ROMADAY-Kampagne gestartet

März 2nd, 2016  |  Published in Einrichtungen, Rassismus & Menschenrechte

RomadayDeutschland: Bündnis für Solidarität mit den Sinti und Roma Europas stellt Kam­pagne gegen Anti­ziganis­mus vor. Kern der Kam­pagne ist ein Aufruf mit fünf zentra­len For­de­run­gen. Die On­line-Petition finden Sie hier.

Auf Initiative des Vereins RomaTrial und der Stiftung Denkmal für die ermor­de­ten Juden Europas hat sich in Berlin ein breites gesamt­gesell­schaft­liches Bündnis für Soli­da­ri­tät mit den Sinti und Roma Europas ge­bil­det. Mit­glie­der der Inter­es­sen­gemein­schaft sind mehr als 20 Orga­ni­sa­tio­nen aus Politik, Zivil­gesell­schaft und Kultur. Ziel des Bünd­nis­ses ist es, auf die fort­wäh­rende Diskri­mi­nie­rung der größten euro­päi­schen Min­der­heit auf­merk­sam zu machen.

»Der Rassismus, den Sinti und Roma europa­weit im Alltag er­leben, ist un­erträg­lich. Und nie­mand schaut hin! Wir dürfen es nicht den Betrof­fe­nen selbst über­las­sen, auf den Anti­ziga­nis­mus und dessen teils existenz­be­dro­hende Fol­gen hin­zu­weisen. Son­dern wir als Mehrheit müs­sen diese Situa­tion end­lich öffent­lich be­nen­nen, ver­ur­tei­len und dage­gen an­ge­hen«, so Uwe Neumärker, Di­rek­tor der Stiftung Denkmal, zur Gründung der Ini­tia­tive.

Kern der Kampagne gegen Antiziganismus ist ein Aufruf mit fünf zentra­len For­de­run­gen an Politik, Medien und Öffent­lich­keit. Der Aufruf ist ab sofort hier ver­füg­bar. Bür­gerin­nen und Bürger sind auf­ge­ru­fen, die For­de­run­gen zu unter­zeichnen und sich so gegen die Aus­gren­zung von Sinti und Roma aus­zu­spre­chen. Die ge­sam­mel­ten Unter­schriften sol­len an Bundes­tags- und Europa­par­la­ments­abge­ord­nete, Minister, den Bundes­pres­se­rat sowie die Medien über­ge­ben werden.

Im Rahmen einer Kundgebung anläss­lich des ROMADAY am 8. April 2016 wird der Aufruf durch Arne Friedrich ver­lesen. Der ehe­ma­lige Fuß­ball­natio­nal­spieler grün­dete nach seiner Kar­riere die »Arne-Friedrich-Stiftung«, die sich un­ter ande­rem für die Integra­tion von Kin­dern und Jugend­li­chen mit Migra­tions­hinter­grund ein­setzt. Das Bünd­nis zu unter­stützen, ist ihm ein wich­ti­ges An­liegen, da ins­beson­dere die Kinder der Min­der­heit un­ter dem Rassismus zu lei­den hät­ten. Für diese Kinder be­stehe je­doch ohne Bildung und Chan­cen­gleich­heit keine Mög­lich­keit auf Integra­tion.

Hintergrund Roma und Sinti werden in Europa auf­grund jahr­hun­derte­alter Vorurteile dis­kri­mi­niert. Dieser Ras­sis­mus hat in den ver­gan­ge­nen Jahren eine neue Dimension erreicht. Jüngs­tes Beispiel ist etwa der Angriff auf das Denk­mal für die ermor­de­ten Sinti und Roma, das im Okto­ber 2015 mit einem Haken­kreuz und dem Wort »Vergasen« be­schmutzt wurde (wir berich­te­ten).

Infolge der aktuellen Debatten über das Bleiberecht von Flüchtlinge ver­schärft sich die Situa­tion der nach Deutsch­land geflüch­te­ten Roma akut. Nach Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herze­gowina wur­den im ver­gan­ge­nen Herbst auch Albanien, das Kosovo und Montenegro als sichere Herkunfts­staaten ein­ge­stuft. An­träge von Asyl­be­wer­bern aus diesen Ländern werden als »offen­sicht­lich un­begrün­det« ab­ge­lehnt. Die Lebens­wirk­lich­keit der dorti­gen Roma wird dabei aus­geblen­det: Diese ist bestimmt von Ob­dach- und Arbeits­losig­keit sowie Ver­treibung. Roma werden teils nicht als Staats­bürger re­gistriert, haben kaum Zu­gang zur Gesund­heits­ver­sor­gung und werden aus dem Schul­system aus­geschlos­sen. Natio­na­lis­mus und Rassis­mus wenden sich in den Nach­folge­staaten Jugo­sla­wiens in beson­de­rem Maße gegen Roma. Sie fliehen auf­grund existenz­bedro­hen­der Aus­gren­zung. In Deutsch­land ist diese Gruppe wie­derum einem diskri­mi­nie­ren­den Son­der­ver­fah­ren aus­gesetzt.

(Pressemitteilung, 29.2.2016)

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