Darstellung der Roma in der Fotografie
November 4th, 2014 | Published in Geschichte & Gedenken, Kunst & Fotografie, Radio, Podcast & TV, Wissenschaft
Roma sam
Radio Burgenland: 27.10.2014 (on demand)
Es gibt keinen unschuldigen, naiven Blick. Jeder Blick spiegelt eine bestimmte gesellschaftliche Struktur wider. Der Blick auf die als „Zigeuner“ diskriminierte Minderheit der Sinti und Roma durchläuft im 19. Jahrhundert eine Reihe von Veränderungen, die sich anhand der gemalten und fotografierten Bilder dieser Periode nachzeichnen lassen.
Darstellung und Wahrnehmung
„In dieser Zeit entsteht die Mehrzahl jener neuen Konventionen, welche die Darstellung und Wahrnehmung der Sinti und Roma in allen Lebensbereichen bis heute weitgehend dominieren“, sagt der Historiker Gerhard Baumgartner. „Auch die so genannten ‚Zigeunerfotografien‘ des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind nicht einfach objektive Zeugnisse einer vergangenen Zeit, sondern ebenso das Produkt eines konditionierten, herrschenden und kategorisierenden Blickes auf diese Bevölkerungsgruppe“, so Baumgartner weiter.
Diese Fotografien dienten in erster Linie zur Illustration der Polizeiarbeit sowie zur Dokumentation der Beherrschbarkeit und Kontrolle der Sinti und Roma durch die Behörden. Da die Polizei- und Verwaltungsbeamten die 130 „Zigeunersiedlungen“ des Burgenlandes allesamt als Hort der Kriminalität verstanden, wurden ihre Bewohner in der Regel auch als zerlumpte, verarmte Gestalten präsentiert: die Kinder halbnackt, die Häuser und Hütten verfallen und die Männer und Frauen als Wanderhandwerker und Handleserinnen. Dennoch lassen aber einige Aufnahmen deutlich erkennen, dass diese so genannten „Zigeuner“ nicht wesentlich anders lebten als die meisten der armen Bevölkerungsschichten des Burgenlandes. Mehr darüber erfahren Sie in der Sendung „Roma sam“ auf Radio Burgenland.