Italien: Scharfe Kontrollen in Roma-Siedlungen

Februar 17th, 2009  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

volksgruppen.orf.at: Nach der Vergewaltigung eines 14-jährigen Mädchens durch zwei Männer, bei denen es sich angeblich um Rumänen handelte, will der römische Bürgermeister Gianni Alemanno die Kontrollen in der Stadt verschärfen. Er versprach einen noch stärkeren Einsatz zum Abbau aller illegalen Behelfsunterkünften, in denen viele Roma leben. Einige Ansiedlungen in den Wäldern von Castel Fusano vor den Toren Roms wurden abgerissen.

Polizisten und Kameras vor Siedlungen?
Der Bürgermeister will auch die Kontrollen in den von der Gemeinde autorisierten Roma-Siedlungen verschärfen. Vor den Eingängen sollen Polizisten stehen und Videoanlagen sollen das Gelände überwachen. Die Bewohner der Siedlungen sollen am Eingang eine Karte zu ihrer Identifizierung vorweisen. Man will so verhindern, dass illegale Immigranten Zugang zur Siedlung haben. Wer in der Siedlung wohnt, muss eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen.

Eltern müssen ihre Kinder in Schulen schicken
Eltern sind gezwungen, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Wer die Regeln verletzt, kann das Fürsorgerecht für die Kinder verlieren und von der Siedlung entfernt werden. Die Roma in den Behelfsiedlungen haben die Pflicht, für Strom und Wasser zu zahlen, erklärte der Bürgermeister. In den letzten Monaten wurde in ganz Italien eine umstrittene Zählung der Roma durchgeführt. Die meisten von ihnen leben in Rom. „Die Frage der Roma-Behelfssiedlungen galt bisher als unlösbares Problem. In wenigen Wochen haben wir alle legalen und illegalen Siedlungen gezählt“, so der Bürgermeister.

Weniger Siedlungen, aber mit Gebühr
„Über 100 Siedlungen dieser Art gab es bisher in Rom, die Polizei hat 40 davon abgebaut. Unser Ziel ist, wenige legale Roma-Siedlungen an der Peripherie der Stadt zu errichten, aus denen Kriminelle ausgegrenzt werden sollen. Wer darin lebt, muss der Gemeinde eine Gebühr, eine Art Miete – mit einem auch nur symbolischen Betrag – zahlen. Legalität und Solidarität müssen Hand in Hand gehen“, sagte der römische Bürgermeister.

Innenminister will Mustersiedlungen
„Wir wollen für die Roma Siedlungen errichten, die in ganz Europa zum Musterbeispiel werden sollen“, erklärte der italienische Innenminister Roberto Maroni. Er wies erneut den Vorwurf zurück, dass die in den vergangenen Monaten durchgeführte Zählung der Roma eine Initiative mit rassistischem Hintergrund sei. Die Zählung, die in Europa Proteste ausgelöst hatte, sei nicht auf ethnischer Basis erfolgt.

Maßnahmen gegen Straßenkriminalität
Mit der Zählung wolle die Mitte-Rechts-Regierung unter Silvio Berlusconi illegal Eingewanderte aufspüren und abschieben und das Leben der legal in den Behelfsunterkünften lebenden Bewohner verbessern. Die Maßnahme sei Teil der Bemühungen der Regierung, die Straßenkriminalität zu bekämpfen, hieß es.

(volksgruppen.orf.at, 17.2.2009)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Romathemen Größte Roma-Siedlung Italiens wird abgerissen :: says:

    Januar 19th, 2010 at 19:26 (#)

    [...] in Italien wurden bereits rechtswidrig abgerissen (siehe dROMa-Blog: hier, hier, hier und hier). Die Siedlung „Casilino 900” besteht schon seit vier Jahrzehnten; im Lager leben laut [...]