Paternalismus bis hin zur „g’sunden Watsch’n“
September 30th, 2016 | Published in Radio, Podcast & TV
Kommentar des Romano Centro zur Kreuz-und-Quer-Reportage über ein österreichisches Roma-Hilfsprojekt in Rumänien (noch einige Tage in der ORF-TVthek):
Ignoranz und Überheblichkeit
Ein österreichisches Roma-Projekt in Rumänien wird in einer ORF-Dokumentation vorgestellt. Wieder einmal schaffen es die Journalisten nicht, zu erklären, warum denn die Situation der Roma so schlecht ist, wie sie ist. Das Wort „Diskriminierung“ kommt nicht einmal vor.
— 500 Jahre Sklaverei durch Kirche und Adel,
— ein Völkermord im 2. Weltkrieg
— und fortwährende institutionelle Diskriminierung, die in etlichen aktuellen Berichten dokumentiert ist, etc. etc.
einfach beiseite gelassen. Stattdessen ein „bei den Roma war das immer schon so“, wenn es um die schlechte Bildungssituation geht. Eine Portion Exotisierung dazu und fertig.
Warum „Roma-Integration“ nicht funktioniert? Genau deshalb. Weil die historischen und gegenwärtigen Ausschlussmechanismen und der Rassismus negiert werden. Dazu kommt noch die Respektlosigkeit gegenüber den Roma: Der Projektleiter erzählt stolz, einen Konflikt mit einer „Watschn“ „gelöst“ zu haben, daneben sitzt der Gedemütigte. Und ein Geistlicher versucht den Leuten noch die katholische Marienverehrung anzutrainieren.
(Text: Ferdinand Koller/Romano Centro)