Teenager, die in einem Kinderheim aufwuchsen, schon deutlich besser. Doch obwohl sich die Welt weitergedreht hat und die sogenannten Fahrenden heutzutage nicht mehr um ihr Leben fürchten müssen, stoßen Belinda und Sabrina immer wieder auf Ausgrenzung. Selbst 75 Jahre nach dem Holocaust müssen sich die beiden jenischen Jugendlichen diskriminierenden Regeln unterwerfen. (Text: moviepilot.de)
Die Kamera ist immer dabei. Über Jahre hinweg begleitet sie Belinda, die in extrem prekären Verhältnissen aufwächst. Man lernt das Mädchen im Alter von neun Jahren kennen: ein trotziges Energiebündel, das es sich und den anderen nicht leicht macht. Mit ihrer Schwester lebt sie im Kinderheim, doch ihre gesetzlichen Vormünder wollen die beiden trennen. Die Mädchen hauen ab, ziehen durch die Wälder. Sie wollen nicht ohne einander sein, erklären sie einem Betreuer, der meistens nur telefonisch präsent ist. Als 15-Jährige teilt Belinda ihm mit, dass sie sich eine Zukunft als Verkäuferin in einem Schuhgeschäft nicht vorstellen kann. Viel lieber möchte sie als Mechanikerin arbeiten. Ihre Schwester hat inzwischen ein Kind bekommen. Gestylt und auf High Heels geht Belinda als Patin zur Taufe. Ohne sich jemals einzumischen, macht der Film den Hintergrund der Jenischen sichtbar, die in keinem EU-Staat als nationale Minderheit oder Volksgruppe anerkannt sind. Als Belinda 23 Jahre alt ist, will sie heiraten, doch ihr Freund sitzt im Gefängnis. Sie schickt ihm Liebesbriefe und wartet auf seine Rückkehr. Belinda wird zu einer anrührenden Liebesgeschichte, geschrieben vom wahren Leben. (Text: Berlinale 2017)
Biografie: Marie Dumora
Die französische Regisseurin dreht all ihre Dokumentarfilme im selben, auf einen Umkreis von wenigen Kilometern begrenzten Gebiet in Ostfrankreich. So erschafft sie ein kinematisches Terrain, in dem ein Film zum nächsten führt. Ihre Werke wurden auf zahlreichen Festivals gezeigt und mit diversen Preisen ausgezeichnet. Mit La Place gewann sie den Intangible Heritage Award beim Festival Cinéma du Réel in Paris.
Filmografie (Dokumentarfilme)
1997: Le Square Burq est impec; Kurzfilm. 1998: Après la pluie; Kurzfilm. 2000: Tu n’es pas un ange; Kurzfilm. 2002: Avec ou sans toi. 2004: Emmenez-moi. 2007: Je voudrais aimer personne. 2012: La Place. 2015: Forbach Forever. 2017: Belinda