Jobbiks Schüler: Anti-Roma-Hetze in Polen

Juli 13th, 2014  |  Published in Politik, Rassismus & Menschenrechte

Hetze gegen Roma als Erfolgsstrategie: Robert Winnicki (Foto)Rechtsextreme patrouillieren in Kleinstadt Andrychów, Roma wagen sich nicht mehr auf die Straße

Die romafeindliche Agitation, die der neo­na­zis­ti­schen Partei Jobbik in Ungarn bei den letzten Parla­ments­wahlen im April zu 21 Prozent verhalf, findet zuneh­mend auch Nachahmer jenseits der Grenze: Wie Reuters erst jetzt berich­tet, kam es in der süd­pol­ni­schen Kleinstadt Andrychów bereits vor einem Monat zu einer rechts­extremen Kundgebung gegen die in der Stadt leben­den Roma. Am 13. Juni versam­mel­ten sich rund 200 Per­sonen im Stadt­zentrum. Nur 30 Kilometer von Auschwitz entfernt riefen die De­monstran­ten, viele von ihnen Anhän­ger eines lokalen Fuß­ball­klubs, „Cyganie raus!“ – in Anleh­nung an das deutsche „Juden raus“. Als einen der Prota­gonis­ten der Ver­anstal­tung nennt Reuters den aus Warschau ange­reisten Rechts­extre­mis­ten Robert Winnicki von der Partei „Ruch Narodowy“ („Nationale Bewegung“). In seiner Ansprache forderte Winnicki, die rund 100 Roma-Ein­woh­ner aus der Stadt zu werfen. In den folgenden Tagen begannen Gruppen von Männern in weißen Hemden, als „Bürgerwehr“ jeden Abend gegen den ver­meint­li­chen „Zigeunerterror“ auf den Straßen zu patrouillieren. Auslöser war ein Zwi­schen­fall Anfang Juni. Aus den sich auf­schau­keln­den Emotionen konstru­ierte man eine rassis­ti­sche Kampagne. Reuters schreibt:

Early in June, locals say, a pregnant Roma woman was attacked as she walked in the street. Soon after, two young ethnic Poles were beaten up in what many residents assumed was a Roma revenge attack. Anger erupted. Supporters of the local soccer club, Beskid Andrychow, set up a page on Facebook. It published accounts of what it said were violent attacks by Roma, and photographs of ethnic Poles it said had been beaten up. The page has now been ”liked“ by 14,182 people.

Viele der Roma-Familien versammelten sich verängstigt im Innenhof ihrer Wohnan­lage am Stadt­rand. Die Roma wagen sich in den letzten Wochen nur noch in Begei­tung anderer auf die Straße, und nur, um die wich­tigsten Besor­gungen zu machen. Reuters gibt Berichte aus der Roma-Com­munity wieder: Demnach schicken die Familien die Kinder aus Angst vor Über­griffen nicht mehr in die Schule. In einigen Wohn­blocks sollen unbestä­tigten Gerüchten zufolge eth­nische Polen Unter­schriften für die Entfer­nung der Roma-Nach­barn gesam­melt haben. Ein Mann erzählt, dass er seine 7-jäh­rige behin­derte Toch­ter aus Angst nicht mehr zur Behand­lung in eine Nach­bar­stadt bringt. Seine Familie fürchtet nächt­liche Angriffe: „Wir halten schicht­weise Wache. Wir haben Angst, schlafen zu gehen, weil jemand eine Flasche durchs Fens­ter werfen könnte.“ Gegenüber der Presse beton­ten die Roma, dass die Patrouillen an den Wochen­enden bis heute fort­gesetzt werden.

Roman Kwiatkowski, Vorsitzender des Verbands der Roma in Polen, zeigt sich besorgt über diese Ent­wick­lung: Andry­chów sei der erste Fall in Polen, bei dem rechts­extreme Gruppen in dieser Weise versuchten, die roma­feindliche Stim­mung zu schüren. Polens extreme Rechte hat sich in der letzten Zeit zu „einer der dyna­mischsten rechtsextremen Be­we­gungen Europas“ (Eurozine) entwickelt, „Ruch Narodowy“ spielt hierbei die zentrale Rolle. Im November 2013 beteiligten sich 50.000 Nationa­listen am „Unab­hän­gig­keits­marsch“ („Marsz Niepodleglosci“) durch Warschau. Winnicki, der gute Kontakte zu Jobbik unterhält, sieht in der Erfolgs­strategie der unga­rischen Partei eine „Inspiration“ der Anti-Ro­ma-Kund­gebung in Andrychów. „Das Jobbik-Drehbuch aus Ungarn scheint in Andry­chów beinahe Schritt für Schritt um­ge­setzt zu werden“, schreibt Reuters.

(RU/dROMa)

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