„Kein Salon dem Rechtsextremismus!“
Februar 13th, 2016 | Published in Rassismus & Menschenrechte, Veranstaltungen & Ausstellungen
Kundgebung am Heldenplatz: Ansprache von Manuela Horvath
Unter dem Motto „Kein Salon dem Rechtsextremismus!“ rief das Bündnis „Jetzt Zeichen setzen“ am 29. Jänner 2016 zur Kundgebung am Wiener Heldenplatz auf. Die Forderung: Die Repräsentationsräume der Republik dürfen Veranstaltungen und Vernetzungsaktivitäten der extrem Rechten (d.h. dem früheren WKR- und jetzigen „Akademikerball“) keinen Platz mehr bieten. Unter den Rednern/innen war mit Manuela Horvath auch eine österreichische Romni, deren kurze Ansprache wir im Folgenden wiedergeben.
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O Roma taj o Sinti o lek bareder tschulipe andi Europa hi. Andi Austrija imar but schelberscha beschte on hi, taj sajt ando deschuenja enjavar desch taj trin lenge, pal jek dugo drom o flogoskero grupnengero schtatus use phendo ulo.
Roma und Sinti sind die größte Minderheit in Europa. In Österreich sind sie seit Jahrhunderten ansässig und 1993 wurde ihnen, nach einem langen Weg, der Volksgruppenstatus zugesprochen.
Als Romni und Enkelin KZ-Überlebender wurde ich schon früh damit konfrontiert was eine rechtspopulistische Partei verursachen kann. 500.000 Roma und Sinti wurden in Europa während des Holocaust ermordet. Heute kommt es in europäischen Ländern immer wieder zu Übergriffen und zur systematischen Ausgrenzung von Roma. In den meisten Fällen wird auf nationaler Ebene kaum etwas unternommen, um dies zu unterbinden. Die Grundrechteagentur der EU hat in einer Erhebung festgestellt, dass Roma in den Bereichen Bildung, Armut und Beschäftigung schlechter gestellt sind als ihre Nachbarn, die keine Roma sind.
Ja, wir Roma in Österreich haben durch die Anerkennung als Volksgruppe einen besseren politischen Status als Roma in vielen anderen Ländern. Und mein Dank gilt den Aktivistinnen und Aktivisten der ersten Stunde, die für meine Generation den Weg in der Volksgruppenarbeit vorbereitet haben. Doch Antiziganismus und Roma-Feindlichkeit sind auch hier bei uns in Österreich in der Zivilgesellschaft und auch auf politischer Ebene verbreitet. Hier möchte ich auf den Antiziganismusbericht des Verein Romano Centro hinweisen. Deshalb empfinde ich es als notwendig und wichtig heute hier zu stehen, um kurz auf diese Situation aufmerksam zu machen und mich gegen den „Akademikerball“ in der Hofburg auszusprechen. Und ich stehe auch hier in der Hoffnung, Menschen die von rassistischen Übergriffen betroffen sind, Mut zu zusprechen, sich nicht unterkriegen zu lassen und sich für ihre Rechte zu engagieren.
Ich gehöre einer ethnischen Minderheit an, von der der Großteil in den KZs brutal ermordet wurde und die traumatisierten Überlebenden nach der Heimkehr aus den KZs auf Ablehnung stießen und vor dem Nichts standen, deshalb sehe ich es als meine Aufgabe, als Aufgabe von uns allen, unsere Stimmen gegen Rechtsextremismus zu erheben und für Menschenrechte einzutreten. Für eine friedliche Gegenwart, für eine friedliche Zukunft für ein besseres und aufgeschlosseneres Miteinander.
Me jek Romni som, savendar jek baro falato ando logertscha murdarde ule taj save prik dschivde upro tel dschumipe pele, taj vaschoda me le ojs jek upre dikipe dikav, ojs upre dikipe le cilendar, amare hangi gejng rechtsekstremismus te asdel taj le manuschengere tschatschipenge ande te bescharel. Jek smiromjakere dschivipeske, jek smiromjakera cukunftake taj jek feder khetanipeske.
(Manuela Horvath, Wien, 29.1.2016)