Frankfurter Rundschau: „Abschiebung ins Elend“
Januar 25th, 2014 | Published in Medien & Presse, Politik, Rassismus & Menschenrechte
Deutschland schiebt – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – jedes Jahr Hunderte Roma in den Kosovo ab. Als stark angefeindete Minderheit leben die zurückgekehrten Roma dort vielfach in ärmlichsten Verhältnissen. Unter dem Titel „Roma im Kosovo: Abschiebung ins Elend“ berichtet Mira Gajevic für die Frankfurter Rundschau (24.1.2014) über die deutsche Abschiebungspolitik.
In den vergangenen zwei Jahren wurden rund 850 Menschen aus Deutschland in den Kosovo ausgewiesen; bei fast der Hälfte von ihnen handelt es sich um Roma. Dies ging aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der oppositionellen Linken hervor. Laut Regierung hatten die deutschen Behörden insgesamt 2.221 Abschiebungsaufträge erteilt
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. Drei Viertel dieser Abschiebefälle betrafen Angehörige der Minderheit, ein Großteil sei daraufhin untergetaucht: „Die Roma mit Abschiebungsandrohungen in die Illegalität zu drängen ist keine Lösung, sondern eine Katastrophe, in erster Linie für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft“, zitierte die Frankfurter Rundschau die Abgeordnete Ulla Jelpke (Linke). In vielen Fällen werden Roma ausgewiesen, die in Deutschland verwurzelt sind. Laut Angaben der Bundesregierung lebte jeder Sechste seit mehr als 14 Jahren in Deutschland; sehr viele sind minderjährig. Viele der Roma-Kinder werden in ein ihnen völlig fremdes Land abgeschoben. Viele von ihnen sprechen gar kein Albanisch mehr. Eine Studie der Unicef hat aufgeziegt, dass 70 Prozent der Roma-Kinder nach ihrer Abschiebung ins Kosovo keine Schule mehr besuchten. In der Frankfurter Rundschau heißt es dazu:
Flüchtlingsorganisationen beklagen, dass die Roma im Kosovo wie kaum eine andere ethnische Minderheit von Diskriminierung betroffen seien. „Den Abgeschobenen fehlt es oft am Allernötigsten, in vielen Fällen sind noch nicht mal zeitnahe Unterbringung und Ernährung gesichert”, kritisierte der Sozialwissenschaftler Stephan Dünnwald schon 2012. (…) Jelpke fordert deshalb eine humanitäre Bleiberechtsregelung für die Roma, „denen im Kosovo das nackte Elend, systematische Ausgrenzung und erneute Vertreibung drohen“.
2010 hat Deutschland ein umstrittenes Rücknahmeübereinkommen mit der Republik Kosovo abgeschlossen. Diese bilaterale Regelung erlaubt Deutschland, bis zu 2.500 Flüchtlinge pro Jahr in den jungen Balkanstaat zurückzuschicken. Die Frankfurter Rundschau schreibt:
Inzwischen leben nach Angaben der Bundesregierung noch knapp 7.000 Kosovo-Roma in Deutschland, drei Jahre zuvor waren es noch 10.000. Fast 40 Prozent sind jünger als 18 Jahre alt. Angesichts des trostlosen Schicksals, das vor allem die Roma im Kosovo erwartet, nahm nur ein verschwindend geringer Teil sogenannte Rückkehrhilfen an und ging freiwillig zurück in die alte Heimat: In den letzten beiden Jahren waren es gerade 35 Roma.
(dROMa-Red.)