Bischöfe fordern Gedenkstätten für Roma
November 13th, 2016 | Published in Geschichte & Gedenken, Religion
Anlässlich ihrer Vollversammlung in Eisenstadt unterstützt die Österreichische Bischofskonferenz die Forderung der Volksgruppe nach einem würdigen Gedenken für die im Nationalsozialismus ermordeten Roma.
Vor 75 Jahren begann mit den Transporten in die NS-Vernichtungslager das dunkelste Kapitel in einer jahrhundertelangen Geschichte der Diskriminierung und Ausgrenzung von Roma und Sinti. Von den rund 11.000 österreichischen Roma und Sinti im Jahr 1938 überlebten nur ca. zehn Prozent den Zweiten Weltkrieg. Das Burgenland, in dem die Vollversammlung der Bischofskonferenz stattgefunden hat, war davon besonders stark betroffen: Von den rund 8.000 Roma und Sinti in rund 120 Orten im Burgenland überlebten nur sehr wenige die systematische Verfolgung und geplante Vernichtung in den Konzentrationslagern. Selbst nach dem Kriegsende wurde in Österreich die Politik der Ausgrenzung lange fortgesetzt, wo Siedlungen von Roma und Sinti nur am Stadt- bzw. Ortsrand erlaubt waren.
Der Blick auf diese Ereignisse macht sprachlos: Welche Worte können dieses Leid fassen? Und dennoch schafft das Schweigen darüber ein neues Unrecht gegenüber den Roma und Sinti, die seit 1993 in Österreich offiziell als Volksgruppe anerkannt sind. Die jetzige Generation der Roma und Sinti fragt mit Recht: Wo sind die verschollenen, ermordeten Eltern, Großeltern, Familiennagehörigen? Die Bischöfe unterstützen ihren Wunsch nach einem würdigen Gedenken der Opfer. Jeder Mensch hat einen Anspruch auf eine Grabstätte, zumindest aber auf eine Gedenkstätte. Nur durch die Erinnerung an die Opfer kann eine Reinigung des Gedächtnisses erfolgen, die für ein respektvolles und friedliches Zusammenleben notwendig ist. Das „Jahr der Barmherzigkeit“ ist ein Anlass, das „siebente Werk der leiblichen Barmherzigkeit“ („Tote bestatten“) so zu fassen, dass zumindest ein würdevolles Gedenken an jene möglich wird, die Opfer der NS-Vernichtungspolitik wurden und deren Leichname namenlos verschollen sind.
Nach Jahrhunderten der Versäumnisse hat in den letzten Jahrzehnten die katholische Kirche in Österreich mit einer spezifischen seelsorglichen Begleitung von Roma und Sinti begonnen. 1992 setzte die Österreichische Bischofskonferenz einen österreichweit verantwortlichen Seelsorger dafür ein, und seit 1995 ist damit zusätzlich ein Bischof betraut. Konkrete Hilfe in den spezifischen Lebenssituationen von Roma und Sinti ist dabei genauso wichtig wie die Weitergabe des Glaubens in Wertschätzung ihrer Geschichte und Kultur.
(Text: Bischofskonferenz)