Alfred Ullrich: BLACKOUT.GUGGUG
Oktober 11th, 2014 | Published in Kunst & Fotografie, Veranstaltungen & Ausstellungen
Die GALERIE KAI DIKHAS – die Galerie für zeitgenössische Kunst der Sinti und Roma in Berlin – zeigt noch bis zum 18. Oktober 2014 die Soloschau BLACKOUT.GUGGUG des Künstlers Alfred Ullrich. Präsentiert werden aktuelle Grafiken, Malerei und Installationen.
Seit der Jahrtausendwende setzt sich der Künstler, der vor allem durch seine sensible, meist abstrakte Druckgrafik bekannt ist, verstärkt mit seinem biographischen Hintergrund als Sinto auseinander. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde ihm bewusst, dass in dem, in der Nähe seines damaligen Zuhauses gelegenen Konzentrationslager Dachau drei seiner Onkel interniert gewesen waren. Seine Arbeiten sind jedoch trotz der schmerzhaften Vergangenheit nicht verbittert, sondern begegnen ihr mit Witz und Ironie.
In seiner aktuellen Inszenierung BLACKOUT.GUGGUG bearbeitet er die Geschichte der Persilkartons und der Persilscheine. Mit einfachen Postkarten konnte in den vierziger Jahren Deutschen von der alliierten Besatzungsverwaltung ein Nachweis, keine nationalsozialistischen Gewalt- oder Kriegsverbrechen begangen zu haben, ausgestellt werden. Diese Dokumente wurden im Volksmund Persilscheine genannt.
Auf dem Amtstisch sind für die Besucher Persil Megaperls auf einem Tablett zum Schnupfen mittels hygienischer und recyclebarer Einweg-Papierstrohhalme vorbereitet. Auf Wandkonsolen erwartet Sie eine Installation wunderbar treibender Kartoffeln vom letzten Jahr.
Auch Druckgrafik aus heuriger Produktion ist an den Wänden zu finden. Diese umfasst zum einen zarte Weichgrundradierungen, in denen sich das Arbeitsmaterial des Druckers selbst darstellt. Das traditionelle Sepia erzeugt kontrastreiche Bildtiefen. Die experimentellen Fräsnadelradierungen aus der Serie One Line ziehen den Betrachter mit ihrer verspielten Fragilität in ihren Bann und stellen das Wohin und Woher in Frage. In zwei Stencil-Arbeiten geraten perspektivisch gekippte Straßenmarkierungen zu desorientierenden Irrzeichen. Farbige dreidimensionale Kuckucksuhr-Nitro-Frottagen auf braunem Wabenkarton runden diesen Teil der Ausstellung ab. Über dem Braun bildet die Farbschicht nur ein dünne fragile Kaschierung.
Galerie Kai Dikhas, Aufbau Haus am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg
Öffnungzeiten: Mi bis Sa, 12-18 Uhr und nach Vereinbarung