Frankreich verwehrt Roma Schulbildung

August 30th, 2014  |  Published in Dokumente & Berichte, Jugend & Bildung, Rassismus & Menschenrechte  |  1 Comment

FrankreichERRC: Mehr als die Hälfte aller Roma-Kinder in Frankreich besucht keine Schule

Laut einer Studie, die das European Roma Rights Centre (ERRC) zu Jahres­beginn durch­führte, haben Kinder aus Roma-Fa­mi­lien in Frank­reich viel­fach keinen Zugang zu Grund­schulen. Mehr als die Hälfte der von der Studie erfass­ten Kinder, es handelt es sich um EU-Bür­ger, besu­chen keine Schule. In 60 Prozent der Fälle sei dies auf die Haltung der loka­len Behör­den, insbe­son­dere der Bürger­meister, zurück­zu­füh­ren, die sich weiger­ten, die Kinder von zuge­wan­der­ten Roma in die Schulen auf­zu­neh­men. Häufig erhal­ten die Roma-El­tern bei der Anmel­dung für eine öffent­liche Schule die Aus­kunft, dass die Kinder erst auf Wartelisten gesetzt wer­den müss­ten. Ein reiner Vor­wand, so die ERRC-Mit­ar­bei­terin Erika Bodor gegen­über AFP (Video): „Wenn sie Warteliste sagen, ist dies eine Warte­liste, die in Wirk­lich­keit nicht existiert.“

Laut französischem Recht gilt jedoch für alle Kinder – und zwar unab­hängig von ihrer Staats­bürger­schaft – von sechs bis 16 Jahren die Schulpflicht. „Kindern die Aufnahme in eine Schule zu ver­wei­gern ist eine direkte Ver­letzung der natio­nalen und inter­natio­na­len Verpflichtungen Frank­reichs. Und es gefähr­det auch die Zukunft die­ser Kinder, ver­ringert ihre Beschäf­tigungs­chan­cen und ver­schärft zusätz­lich die soziale Aus­gren­zung dieser Roma-Com­mu­nities“, betont Rob Kushen, Vorstands­vor­sitzen­der des ERRC.

Im Durchschnitt hatten die vom ERRC befrag­ten Roma seit ihrer Ankunft in Frank­reich bereits sechs Zwangs­räumungen hinter sich. Die fort­gesetzten Vertrei­bungen wir­ken sich eben­falls äußerst nach­teilig auf die Situa­tion der Roma-Kin­der und ihre schulische Ein­bin­dung aus.

Für die Erhebung untersuchte das ERRC die Lage in sechs infor­mel­len Siedlungen in Seine-Saint-Denis, Marseille und Lille, und führ­te Inter­views mit 118 Ange­hö­ri­gen der Minder­heit, durch­wegs EU-Bürger. Die Erhe­bung wurde unter Mitar­beit von sechs in Frank­reich leben­den Rom­nija aus Rumä­nien durch­geführt.

(R.U./dROMa)

Responses

  1. dROMa-Blog | Weblog zu Roma-Themen | Frankreich: Roma-Kindern erzählen says:

    August 30th, 2014 at 18:57 (#)

    [...] die Mehr­heit von ihnen, weil ihnen die Behör­den den Zugang zum Schul­system verwehren (mehr hier). Hier einige Aus­züge aus den Inter­views mit den [...]