Romano Centro: Übersetzungswettbewerb

März 6th, 2015  |  Published in Romani

Übersetzung: Romani-Wettbewerb des Romano Centro (aus: Romano Centro 81/2015)Romano Centro möchte ÜbersetzerInnen för­dern und schreibt des­halb in der aktuellen Ausgabe seines Magazins (pdf) einen Über­setzungs­wett­bewerb aus. Wenn Sie sich zu­trauen, den Text auf S. 14 („Brüssel von innen“) und den Text auf Seite 22 („Dikhen amen – Seht uns!“) von Deutsch ins Romanes zu über­tra­gen, dann sollten Sie Ihre Über­setzun­gen un­bedingt ein­reichen. Ins­gesamt wer­den 600 Euro an Preis­geld vergeben.

Als ÜBERSETZUNGSTEXTE wurden bewusst aktuelle Artikel aus der Zei­tung aus­gewählt, die in journalis­ti­schem Stil mit modernem Vokabular ab­ge­fasst sind. Eine Ein­schrän­kung, in we­lchen Dialekt des Romanes über­setzt wer­den kann, besteht nicht. Die Variante (z.B. Kalderaš, Lovara, Sintitikes, Arli-Dialekte, Gurbet, Burgenland-Roman, Burgudži etc.) kann frei gewählt wer­den. Die JURY besteht aus öster­rei­chi­schen und aus­län­di­schen Ex­pertIn­nen, die in Deutsch und Roma­nes kom­petent sind bzw. sich auch beruf­lich mit Sprachen und Roma­nes be­fassen.

Teilnahme am Wettbewerb:

Bitte senden Sie uns die Übersetzungen der beiden Wettbewerbs­texte an ferdinand.koller(AT)romano-centro.org und geben Sie die Roma­nes-Varian­te an, in der sie die Texte ver­fasst haben. Die Texte wer­den ge­sammelt an die inter­natio­nale Jury weiter­ge­leitet. Die drei Preisträger werden schrift­lich ver­stän­digt.

Einsende­schluss ist der 4. Mai 2015.

Bewertungskriterien:

a) Verständnis der deutschen Vorlage: Die Übersetzung muss inhalt­lich rich­tig sein. Sie soll den Aus­sagen der deutschen Vor­lage nicht wört­lich, aber inhalt­lich ent­spre­chen und dem groben Aufbau des deutschen Textes mög­lichst nahe kom­men.

b) Grammatik des Romanes: Obwohl es im Romanes keinen offi­ziel­len Sprach­standard für die einzel­nen Dialekte gibt, ge­horcht jede Va­riante doch in­ne­ren gramma­tischen Gesetzen (männ­liche und weib­liche Haupt­wörter, Fall­endungen, Ein­zahl/Mehr­zahl bei Haupt­wörtern in Über­ein­stim­mung mit Zeit­wörtern usw.).

c) Vokabular: Romanes hat einen Grundstock aus indischen und früh ent­lehn­ten Voka­beln, die aber nicht aus­rei­chen, die gegen­wär­tige Welt zu be­schrei­ben. Des­halb haben Roma seit Jahr­hun­der­ten Lehnwörter aus ihren Umge­bungs­sprachen über­nommen. Es ist ein Zeichen eines vitalen Dia­lek­tes, dass der Wort­schatz durch Fremd­vokabel berei­chert wird. Ent­leh­nun­gen erhal­ten eigene En­dun­gen, werden als männ­lich oder weiblich über­nommen und ent­spre­chend ange­passt ins gramma­ti­sche System des Romanes in­tegriert. Dane­ben gibt es auch die Mög­lich­keit, durch Zusam­men­setzun­gen aus dem an­gestamm­ten Wort­schatz neue Begriffe zu for­men, wie z.B. maškar-themutno für „inter­national“.
Die Schwierigkeit besteht darin, Lehnwörter zu ver­wenden, die all­gemein ver­ständ­lich sind, und nicht nur für eine Kontakt­sprache spezi­fisch. Z.B. lautet das Wort eksperto im Deutschen, Eng­li­schen, Fran­zösi­schen und in den slawischen Sprachen so ähn­lich, dass diese Entleh­nung Romanes-Sprechern der ver­schie­densten Dia­lekte und Länder völlig ver­ständ­lich ist. Ent­lehnen ungarische Roma das Wort für „Experte, Fach­mann“ jedoch aus dem Unga­ri­schen, so lautet dies dann sakertevo, das nur wieder unga­ri­schen Roma ver­ständlich ist.
Eine gute Übersetzung schafft es, einen moder­nen Wortschatz zu ver­wen­den und gleich­zeitig die darin invol­vierten Lehn­wörter ver­ständ­lich zu halten. Lassen sich deutsche Wörter wie Eigen­namen oder Fach­begriffe nicht über­setzen, weil dadurch ihr Sinn im Romanes nicht klar würde, ist es besser, sie auf Deutsch in Anfüh­rungs­zei­chen zu schreiben.

d) Idiomatik: Deutsch verwendet wie alle Sprachen eige­ne Sprach­bilder, Rede­wen­dungen und Zusam­men­setzungen, die im Roma­nes oft andere Ent­spre­chun­gen als die direkte wört­liche Über­setzung der deutschen Einzel­wörter haben. Hier ist Sprach­gefühl in beiden Sprachen gefor­dert, statt einer unschö­nen Wort-für-Wort-Über­setzung die rich­tige Über­tra­gung zu finden.

e) Empfehlungen für die Verschriftung: Viele Romanes-Varian­ten (Kalderaš, Gurbet, Arli) unter­schei­den ver­schie­dene Laute, die im Deutschen zusammen­ge­fasst oder nicht dif­fe­ren­ziert werden:
Behauchte und nicht behauchte Kon­sonan­ten: k/kh (ker „mach“/kher „Haus“), s/z (sar „wie?“/zar „Haar“), tsch/dsch (tschatscho „wahr“/gadscho) etc.
Wir empfehlen, bei Dialekten, die diese Unter­schei­dun­gen im Sprach­gebrauch haben, die Laute auch schrift­lich zu unter­scheiden. Für tsch wie in tschatscho „wahr“ wird in vielen Ländern das Zeichen č, für die be­hauch­te Varian­te wie in tschavo „Bursch“ čh ver­wendet; wei­ters für deutsches sch wird š, für dsch wird dž und für j wird, wie in deutschem „Journal“ oder Romanes žurnalo, ž ver­wendet.

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